
3. Sakrament der Ehe: |

a. Den Ehegatten zur Verwaltung anvertrauter Bereich der |
Die dargestellte Lehre der Kirche über die Ehe als Sakramentes: des heiligen und heiligenden Zeichens des Bräutlichen Bandes Christi mit dem von Ihm erlösten Volk, lässt auf eine noch andere Lehramtliche Aussage Johannes Paul II. über die Ehe wechseln. Dieses Mal knüpft der Heilige Vater unzweideutig an das Erleben der intimen körperlich-geistigen ehelichen Kommunion an. Diesen Text führen wir bald an.
Der eheliche Bund ist an sich ein Stand, in dem das feierliche Gelöbnis der beiderseitigen Hingabe aneinander aufgrund des zweifältigen Sinnes herauswächst, den der Schöpfer in die Geschlechtlichkeit von Mann und Frau eingeprägt hat: des bräutlichen – und elterlich-erlösenden Sinnes des Leibes. Dieser zweifältige Sinn des Leibes durchdringt im Fall der Eheleute die Gesamtheit ihres Lebens für den Alltag auf ganz besondere Art und Weise. Dennoch besonders intensiv und eindeutig geschieht es doch in Zeiten, wenn diese Zweien ihr Band mit ihrer intimen Vereinigung in Liebe krönen.
Allerdings in solchen Weilen schreiten diese Zweien daselbst in den Orbit, der sie seinem Wesen nach übersteigt. Am Spiel ist dann das Geheimnis der Liebe, die diesen Zweien auf solche Art und Weise zugänglich gemacht wird, dass es sich jedesmal sperrangelweit auch auf das Geheimnis des Lebens aufschließt. Weder das eine, noch das andere dieser Geheimnisse ist Besitztum dieser Zweien. Niemals auch wird es irgendwelchem der Eheleute, noch irgendeiner menschlichen Macht, gegeben werden, über die Wirklichkeit sowohl der Liebe, wie des Lebens – die Obermacht auszuüben.
Mann und Frau werden dagegen berechtigt, eine verantwortliche, voller Verwunderung und Feinfühligkeit Verwaltung über diese Geheimnisse auszuüben. Dazu werden sie vom einzigen Herrn und Besitzer dieses besonderen ‘Beetes’ Im Gottes ‘Garten’ berufen, dessen Name ‘Ehe’ heißt. Diese Zweien, erschaffen auf dem Boden, der sich ‘außerhalb des Gartens’ (vgl. Gen 2,8.15.17) befunden hat, werden von Gottes Güte in jenen Garten zuerst „herübergetragen” (s. ebd.: Gen 2,8.15). Erst in der Stunde, wenn sie sich gegenüber und angesichts Gottes ihr feierliches eheliches Zugeständnis zum Ausdruck bringen, das Er als unauflösbares und unwiderrufliches annimmt, werden sie daselbst Ehelicher Bund.
Eben in dieser Weile werden sie vom „Vater, von dem jede Vaterschaft in den Himmeln und auf Erden benannt wird” (vgl. Eph 3,14n), mit Vollmächten ausgestattet, die in Gottes Augen zur verantwortlichen Verwaltung des Schatzes der ihnen geschenkten Geschlechtlichkeit unentbehrlich sind. Gott behält sich aber sehr deutlich vor, dass sie sich bei ihren ehelichen Beziehungen nach der vom Schöpfer eingebauten inneren Friedensordnung richten, wie es gilt das „Zwei-zu-Einem-Fleisch” (Gen 2,24; vgl. Röm 2,14f) zu werden.
– Ihm auch, dem Dreieinigen – muss früher oder später die Abrechnung von der Qualität der ausgeübten jenen Verwaltung erstattet werden. Sowohl bezüglich der feinen Pflanze der Liebe, wie auch ihrer Blume, aus der die Frucht des Lebens einer neuen Menschlichen Person auftaucht.
Sowohl die Liebe, wie das Leben – wurden durch die „Liebende Allmacht des Schöpfers” (DeV 33) in die Welt der Personen unseres Globus eingeimpft. Jede menschliche Person wird sowohl zur einen, wie zur anderen Wirklichkeit befähigt: sie wird ausgestattet mit „Befähigung und Verantwortung für die Liebe und die Gemeinschaft” (vgl. FC 11). Man muss nämlich Person sein, dass die ‘Liebe’ entstehen kann. „Nur die Person kann lieben, und nur die Person kann geliebt werden” (MuD 27) – betont unermüdlich Johannes Paul II. Die Liebe kann einzig auf dem Boden des freien Willens und ihrer freien Wahl hervorwachsen. Diese Domäne ist aber einzig dem Menschen eigen: Mann und Frau. Kein Tier, sollte es noch so ‘intelligent’ scheinen, ist befähigt, Akte der Selbst-Bestimmung zu unternehmen [freier Wille]. Daselbst ist bei Tieren die Entstehung der ‘Liebe’ ausgeschlossen.
Es ist aber offensichtlich, dass weder die Liebe, noch ihre Blüte: das Leben – „von dieser Welt” (vgl. Joh 17,14ff) herkommt. Weder die Liebe, noch das Leben, kann von irgendjemandem aus der ‘Materie’ ausgeschlagen werden, selbst aus dieser ‘hoch organisierten’. Dagegen beim Gottes Lebendigen Ebenbild, das heißt im Fall der menschlichen Person – werden diese beiden Geheimnisse Aktivierung der zustande gekommenen Einladung zur Teilhabe an dem, Was – oder eher: Wer ihr Besitzer selbst ist: der einzige Herr der Liebe, deren anderer ‘Name’ Leben ist.
Kein Wunder, dass sooft Mann und Frau im Zustrom von Gefühl sich gegenseitig das beiderseitige Band mit der intimen Hingabe aneinander erweisen möchten, ‘springen’ ihre Betätigungen in selber Weile auf einen höheren Orbit, wo sich mehr denn in anderen Bereichen der Verhaltensweisen das unmittelbare Walten der „Liebenden Allmacht des Schöpfers” (vgl. DeV 33) bezaubernd ausweitet, die sie Beiden überragt. Eben diese „Liebende Allmacht des Schöpfers”, die „von Anfang an” (vgl. Mt 19,4.8) sich selber offenbart hat als Bräutlich-Eheliche Liebe zu seinem Lebendigen Ebenbild: Mann und Frau, ist in der Stunde, die vom Gottes-Geschriebenem-Wort als „Fülle der Zeit” (Gal 4,4) bezeichnet worden ist, dem tödlich von der Sünde bedrohtem, in Sünde gefallenen Menschen entgegen gekommen. Es geschah in der Zweiten Person Gottes: dem Sohn-dem-Wort Gottes. Der Sohn Gottes wird in der Kraft des Heiligen Geistes Menschen-Sohn. Das erfolgt im Schoß Mariens, seiner Jungfräulichen Mutter.

b. Göttlicher Bräutigam im Kampf um die tödlich bedrohte Braut |
Der Dreieinige konnte gleichsam die vom Menschen verschuldete, es schien – unabwendbare Verknechtung im Dienst Satans, nicht länger aushalten. Satan aber ist es gelungen, im Bewusstsein von Mann und Frau das Geheimnis sowohl der Liebe, wie des Lebens, zu verlügen, indem er sie ihnen genau umgekehrt vorgestellt hat. Und zwar es ist ihm gelungen, schon diesen Ersten Zweien einzureden, Gott hätte sie nicht nur nicht geliebt, sondern Er wäre die größte Bedrohung für ihr ‘Anrecht’ sowohl zur Liebe, wie zum Leben (vgl. DeV 38). Der Mensch hat aufgehört, Gott zu glauben. Er hat dagegen sein Anvertrauen widerstandslos auf den ... „Mörder von Anfang an, an den ... Vater der Lüge” (vgl. Joh 8,44) übertragen (vgl. DeV 37). Die Folgen des Abbruches mit Gott – und Anhängen an den Bösen, haben sich sofort kund getan.
Aber gerade in dieser Lage wird der Dreieinige, der sich Einmal mit dem Menschen, den Er „um seiner selbst willen” (GS 24) erschuf, verbunden hat, wobei Er ihm sein Bräutliches Wort und sein Vorhaben angeboten hat: „Ich Liebe Dich, Du Mein Lebendiges Ebenbild” – dieses sein Wort außer Zweifel niemals zurückziehen. Er ist doch unnachgiebig Treu [hebr.: Gottes hémet = Wahrheit: unrüttelbar ständige Treue] – dem Einmal seinem Lebendigen Ebenbild angebotenen Bund: der bräutlich-erlösenden Liebe zu ihm. Gott der Vater ist nämlich immer derselbe:
„Denn ... so sehr hat Gott die Welt Geliebt [die Welt der Menschen], dass Er seinen Eingeborenen Sohn dahingegeben hat [= zum Opfer], damit jeder, der an Ihn glaubt [= Ihm, dem Sohn Gottes, sein Leben total Anvertraut], nicht verloren geht [= ewiger Tod: Verdammnis], sondern das ewige – Leben hat” (Joh 3,16).
Die endgültige Erfüllung dieses Erlösungs-Vorhabens, das „von Ewigkeit her in Gott, dem Schöpfer des Alls, verborgen war” (Eph 3,9), erfolgt in der Stunde, wenn die Erlösten eingeladen werden zum „Hochzeitsmahl des Lammes”, das seinem Sohn der KÖNIG bereiten wird: Gott der Vater (s. Mt 22,1-14; Offb 19,7.9). Dieses Mahl stellt in seinem Gesicht Johannes dar, der Geliebte Jünger Jesu Christi:
„Wir wollen uns freuen und jubeln ...
Denn gekommen ist die Hochzeit des Lammes,
und seine Gemahlin [= Die triumphierende Kirche; jedes einzelne Ebenbild Gottes, der Mensch, der bis zum Tod treu geblieben ist: s. Mt 10,22; 24,13]
hat sich bereit gemacht ...
Jemand sagte zu mir [= die sich Johannes offenbarend Gottes Stimme: Offb 19,1]:
‘Schreib auf: Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen ist!’ ...” (Offb 19,7.9)
Dasselbe Vorhaben wird aber im Maß der laufenden Zeiten auch schon allmählich realisiert. Seine Umsetzung in Tat hat bei der Erschaffung des Menschen begonnen. Denn der Mensch wurde von Anfang an mit der Gnade der ursprünglichen Unschuld beschenkt – um des künftigen Erlösers Jesus Christus willen (Eph 1,4).
– Auf intensive Weise hat Gott sein Erlösungs-Vorhaben dem Menschen gegenüber in der Stunde in Bewegung gesetzt, wann das erste Menschenpaar im Garten Eden die Sünde begangen hat. Bei der Sünde selbst sind diese Zweien zur Erkenntnis gekommen, dass das Anvertrauen auf den Bösen gleichbedeutend geworden ist mit Weggang von Gott – der einzigen Quelle sowohl des Lebens, wie der Liebe. In der ihre Herzen überwallenden Verzweiflung, nachdem sie sich um ihre persönliche Schuld angesichts der Güte Gottes zum Bewusstsein gekommen sind, kommt ihnen der von ihnen schmachvoll behandelte Schöpfer entgegen und hebt sie zur erneuerten Hoffnung (vgl. DV 3b) empor. Er ist nämlich „reich an Barmherzigkeit, [und ist es] – um seiner vielen Liebe willen, womit Er uns geliebt hat, auch uns, die wir in den Vergehungen tot waren ...” (Eph 2,4f). Gott hat diesen Zweien den Sieg über Dem versprochen, der der Böse ist. Er wird einmal vom Sohn Gottes davongetragen werden, der einst aus der Nachkommenschaft ihrer beiden geboren werden wird (Gen 3,15).
In Ihm – Jesus Christus, schließt Gott einen Neuen und Ewigen Bund mit der Menschen-Familie: mit der Kirche. Ein Bund ist aber immer Ehe-Bund. Jesus schließt ihn im Blut seiner Kreuzigung. Das Opfer seiner Liebe vergegenwärtigt Er schon am Vortag – bei der Einsetzung des Eucharistischen Opfers. Die Eucharistie wird zum „Sakrament des Bräutigams und der Braut” (MuD 26). Denn hier werden – der Sohn Gottes und seine Braut: die Kirche und jeder einzelne Mensch – auf Gott allein bekannte Art und Weise zum „Zwei-zu-Einem-Fleisch”:
„... Trinket alle daraus. Denn dies ist Mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird – zur Vergebung der Sünden ...” (Mt 26,27f).
Die Hingabe des Lebens am Kreuz ist vonseiten des Sohnes Gottes Beweis seiner Liebe-Gabe „bis zum Letzten” (vgl. Joh 13,1) und zum Letztlichen. Mehr konnte der Sohn Gottes nicht mehr schenken: Er hat alles gegeben, was Er zum Geben gehabt hat.
– Im Geheimnis seiner Fleischwerdung hat Er sich mit der Menschen-Familie: Mann und Frau – vereinigt, und sich mit ihr auf seine Gottes Art und Weise vermählt: „Denn Er, der Sohn Gottes, hat sich durch seine Menschwerdung irgendwie mit jedem Menschen vereinigt ...” (GS 22). Er hat zu seiner Gottheit die ganze Menschen-Natur angenommen – samt seinem Geschick und Elend, das Er in seinem Leben in Fülle erfahren hat (s. Mt 8,20; Lk 9,58). Allein die Sünde hat Er nicht angenommen (s. Hebr 4,15). Ab dieser Stunde an, also ab seiner Menschwerdung, hat Er sich ausdrücklich zum Werk der Ergänzung des Geheimnisses der Menschwerdung – dieser scheinbar ‘idyllisch-friedlichen’ Vermählung mit der Menschen-Familie – mit dem zweiten Geheimnis: der Erlösung durch das Kreuz vorbereitet.
So sehen wir, dass Jesus Christus, der von sich selbst gern als von dem Menschen-Sohn sprach, sich mit ganzer „Überschwänglichkeit” (vgl. Lk 22,15) seiner Bräutlichen Liebe vorbereitete, oder eher: Er ‘riss sich gleichsam hinaus’ (s. Mk 10,32: persönliche Erinnerung zweifelsohne des Petrus) zur Erfüllung seiner Final-Aufgabe, um derentwillen Er überhaupt vom Himmel herabgestiegen ist (s. Joh 12,27). Er wird zum „Sühneopfer für unsere Sünden, ... und die der ganzen Welt” (1 Joh 2,2; s. Röm 3,25).
– Dieses Opfer, in dem der Sohn Gottes und zugleich der Menschen-Sohn – sich Selbst zum Opfer dahingibt, schafft für seine Geliebte, in dieser Stunde total Unwürdige, mit Sünden des „Ehebruches” mit dem Bösen [= Satan] besudelte Braut – die Möglichkeit, dass sie „ihre Kleider spült und [sie] weiß macht im Blut des Lammes” (vgl. Offb 7,14). Die Hingabe Christi seiner Selbst am Kreuz wird „Lösegeld” (Mt 21,28 ), das gleichsam die Last ihrer Sünden – „überwiegt” (vgl. SD 31; GI 30 [§ 5, Anfang; § 26: Christi ‘Leiden, das das Böse verbrennt und mit dem Feuer der Liebe verschlingt, und selbst aus der Sünde vielfältige Früchte des Guten herauszuholen versteht’ – ib. (poln.Ausg.: S. 172])
– Zu gleicher Zeit wird das Kreuzesopfer die der Braut dargebotene „Mitgift” für die Hochzeit mit dem „Lamm ohne Fehl und Makel” (1 Petr 1,19). Sie wird bezahlt nicht von ihr, sondern selbst von Ihm: dem Gottes Bräutigam, der so unbeugsam Treu das seiner Braut gegebene Wort in die Tat umsetzt: ‘Ich liebe Dich ...’.
Voraussetzung zum erneuerten „Bräutlich-Ehelichen” Bund des Sohnes Gottes mit seiner Braut-der-Kirche, und jedem einzelnen seiner Brüder und Schwestern in selber menschlichen Natur – wird nur die neuerliche Hinwendung mit dem ‘Gesicht’ (s. dazu: Jer 2,27; 7,24) zum Gottes Bräutigam-vom-Kreuz sein. Die Braut wird nur von neuem die von Ihm gestellten Bedingungen annehmen müssen, die die Wiedergewinnung des Status der Gottes Mystischen Braut möglich tun. Sie muss von neuem die Gebote Gottes lieben und sie von neuem ins Leben umsetzen (vgl. Joh 14,15.21.23f).

c. Die Zeit der ehelichen Vereinigung mit Blick auf den Gottes Bräutigam |
Einmal mehr wird es uns gegeben mit Gottes Stil dieser Wirklichkeit ‘durchtränkt’ zu werden, deren Name: Liebe ist, und sich über ihren erschütternden Realismus zu wundern: der Treue-in-Liebe. Sollten wir in diesem Moment die Kontemplation der Ganzheitlichkeit in gegenseitiger Hingabe aneinander der Gottes Personen im Schoß des inneren Leben der Allerheiligsten Trinität übergehen, suchen wir doch mit Glauben den Stil Gottes zu betrachten, wie die Liebe zum Menschen, dem Gottes Lebendigem Ebenbild, ‘in-die-Tat-umgesetzt-wird’. Gott bietet ihm seine Bräutliche Liebe an. Er geht zu ihm – um sie zu besiegeln – mit dem Angebot der Annahme des ‘Vermählungs-Ringes’ entgegen.
Wir bemerken, dass wenn Gott einmal sagt: „Ich Liebe”, wird es um keine Liebe zum Spaß gehen. Gottes Liebe wird zum immerwährenden nicht-Denken an sich selbst. Dort wird es keinen Anhauch von Eigensüchtigkeit-Egoismus geben. Der Blick Gottes ist beständig mit dem Guten dieser Geliebten, der Braut benommen. Nicht nur wenn Er auf Gegenseitigkeit von ihrer Seite trifft, sondern um so mehr, wenn diese das Gottes Bräutliche Angebot verachtet und den zuvor angenommenen Bund mit dem Gottes Bräutigam ... niedertritt und ihn verrät.
Mit anderen Worten, im Gegenteil zu Satan, der „wie ein brüllender Löwe umhergeht und sucht, wen er verschlingen kann” (1 Petr 5,8), liebt der Gottes Bräutigam niemals auf ‘fremden’ Kost. Er ‘zahlt’ immerwährend mit sich Ganzem für die Liebe, die Er seiner Ihn ständig verratenden, besudelten, und doch – als Bedrohten – um so mehr wahrhaft Geliebten Braut anbietet. Er hat nämlich dazu geliebt, dass Er dieser Braut das definitive Gute sichern kann: ihr ewiges – Leben. Um es ihr zu sichern, legt der Sohn Gottes in wörtlichster Bedeutung jeden Preis. Sollte es sich so legen, dass es schon keine andere Art und Weise geben wird, um seine ständig treulose Mystische Braut von dem ihr drohenden, unabwendbaren – ewigen Übel herauszureißen, zögert Er nicht auf die Waagschale sein eigenes Leben zu werfen.
Solchen Stil, wie es zu ‘lieben’ gilt mit seiner Gottes, wenn auch voll Menschlicher Liebe mit Bezug auf seine Mystische Braut: die Kirche und jeden einzelnen Menschen – führt Jesus Christus ins Leben ein, der „Sohn des Lebendigen Gottes” (Mt 16,16). Genau So ist aber sowohl der Vater, wie auch der Heilige Geist: „Wer Mich gesehen hat, hat den Vater gesehen ...” (Joh 14,9).
Wir beginnen immer besser zu verstehen, in welchem Sinn der Stil, wie der Bräutigam-vom-Kreuz liebt, für Mann und Frau, zumal in der Stunde ihrer intimen Vereinigung, ein großes Rufen wird, dass sie ihre beiderseitige Liebe nach dem Muster dieser Liebe gestalten: des „... Sohnes Gottes, der mich Geliebt und sich selbst für mich ausgeliefert hat ...” (Gal 2,20). So hat sich von dieser Liebe des Öfteren Paulus der Apostel ausgedrückt und sprach dabei mit ganzer Glut seines Herzens. Denn hier: bei der Kontemplation des Stiles, wie Christus seine Braut geliebt hat, beginnt es sich zu enthüllen für diejenigen, die ihre Ehe mit Glauben als Sakrament erleben möchten, was für bodenlosen Tiefen sich hinter den Worten des Hl. Paulus verbergen, die Gegenstand unserer früheren Erwägungen waren:
„Groß ist dieses Geheimnis, ich aber deute es: auf Christus und die Kirche ...” (Eph 5,32).
Und zwar die erfolgende körperlich-geistige eheliche Hingabe ist an sich aus Wille Gottes – nicht aber des Menschen, noch aus Einsetzung, oder auch allein Deutung der Kirche – ein einziges, großes, unverwüstliches „reales Symbol der Vereinigung Christi mit der Kirche” (FC 80). Sie ist aus Gottes Gründung gleichsam ein fortbestehender ‘Transmissionsriemen’, der diesen Zweien zum Bewusstsein bringen soll, Wie sich Christus seiner Braut: der Kirche, und jedem seinen Lebendigen Ebenbild: Mann und Frau – dahingibt.
– Das hier dargestellte „Grosse Geheimnis – gedeutet auf Christus und die Kirche”, in das Mann und Frau in den Zeiten ihrer beiderseitigen Intimität versinken, ist keine ‘Dichtkunst’, noch eine idealisierte Erzählung, die nichts zu tun hätte mit der so oft begegneten, vielleicht ganz brutalen Wirklichkeit, wie die Beziehungen in den Ehen erlebt werden können: flach und mit Einschränkung der Aufmerksamkeit beinahe ausschließlich auf die utilitaristisch-wahrnehmbare Hinsicht.
Daselbst aber soll man sich dessen bewusst sein, dass ausnahmslos die ganze Wirklichkeit der Ehe, die Zeiten der geschlechtlichen Vereinigung nicht ausgenommen, aus Gottes Willen, des Herrn und Besitzers sowohl der Liebe, wie des Lebens, die Funktion der fortbestehenden, eigenartigen Konfrontation der menschlichen Wirklichkeit dieser Zweien – mit der Wirklichkeit Gottes erfüllt: der ‘Horizontale’ der gegenseitigen Beziehungen dieser Zweien – in Kreuzung mit der ‘Vertikalen’ der Gottes Beziehungen zu seiner Mystischen Braut. Die beiderseitigen Erweise der Liebe und Zärtlichkeit, samt der gegenseitigen Hingabe von Mann und Frau [Wirklichkeit der ‘Horizontale’] wird für diese Zweien, und über sie für die ganze Welt, immerwährende Erinnerung, und selbst Vergegenwärtigung der wesentlich mehr ursprünglichen, dramatischen Hingabe: des Liebenden Gottes – seinem Bräutlich geliebten, menschlichen Ebenbild [Wirklichkeit der ‘Vertikale’].

d. Tiefe des Sinnes der Unterschiedlichkeit des Menschseins: |
Wir gelangen an einen ungemein intrigierenden Moment unserer Erwägungen, die diesmalig auf die Grundlagen selbst der geschlechtlichen Unterschiedlichkeit des Menschseins greifen. Diese Erwägungen verdanken wir dem Heiligen Vater Johannes Paul II. In seinem immer tieferen Eindringen in das Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes und der von Ihm vollbrachten Erlösung – sieht er immer mehr zuständig, der Reihe nach, das Geheimnis des Menschen. So hat es übrigens das Zweite Vatikanische Konzil ausgedrückt in der Pastoral-Konstitution Gaudium et Spes, in deren Redaktion der ehemalige Kard. von Krakow – Karol Wojtyla, seinen seriösen Anteil eingebracht hat. Als Johannes Paul II. hat er wiederholt und gern u.a. die folgende, eine der bahnbrechenden Aussagen dieser Konstitution angeführt:
„... Christus, der neue Adam, offenbart schon eben in der Offenbarung des Geheimnisses des Vaters und seiner Liebe dem Menschen - den Menschen selbst voll und erschließt ihm seine höchste Berufung ...” (GS 22)).
In seiner Apostolischen Adhortation Familiaris Consortio weist Johannes Paul II. ein paarmal mit Nachdruck hin, dass „im Opfer, mit dem Jesus Christus sich selbst am Kreuz für seine Braut, die Kirche, dahinbringt” (FC 13), zugleich folgendes erfolgt:
„... In diesem Opfer wird das Vorhaben vollständig enthüllt, das Gott dem Mensch-Sein von Mann und Frau seit ihrer Erschaffung eingeschrieben hat: so wird die Ehe der Getauften wirkliches Zeichen des Neuen und Ewigen Bundes, der im Blut Christi geschlossen worden ist” (FC 13).
In diesen Worten beruft sich der Papst auf die früher schon ausführlich besprochene Aussage des Hl. Paulus über die Ehe als das „Große Geheimnis – auf Christus und die Kirche” (Eph 5,32). Der Hl.Paulus wendet sich dort zugleich an die Männer mit der Anordnung, sie sollen „ihre Frauen so lieben, WIE Christus die Kirche geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat” (vgl. Eph 5,25). Gerade hier äußert sich jetzt Johannes Paul II. ungemein kühn über das Thema, Warum Gott den Menschen als unterschiedlichen in seiner Geschlechtlichkeit erschaffen hat: als Mann und Frau.
Es zeigt sich, dass schon der Aufruf allein, eine „Einheit von Zweien” zu werden, wie sich das ergibt „aus der eigenartigen Verschiedenheit und personalen Originalität von Mann und Frau ergeben” (MuD 10), den dahinter liegenden Gottes Grund-Gedanken erblicken lässt. Gott ruft sein Lebendiges Ebenbild: Mann und Frau auf und beruft den Menschen in seiner geschlechtlichen Unterschiedlichkeit – zur Liebe, die zugleich beiderseitige Gabe. sein soll.
– Zu gleicher Zeit auferlegt Gott dem Menschen die ‘Liebe’ als Aufgabe und Gebot, in dessen Namen er Kommunionen von Personen bilden soll in Angleichung an Gottes Kommunion von Personen:
„Diese Ähnlichkeit [zur Kommunion im Schoß des Dreieinigen] wurde als Eigenschaft des personhaften Seins der Beiden, Mann und Frau – aber zugleich als Aufruf und Aufgabe” (MuD 7; und s.: BF 8; FC 11.13; usw.) eingeprägt.
Krönung dieser Aufgabe, die zugleich Berufung zur Liebe ist, ist das Gebot Gottes der Liebe zu Gott und zum Nächsten (s. ebd., MuD 7).
Wir kehren von neuem zur Ehe zurück. Gerade hier erfolgt auf sehr spezifische Art und Weise das Uneigennützige Gabe-Werden für diesen anderen: den Ehegatten. Besonders wahrnehmbar erfahren es Mann und Frau, wenn sie sich bräutlich umfangen, auch wenn für sie selbst solche Zeiten ein eigenartiges ‘Fest’ darstellt. Für den Alltag äußert sich die eheliche Liebe als Gabe – sei es in Hingabe an das Wohl dieses anderen, sei es in Erwerbsarbeit, sei es ihrer beiden als Gabe für die aufeinander erscheinenden Kinder, und in vielen anderen Formen ihrer beiderseitigen Hingabe für sich gegenseitig und ihre Familie.
Allerdings das Erleben der Zeiten der höchsten Bräutlichen ‘Veranlagung’ des eigenen Leibes soll diesen Zweien als Ehegatten gleichsam von allein den Gedanken an diese andere Liebe bringen: diese Gottes, der der erste ganz Bräutlichkeit für sein Geliebtes Ebenbild ist, darunter auch für diese beiden– geradeaus als Eheleute. Denn das, was in der Wirklichkeit der ‘Horizontale’ erfolgt: ihrer beiden als Mann-und-Frau, geschieht umso mehr und ununterbrochen auf der Achse der ‘Vertikale’: Gottes-der-Liebe hinsichtlich des Lebendigen Gottes Ebenbildes: Mann und Frau. Der Dreieinige bereitet nämlich den Menschen zu dieser ‘Seinen’ vor, Geliebten: zur Braut. Um ihres Guten und Glücks willen – dieses ewigen, gibt ihr Gottes Bräutigam-Ehemann sein alles hin: sich ganzen.
Daselbst weist die Ehe, allein schon mit ihrem Bestehen, mehr als andere zwischenmenschliche Wirklichkeiten, auf die Bräutlichen Bewerbungen Gottes selbst bezüglich seines Lebendigen Ebenbildes: Mann und Frau hin. Die Ehe ist wirklich, aus Gottes Einsetzung, eine beständige, große ‘Versichtlichung’ dessen, was sich in der Wirklichkeit der real bestehenden ‘Vertikale’ ereignet: Gott und der Mensch als Mann und Frau.
Diese Feststellung scheint ein eigenartiger ‘Zünder’ zu sein. Er bringt die Antwort auf die ein paarmal auf den Spalten unserer WEB-Site gestellte, andauernd intrigierende Frage. Der Mensch wird vom Gott-der-Liebe in geschlechtlicher Unterschiedlichkeit erschaffen: als Mensch-Mann beziehungsweise als Mensch-Frau. Würden wir einen Versuch unternehmen, um in die Erschaffungs-Absicht Gottes einzudringen, würden wir vielleicht den Mut fassen, Gott eine schüchterne Frage zu stellen:
– Warum hast Du, Gott, den Menschen nicht als nicht-geschlechtliches Wesen erschaffen, sondern hast ihn in seinem Mensch-Sein in der wunderbaren „eigenartigen Verschiedenheit und personalen Originalität” (MuD 10) als Mensch-Mann oder Mensch-Frau bestimmt ?
– Die geschlechtliche Unterschiedlichkeit des menschlichen Mensch-Seins wird zweifelsohne Quelle unermesslichen Reichtums an Gutem. Aber nicht weniger oft, oder eher beinahe für den Alltag, nehmen wir parallel wahr: die Frage der Geschlechtlichkeit und ihrer männlichen und fraulichen Unterschiedlichkeit pflegt so oft Grundboden für einen unwahrscheinlichen, wenn nicht geradeaus bodenlosen Niederfall und tiefstes Übel zu sein ...!
Indessen das Hineinsinken mit Hilfe des Geistes der Wahrheit (vgl.: Der Heilige Geist „... wird Er euch zur vollen Wahrheit” der Offenbarung Gottes führen – Joh 16,13) in die Tiefen des Vorhabens des Dreieinigen scheint eine Antwort zu bieten, die auch in diesem Ausmaß – nicht schwer verstanden werden kann. Vor allem aber: diese Antwort bleibt in der nächsten Reichweite. Gott antwortet auf die aufgestellte Frage gleichsam folgender:
Kind Meiner Liebe! Du Meine, Geliebte: Ich möchte Dich als Meine ... Braut lieben. Und Dich einst mit Mir für immer haben – im ‘Haus des Vaters’: in Kommunion Meines Lebens und Meiner Liebe, die Ich Dir als Vermählung – darbiete.
Siehst Du das, Du Meine, Geliebte, wie diese Zweien: Er und Sie – sich beständig nacheinander sehnen? Sie denken immer wieder an sich gegenseitig. Die Weilen der vorkommenden kürzeren oder längeren Trennung erleben sie als überaus schwere Pein und Probe ihrer Liebe. Sie können wirklich ohne sich nicht leben.
– Ist es diesen Zweien nicht leichter beiderseitige Gabe „von Person zu Person” (BF 11) gerade deswegen zu werden, weil sie sich gegenseitig als Mann und Frau ergänzen, und zugleich in sich die Uneigennützigkeit des Gabe-Seins ‘für’ diesen Zweiten dauernd zu vertiefen suchen? Sie finden sich mit Liebe gebunden – und haben sich gegenseitig die lebenslange Treue versprochen. Du verstehst, Kind Meiner Liebe, dass die ‘Liebe’ in ihnen nicht entstehen würde, wenn sie nicht-geschlechtliche Wesen wären. Wenn sie jener „eigenartigen Verschiedenheit und personalen Originalität” (MuD 10) beraubt wären. Diese geht nämlich mit dem ihnen geschenkten männlichen und fraulichen Mensch-Sein einher.
Es geht aber noch um wesentlich Wichtigeres. Kannst Du das, Du Meine, Meine Braut, auch verspüren, dass dank ihrer so stark, zumal im Fall von Mann und Frau, bisweilen so schmerzhaft und eindringlich erlebter Liebe-Sehnsucht-Hingabe, ist es ihnen – und sollte es so sein – sehr nicht-schwer von ihrem ‘Orbit’, also von der Wirklichkeit der ‘Horizontale’ – auf den ‘Orbit’ zu überspringen, der sich mit jenem kreuzt: der Wirklichkeit der ‘Vertikale’? Kein Ehemann, keine Ehefrau – wäre imstande in irgendwelcher Art und Weise jene Liebe-Sehnsucht-Hingabe wahrzunehmen, wenn ihnen diese Fähigkeit nicht eingeimpft wäre von Mir, ihrem Schöpfer, und dazu ... Erlöser.
Fängst Du an, Du Braut, Du über Mein Leben Geliebte, die Ich „mit Mir für immer” – haben möchte (vgl. Joh 14,3; 17,24), wenn nur Du dasselbe wolltest, wie sehr erst Ich, Dein Schöpfer, aber auch dein Bräutigam-vom-Kreuz, eine ungetröstete Sehnsucht nach Dir erlebe – Du Mein Lebendiges Ebenbild, das Ich mir zu meiner Braut vorbereite, wenn sie nur die ihr angebotene Bräutlichkeit mit ihrem Schöpfer und Erlöser annimmt?
– Du Meine Liebe, siehst Du nicht ein, dass Ich einzig dazu vom Himmel herabgestiegen bin, um Menschen-Sohn zu werden und Dir so die Möglichkeit zu bereiten, d.h. jedem Mann, jeder Frau, dass sie „ihre Gewänder im Blut des Lammes waschen und sie weiß machen” (Offb 7,14), und so angesichts des „Lammes” (Offb 21,9) sich stellen können als die „reine Jungfrau” (2 Kor 11,2), „wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat” (Offb 21,2), der ihr sagen kann: „Ich war tot und siehe, ich bin Lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Unterwelt ...” (vgl. Offb 1,18)?
Kannst Du, Du Meine, Geliebte, „mit Meinem Blut ... für Gott erworben aus allen Stämmen und Sprachen, aus allen Nationen und Völkern” (vgl. Offb 5,9) – jetzt verstehen, dass gerade Eheleute in der Stunde ihrer beiderseitigen, ganzheitlichen Hingabe aneinander, ihre Gedanken und ihr Herz erheben können und sollen zu dieser Anderen, sie überragenden Liebe, die aber auch zu ihnen selbst herankommt – von Diesem, der sein Gabe-Sein für diese Seine, Geliebte, so weit vorgeschoben hat, dass das „Blut Christi, der sich kraft des ewigen Geistes als makelloses Opfer Gott dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigt, damit wir dem Lebendigen Gott dienen” (vgl. Hebr 9,14)?
Siehst Du also, wie sehr jede Ehe schon an sich ein „Reales Symbol” (FC 80) ist dieser Anderen Liebe: die in der Vertikale von Gott geht zu Dir und zum jeden Gottes Lebendigen Ebenbild? Und dass es jedem Mann und jeder Frau nicht schwer sein soll, bei der Hingabe einander in Ganzheitlichkeit der Gabe-Person, das Zeichen des Kreuzes zu vervollständigen und gerade dann zu erleben, d.h. gerade in der Stunde ihrer höchsten Vereinigung – zu gleicher Zeit die Glut der Liebe des Schöpfers-Erlösers-Bräutigams zu erleben, wie sie zu jedem von ihnen herankommt von ihrem Gottes Bräutigam-vom-Kreuz, dem Erlöser des Menschen? Er möchte doch seinem Vater jeden der Erlösten um so großen Preis vorstellen können – als diese Seine Braut: rein, heilig und makellos ... (Eph 5,27).
In solcher Lage wird es von allein verständlich, Warum der Schöpfer und Erlöser die Menschen als geschlechtlich unterschiedlich erschaffen hat – in ihrem gegenseitigen Verwiesensein aufeinander, die das Person-Gabe-Sein füreinander auszulösen wesentlich erleichtert.
– Ferner es wird verständlich, dass gerade die Ehe vom Erlöser zum Rang des Sakramentes erhoben worden ist. Sie soll durch ihr Bestehen allein – zuerst ihnen selbst: Mann und Frau, aber auch dem ganzen Volk der Erlösung – an Diese Liebe erinnern, mit der der Schöpfer und Erlöser jeden Menschen, d.h. jedes sein Lebendiges Ebenbild geliebt hat:
„Mit ewiger Liebe habe Ich dich Geliebt,
darum habe Ich die Huld dir so lange bewahrt ...” (Jer 31,3).
Gott hat den Menschen: Mann und Frau – nach Bräutlicher Art und Weise geliebt. Diese Liebe, unnachgiebig und unbeugsam Treue und einzige, hat Gott bis zu den letztlichen Möglichkeiten vorgeschoben, als Er „Sühneopfer für unsere Sünden ... und der ganzen Welt” (1 Joh 2,2) geworden ist. In Jesus Christus hat Gott sein Leben am Kreuz hingegeben – zu diesem Zweck, dass die unwürdige Braut Gottes, d.h. alle Schafe, der dem Erlöser vom Vater anvertrauten Herde „Leben haben und es in Fülle haben” (Joh 10,10).
Wir beginnen besser zu verstehen, Warum der Mensch vom Schöpfer „ihm selbst” [= sich selbst] zum Geschenk gegeben worden ist – als Mensch-Mann und als Mensch-Frau. Gott beabsichtigte nämlich gleichsam, dass es seinem Lebendigen Ebenbild dank der geschlechtlichen Unterschiedlichkeit wesentlich leichter sein wird, das größte Gebot fortbeständig in-die-Tat umzusetzen: die Liebe zu Gott – und die Liebe zum Nächsten. Zu gleicher Zeit erwartete Gott vom Menschen her, er werde bei Erweisen seiner Liebe, zumal dieser ehelichen, spontan diese andere Liebe erblicken können, die an ihn – das Geschöpf, unaufhörlich nach dem Maß Gottes Reichlichkeit und Gottes Barmherzigkeit vom Schöpfer selbst herkommt, der außerdem der Erlöser des Menschen geworden ist.
Daselbst muss festgestellt werden, dass gerade die Ehe von Natur aus eine ständige, lebendige ‘Umsetzung’ bildet, die dem Menschen, angefangen von diesen Zweien als Eheleuten, das Geheimnis der Liebe Gottes von allein nahe bringt. Diese Liebe – in der ‘Vertikale’ Gott-die-Liebe und der Mensch: Mann und Frau – spielt sich fortwährend in Analogie der auf Gottes Weise begriffenen Bräutlichen Liebe ab.

e. Die eheliche Vergegenwärtigung der Geheimnisse Christi: |
In weiterer Folge des oben angeführten Satzes aus der Adhortation Familiaris Consortio (FC 13. – s. ob.: Text FC 13: Sinn der geschlechtlichen Unterschiedlichkeit) kommt Johannes Paul II. noch ein paarmal auf das Eheliche Erleben der Liebe Christi zurück. Höchster Ausdruck der Liebe Christi ist die Erlösungs-Gabe des eigenen Lebens am Kreuz geworden – „zur Vergebung der Sünden” (Mt 26,28) dieser ‘Seinen’, ganz mit Verrat besudelten Braut. Der Heilige Vater stellt fest:
„Die Eheleute sind daher eine ständige Erinnerung für die Kirche an das, was am Kreuz geschehen ist; füreinander und für die Kinder sind sie Zeugen der Erlösung, deren Teilnehmer sie durch das Sakrament geworden sind” (FC 13).
Der höchste Erweis der Bräutlichen Liebe Christi, der sich seiner Braut in Ganzheitlichkeit der Gabe seines Lebens hingibt, strebt deutlich ihr letztliches Gut an: ihr Heil, ihre Erlösung an.
– Indessen die Ehe ist in Gottes Absicht, und folgerichtig in der ständigen Lehre der Kirche, eine unaufhörliche Erinnerung gerade an dieses Geheimnis: Erlösung-Heil des Menschen. Es ist klar, die Ehe vergegenwärtigt die Erlösung und das Heil auf die ihr eigene Weise: als Bund von Liebe-Leben unter zweien Personen. Daher sagt der Heilige Vater:
„Ähnlich wie jedes der Sieben Sakramente ist auch die Ehe auf ihr eigene Weise tatsächliches Zeichen des Werkes der Erlösung” (FC 13).
Zeichen der Erlösung ist die Ehe als Sakrament durch die Tatsache, dass die Ganzheitlichkeit der beiderseitigen Hingabe aneinander der Ehegatten – die Gottes Ganzheitlichkeit der Gabe eigenen Lebens „zur Vergebung der Sünden” (Mt 26,28; Lk 1,77; 4,19; 24,47; Apg 2,38; 5,31; 10,43; 26,18; Kol 1,14) vergegenwärtigt und an sie fortwährend verweist. Die Ehegatten als Ehe [‘Horizontale’] weisen auf die Ganzheitlichkeit der Liebe Christi [‘Vertikale’] selbstverständlich nicht als einzelne Leute, sondern immer als eheliches Paar hin. Erst zwei Personen können sie sich gegenseitig in uneigennütziger, ganzheitlicher Gabe hingeben und den Bund bilden: die Kommunion von Personen.
Die gegenseitige eheliche Hingabe aneinander wäre in Umständen der menschlichen Vergänglichkeit unmöglich:
Ohne den Bräutlichen Sinn, der in den Leib von Mann und Frau eingeprägt ist. Der Leib ‘eignet sich’ dafür, d.h. er ist befähigt, sich anzuschmiegen, umfangen zu werden, zu lieben. Diese Gebärden sind Zeugnis der gegenseitigen Hingabe nicht des Körpers-an-den-Körper, sondern zweier Personen – durch den Leib und in ihm.
Allerdings der Leib ist auch zur Elternschaft befähigt: es ist in ihn der elterliche Sinn eingeprägt – parallel zum bräutlichen Sinn des Leibes.
Die Elternschaft geht des Öfteren von nahe mit Schmerz einher: mit schmerzhaft erfolgender physischer Geburt; aber umso mehr schmerzhaft verlaufendem Gebären des Geistes bei der von Gott empfangenen Nachkommenschaft (vgl. EV 87f.92; usw.).
Aus diesem Grund sind die beiden Sinne des Leibes: dieser bräutliche und elterliche, üblich enge miteinander verkoppelt. Denn auch die Erlösung des Menschen hat unwahrscheinlich teuer gekostet. Die Geburt der Kirche-der-Braut zum Ewigen Leben hat den Menschen-Sohn sein Leben gekostet: die Gabe eigenen Blutes.
Darum muss wieder festgestellt werden: aus Gottes Willen zeigt sowohl der eine, wie der andere Sinn des Leibes in der Ehe an sich auf die Christi Vermählung mit seiner menschlichen Braut hin: der Kirche. Das geschieht durch die hier immer wieder zur Erinnerung gebrachten zwei grundlegenden Geheimnisse des Lebens des Erlösers: das Geheimnis der Fleischwerdung [bräutlicher Sinn des Leibes], das aber erst im Geheimnis der Erlösung, d.h. der Ganzheitlichkeit in der „Auslieferung seiner selbst bis zum Letztlichen” [elterlich-erlösende Sinn des Leibes] seine eigentliche Ergänzung erfahren hat. Daher fügt Johannes Paul II. hinzu:
„Die Vermählten haben Anteil an ihm [an der Erlösung, am Heil] zu zweit, als Paar – so sehr, dass die erste und unmittelbare Wirkung der Ehe ... nicht die übernatürliche Gnade selbst ist, sondern das christliche Ehe-Band, die Kommunion zu zweit, die typisch christlich ist, weil sie das Geheimnis der Fleischwerdung Christi und das Geheimnis seines Bundes [Kreuzes-Erlösung-der-Pascha] darstellt” (FC 13).
Das Päpstliche Wort ist keine nur rührende theologische Erwägung über die Ehe. Der Heilige Vater stellt hier den Apostolischen Glauben dar – so wie er in der Offenbarung Gottes zu verstehen übermittelt wurde. So ist unser Glauben! Die Worte des Heiligen Vaters werden dringende Ermutigung, an Eheleute adressiert, dass sie gerade so ihr „Zwei-zu-Einem-Fleisch” erleben: mit aller Gelassenheit und Freude der beiderseitigen Hingabe aneinander, samt dem Erleben ihres Höchsterlebnisses, aber zugleich fortwährend auch als Gebet: mit dem Bewusstsein, und zumindest dem aufgeschlossenen Halbbewusstsein, dass hier nahe der Herr und Erlöser da ist (vgl. BF 9).
– Jesus Christus ist den Ehegatten nahe im Geheimnis seiner Bräutlichen Bewerbungen um die Liebe des Menschen [Bräutlicher Sinn des Geheimnisses der Fleischwerdung], aber auch in der Folgerichtigkeit der Hingabe seiner Selbst an seine Mystische Braut „bis zum Letzten – und bis zum Ende” [Elterlich-Erlösender Sinn des Geheimnisses der Erlösung-am-Kreuz]. Dessen Zeugnis ist bei Christus das eigenartige ‘Höchsterlebnis’ seiner Göttlich-Menschlichen Liebe mit Bezug auf seine Braut: die Kirche – in Konvulsionen der Hin-Gabe seines Lebens für sie am Kreuz.
Bei unserer Ausdrucksweise über die Tiefe der hier erörterten Geheimnisse des Glaubens nützen wir die ganze Zeit hindurch das Prinzip der ‘Analogie des Seins’. Darüber wurde schon wiederholt gesprochen (s. ob. z.B.: Wiederholt: Die Ausdrucksweise über Gott dank der Analogie des Seins). Analogie heißt ‘Un-Ähnlichkeit-in-Ähnlichkeit’, nicht aber Identität. Die Konvulsionen Christi bei seinem Sterben waren in keinem Fall Spaß. Sie haben aber auch umso weniger nichts mit Sexualität zu tun gehabt. Wir sind dagegen schaudererregt im Anblick der fürchterlichen Folter, die doch dem Gott-Menschen Jesus Christus selbst zugefügt wurden. Er aber hat sie angenommen „zur Vergebung der Sünden” eines jeden von uns – seiner unwürdigen Braut. Es stirbt hier unter unvorstellbaren Leiden die Gottes Person – im menschlichen Leib des Menschen-Sohnes Jesus Christus.
In dieser Stunde – übrigens nicht nur auf dieser Stufe seines Lebens, wann schon „Seine Stunde angekommen war” (Joh 13,1), hat Jesus Christus bewusst die ganze Schande und Scham ‘beiseite gelegt’, auch angesichts der vielen angaffenden Zuschauer, denen spontan der Schluss in den Kopf kommen konnte: „Was ist das nun für ein ‘Sohn Gottes’, der sich vor den Ihm zugefügten Foltern nicht verteidigen kann ...”! Gerade diese Hinsicht greift der Hl.Paulus im Brief an die Hebräer auf, wie gleich unterhalb angeführt werden wird.
– Indessen Jesus denkt in dieser Stunde – unter Konvulsionen seines Erstickens und Sterbens am Kreuz – nicht an Sich, sondern darüber, Nahrung und Trank für die unter diesen Qualen Geliebte Braut zu werden: für die Kirche – und jeden einzelnen Menschen, sein Lebendiges Ebenbild:
„Lasst uns mit Ausdauer ... auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens. Er hat angesichts der – vor Ihm liegenden Freude, das Kreuz auf sich genommen, ohne auf [seine] die Schande zu achten [gr.: aischúnes kataphronésas: d.h.: kataphronéo = verachten, nicht wegen etwas zu fürchten; unbeugsam sich ergebend; aischúne = Schande-Scham, öffentliche Brandmarkung durch den Urteil auf Kreuzigung],
und sieh, zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.
Denkt an Den, der von den Sündern solchen Widerstand gegen sich erduldet hat, dann werdet ihr nicht ermatten und den Mut nicht verlieren ...” (Hebr 12,2f).
Und doch, der sterbende Erlöser, der gerade in Dieser Stunde sich definitiv mit seiner Mystischen Braut – vermählt: der ganzen Menschen-Familie, liebt in höchstem Grad, der einzig für den Gott-Menschen möglich ist, die ganze Zeit hindurch der erduldeten, entsetzenden Foltern ... .
Er unterbricht auch keinen Moment seine Gebets-Vereinigung zu seinem Vater, und – der Reihe nach, zur dieser, Ihn folternden, seiner Braut, die Er in dieser Stunde „nährt” mit seinem Leib, und sie mit seinem Blut tränkt (vgl. Eph 5,29), indem Er gerade Jetztzeit mit ihr das Mystische „Zwei-zu-Einem-Fleisch” wird. Diese Tatsache drückt mit unübertrefflicher Schlichtheit und zugleich Tiefe Johannes Paul II. in seiner Enzyklika über den Heiligen Geist aus:
„Jesus Christus, der Sohn Gottes – hat als Mensch – im inbrünstigen Gebet seines Leidens, dem Heiligen Geist, der sein eigenes Menschsein schon bis zur Tiefe selbst durchdrungen hat, gewährt, dass es durch den Akt seines Todes als Brandopfers der Liebe am Kreuz in vollkommenes Opfer umgestaltet werde. Dieses Opfer hat Er allein dargeboten – und war selbst ihr einziger Priester ...” (DeV 40).

f. ‘Gedanken des Herzens’ von Mann und Frau in Zeiten ihres |
Das alles bedeutet, dass die Eheleute sich nicht überwältigen lassen sollen mit allein dem physisch-wahrnehmungsmäßigen, noch allein einem rein irdischen Charakter der Erlebensweise des Aktes ihrer Vereinigung.
Die Ehegatten sollen nicht zulassen, dass es in ihrem Eheleben einmal zum ‘Sex’ kommen sollte. Die ‘Abfertigung der Sex-Kopulation’, unternommen unter Einfluss der Begehrlichkeit, ist grundsätzlich immer Sünde. Beim Menschen – bei Eheleuten, soll dagegen die voller Dankbarkeit erlebte Möglichkeit angenommen werden, die eheliche geschlechtliche Vereinigung ihrer beiden unternehmen zu dürfen. Dies – jawohl! Dagegen niemals: ‘Koitus-Kopulation-Sex’.
Gott reicht Eheleuten in der Stunde, wenn diese Zweien sich öffentlich ihren Ehelichen Konsens äußern, das einzigartige Geschenk dar: die Möglichkeit, einen Akt der ehelichen geschlechtlichen Vereinigung unternehmen zu dürfen. Dagegen Gott gibt Eheleuten nicht den ‘Sexus-um-des-Sexus’ willen. Zwischen diesen beiden Wirklichkeiten besteht ein Unterschied, der der Wahl der Ewigkeit gleichkommt: dieser des ewigen Lebens – oder des ewigen Todes.
– Bei einem ‘Sex-Koitus’ sammelt sich die Aufmerksamkeit um den ‘Sex-um-des-Sexus’ willen, nicht aber auf der Person. Daher kommt es so ungemein leicht zum Greifen nach elterlich-widrigen Mitteln. Es geht dann darum, dass man sich das egoistisch nachgesuchte Erlebnis sichert. Es ist dann aber immer Nachsuche nach Selbstbefriedigung, nicht aber nach Liebe. Die Selbstbefriedigung wird offenbar mehr ‘attraktiv’, wenn sie mit Hilfe, oder dank dem Körper jemandes anderen geschieht, zumal des gegenteiligen Geschlechtes. Jedes Fechten dabei mit Ausdrücken über ‘Liebe’ wird Verlogenheit ins Gesicht. Die Person dieses anderen, übrigens wie auch die eigene Person – rückt in weiten Schatten.
– Auf den Vordergrund rückt dann der ‘Sexus’ hervor. Es wird dabei nicht gezögert, nach immer anderen Mitteln zu greifen, um bei sich ein Maximum von Erlebnis herauszuzwingen, das jedenfalls Haupt-Zweck der unternommenen Betätigungen bildet. Die ‘Sex-Session’ schaltet leicht in entartete Formen um. Zu gleicher Zeit schwindet aller Widerstand vor Mitteln, um sich vor Schwangerschaft zu sichern infolge angewandter Mittel, die mit Blut dabei getöteter eigener Kindern triefen.
Indessen Gott schenkt der Ehe den Akt der Vereinigung der Personen der beiden Ehegatten. Der Akt der ‘Vereinigung’ kann seiner Natur nach unmöglich mit irgendwelchen elterlich-widrigen Manipulationen vereinbart werden. Ausgangspunkt wird hier der Zustand in heiligmachender Gnade. Im Spiel ist das Sakrament und die Gnade des Sakramentes.
– Hier muss von Anfang an bis zum Ende Friede des Herzens und Gottes Segen herrschen. Die Herzen dieser beiden Ehegatten sollen mit der in ihnen verweilenden Allerheiligsten Dreifaltigkeit erfüllt sein. Die Zeiten der geschlechtlichen Vereinigung werden in dieser Situation eine so natürliche gegenseitige Umarmung, die dieses Mal mit voller Gottes und menschlichen Friedens Vereinigung besiegelt wird, als ob es beinahe im Fall wäre, wenn sei es die Mutter oder der Vater an sich mit aller Herzlichkeit und gesegneter Freud ihr Kind umarmen.
– Der eheliche Akt kennzeichnet sich dann mit der Beschaffenheit von Anfang bis zum Ende einer wahrhaften Vereinigung. Es wird die – echte Sakramentale Vereinigung, bei der das Betreiben des ‘Sexus-um-des-Sexus’ willen nichts zu tun hat.
Die geschlechtliche Vereinigung von Mann und Frau soll ein Erlebnis voller Frieden und Glanz der Gnade des Sakramentes darstellen. Der eheliche Verkehr soll als wahrhafte Vereinigung unternommen und erlebt werden, als lauter Feinfühligkeit diesem Anderen gegenüber, mit Aufmerksamkeit, die dauernd auf seinem Wohl gesammelt ist: diesem irdischen und ewigen. Es soll in der Tat wahrhafte ‘Vereinigung’ sein. Vereinigung sowohl ihrer Herzen, wie Gefühlen, Strebungen und Wünschen. Vereinigung, die zuletzt mit dem Akt der Vereinigung in Organen der geschlechtlichen Vereinigung ergänzt wird – so wie sie sie vom Schöpfer und Erlöser empfangen haben. Alles mit Gottes Segen und zur Erquickung der Herzen ihrer beiden: ihrer Herzen, die mit Anwesenheit des Dreieinigen: sowohl beim Mann, wie bei der Frau, erfüllt sind.
Diese beiden sollen sich nicht einreden lassen, dass es Gott in ‘diese Sachen’ einzumischen nicht passt. nicht Satan hat den Akt der Vereinigung erschaffen, noch ersonnen! Er wird den Eheleuten zum Geschenk vom Schöpfer und Erlöser selbst gegeben: mit seiner ganzen Struktur und Dynamik, die sich im einklängigen, beiderseitigen Höchsterlebnis äußert. Denkt an solches Erleben des Aktes der Vereinigung nicht etwa Johannes Paul II., wenn er in seinem Brief an die Familie (1994: Jahr der Familie) schreibt, auch wenn es sich in diesem Fall gerade um solchen Akt der ehelichen Vereinigung handelt, der den Anfang einem Neuen Menschen-Leben geben würde:
„Wenn wir sagen, dass die Ehegatten als Eltern Mitarbeiter Gottes-des-Schöpfers in der Empfängnis und Zeugung des Neuen Menschen sind, beziehen wir uns mit dieser Formulierung nicht nur auf die Gesetze der Biologie, sondern darauf, dass in der Menschlichen Elternschaft Gott selber gegenwärtig ist – gegenwärtig in noch anderer Weise, als es in jeder anderen Zeugung in der sichtbaren Welt, ‘auf Erden’ geschieht. Es kann doch allein von Ihm die ‘Ebenbildlichkeit und Ähnlichkeit’ stammen, wie sie dem menschlichen Wesen eigen ist, wie es bei der Schöpfung war ...” (BF 9).
Johannes Paul II. spricht hier deutlich, dass in der menschlichen Elternschaft Gott selbst anwesend ist. Er denkt hier zwar an die Weile, wenn die Vereinigung der Zellen-Teilchen sowohl von der Mutter, wie vom Vater erfolgt, wenn Gott-der-Schöpfer in die entstehende Zygote seine Ebenbildlichkeit und Ähnlichkeit (Gen 1,26f) einimpft. Daselbst Ist aber Gott anwesend bei dem Erleben jeder ehelichen Vereinigung. Aus Gottes Einsetzung soll sie doch diesen Zweien diese andere Liebe ‘versichtlichen’, mit der sie beiden urewig in seinem Sohn der Himmlische Vater selbst geliebt hat: die ganze Allerheiligste Trinität.
– Daher das Erfordernis, dass die Zeiten der ehelichen Vereinigung wahrhaft als Vereinigung ihres ‘Zwei-zu-Einem-Fleisch’ sind, mit bewusst gelebter Anwesenheit gerade in diesen Zeiten der ganzen Allerheiligsten Dreifaltigkeit in ihren Herzen. Erst das heißt: die Ehe als Sakrament zu erleben.
Daher sollen auch gerade in diesen Zeiten: des gegenseitigen ganzheitlichen Für-sich-Seins auf eheliche Art und Weise, Mann und Frau voll Sie-Selbst-Sein: Person. Man soll nicht zulassen, dass diese Zeiten flach erlebt werden, falls sie nur auf Erlebnisse herabgeführt werden sollten, d.h. wenn sie sich minder oder mehr primitiv allein im Körper selbst abspielen sollten. Die Zeiten des intimen Bei-einander- und In-einander-Seins dürfen nicht von der Heiligkeit des Geheimnisses der Liebe und der Ganzheitlichkeit der Gabe abgeschnitten werden, die aus der einzigen Quelle herauswachsen: sie kommen ganz und gar von Gott her. Gott aber Ist in sich selbst Liebe und Hingabe seiner Selbst seinem Lebendigen Ebenbild. Er tut es auch immer „bis zum Ende”: bis zur Hingabe seiner Selbst in der Gabe seines eigenen Blutes.
Solchen Stil, wie es zu lieben gilt, bringt Gott dem Menschen in seinem Eingeborenen Sohn nahe, Jesus Christus: im Geheimnis seiner Fleischwerdung – und des Kreuzes-der-Erlösung.

g. Die Ganzheitlichkeit der Person-Gabe von Mann und Frau |
Johannes Paul II. beschränkt sich auf die angeführten Erinnerungen nicht. Er dringt weiter und immer tiefer in die Wirklichkeit hinein der sakramentalen Durchdringung der strikt ehelichen Wirklichkeit – mit dem Geheimnis der Ganzheitlichkeit der Hingabe Christi an die Kirche. Voller Verwunderung lesen wir in der weiteren Folge seiner Erwägungen über die Ehe, die das „wahrhafte Zeichen des Neuen und Ewigen Bundes ist, der im Blut Christi geschlossen worden ist” (FC 13):
„Spezifisch ist auch der Inhalt der Teilhabe [der Gatten] am Leben Christi;
– Der ehelichen Liebe ist irgendeine Ganzheitlichkeit inne, in die alle Elemente der Person einbezogen werden – Impulse des Leibes und Instinktes, die Kraft der Gefühle und der Anhänglichkeit, das Streben des Geistes und des Willens.
– Die Liebe strebt eine zutiefst personale Einheit an, die nicht nur in einen Leib zusammenfügt, sondern auch dahin führt, dass es nur Ein Herz und Eine Seele wird.
– Sie fordert die Unauflöslichkeit und Treue in ganzheitlicher gegenseitiger Beschenkung und öffnet sich zur Fruchtbarkeit hin ...
– In einem Wort, es handelt sich um die normalen charakteristischen Merkmale jeder natürlichen ehelichen Liebe, jedoch mit einer neuen Bedeutung, weil das Sakrament sie nicht nur läutert und festigt, sondern sie erhebt, so dass sie Ausdruck wahrhaft christlicher Werte werden” (FC 13).
Wie wohl niemand von den bisherigen Päpsten, führt Johannes Paul II. eine sehr weit laufende Analogie zwischen der Ganzheitlichkeit der Gabe bei Jesus Christus, und der Ganzheitlichkeit der gegenseitigen Hingabe einander ihrer Personen im Fall der Eheleute.
– Im Leben Jesu Christi gelangt die Ganzheitlichkeit der Hingabe seiner Selbst zur Höchsten Stufe in seinem Sterben unter Konvulsionen der Kreuzigung. Der Sohn Gottes erlebt seine Liebe der Braut-der-Kirche nicht auf ‘weltlich-laische’ Art und Weise: als Beendung seiner biologischen Existenz. Im Gegenteil, Er legt aktiv die Gabe des eigenen Lebens am Kreuz als höchsten Beweis seiner Bräutlichen Göttlich-Menschlichen Liebe hin. Der Erlöser bleibt bis zum Ende unbeugsam Treu zum einmal dem Menschen angebotenen Bund: der Kommunion von Leben und Liebe. Noch mehr, Er zieht die Liebe zu seiner schwierigen Braut selbst dann nicht zurück, wenn sie Ihn eben dafür: für seine unbeugsam treue Liebe zu ihr – auf besonders raffinierte und sadistische Weise tötet.
Die Realität eben dieser Gottes Ganzheitlichkeit der Liebe-Gabe, einschließlich mit der Hingabe des eigenen Lebens – im realistisch wörtlichen Sinn: zur Nahrung und zum Trank für das ewige Leben (Joh 6,50-58) seiner Mystischen Braut, bringt aus Gottes Einsetzung vor allem den Eheleuten selbst – das höchste Erlebnis bei ihrer eigenen Vereinigung zur Erinnerung und vergegenwärtigt sie. Die Zeiten des ehelichen „Zwei-zu-Einem-Fleisch” werden mit tiefsten Widerklang auf allen Ebenen der Personen von Mann und Frau wahrgenommen. Sie ziehen in dieses Erlebnis dramatisch sowohl den Leib, wie die Psyche ihrer beiden mit ein.
Der Heilige Vater scheint in Worten des angeführten Fragmentes von seinem ‘Familiaris Consortio’ vor den Eheleuten gleichsam mit einer dringenden Bitte stehen bleiben, dass sie das Sakramentale Ausmaß der Zeiten ihrer höchsten ehelichen Liebe nicht vergeuden. Dass sie also ihr Erleben nicht auf die – wie er ausdrücklich schreibt: „Impulse des Leibes und Instinktes, die Kraft der Gefühle und der Anhänglichkeit, das Streben des Geistes und des Willens” – beschränken (FC 13).
Das Erleben des intimsten „Zwei-zu-Einem-Fleisch” kann mit parallel laufenden, spontanen Gedanken an die sich mit ihm kreuzender, vertikal sich aufdrängender dieser anderen Wirklichkeit durchleuchtet werden: der schwierigen Geschichte der Liebe Gottes zum Menschen. Der Sohn Gottes, der dem Menschen entgegengeht und im Geheimnis der Menschwerdung bis zu letztlichen Grenzen Verwandter seines Lebendigen Ebenbildes: Mann und Frau geworden ist, schenkt sich ihm zurzeit, am Kreuz – Erlösend hin: sich ganzen – restlos. Es geschieht gerade in dieser Stunde, wo ER sich ihnen beiden in seiner Ganzheitlichkeit dahingibt: einigermaßen ähnlich wie sie sich einander hingeben, oder eher unendlich mehr. Die Ganzheitlichkeit der Hingabe des Menschen-Sohnes an den Menschen: seine Mystische Braut – wurde Beweis seiner in die Tat umgesetzten Liebe-Gabe. Es ist seine Bräutliche Liebe. Sie blickt auf das letztliche Wohl des Menschen hin. Es geht um das dringende Angebot und die Einladung zur Bräutlichen Kommunion von Liebe und Leben – diesem ewigen Lebens, im Haus des Vaters.
Die Ehe ist ein solches Sakrament, das aus Gottes Einsetzung an sich: in Kraft der Dynamik des Sakramentes – die Erlebnisse dieser Zweien von der Ebene der beiderseitigen irdischen Gemeinschaft der Liebe – auf den höheren ‘Orbit’ emporhebt: Bräutlicher Beziehungen Gottes zu ihnen – und zu jedem Menschen, der zur Würde, Braut Gottes zu werden eingeladen ist.
Man kann es verstehen, dass ein gleichzeitiges, zutiefst religiöses Erleben des Geheimnisses Jesu-des-Bräutigams-Erlösers-am-Kreuz – und nicht allein der geistig-physischen Wahrnehmungen in der Stunde des ehelichen „Zwei-zu-Einem-Fleisch”, nicht von ‘allein’ kommt. Es setzt ein wenig Glauben voraus, aber auch den ständig, bewusst unternommenen Willen, um in ganzer Wahrheit seines Ehe-Seins den ständigen Gebets-Kontakt mit Gott dem Lebendigen zu unterhalten.
Die Quellen des Geheimnisses sowohl von Leben, wie von Liebe, in die Mann und Frau wiederholt hineinsenken, sind von Anfang bis zum Ende Gottes Besitzdomäne. Diese Domäne wird den Eheleuten nicht als Besitztum gegeben, sondern zur verantwortlichen Verwaltung. Daher fällt auch die Unternehmung irgendwelcher ehelicher Intimität, und umso mehr die gegenseitige ‘Zusammenschmelzung’ im Akt der unternommenen geschlechtlichen Vereinigung – niemals auf den Rang von Betätigungen, die sich auf dem Niveau nur der Physiologie bzw. Biologie abspielen.
Ferner, die Unternehmung irgendwelcher geschlechtlicher Intimität wird niemals Frage allein ‘privater Betätigungen’ zweier Leute, die sich entschieden haben, dass sie sich gegenseitig in ihrer Intimität zugänglich machen und – im Empfinden um ihre usurpatorische ‘Autonomie’ laut erklären, niemand stehe ein Recht zu ihnen ein Diktat zu machen, wie sie sich im Geschlechtsbereich verhalten sollen.
– Die sexuelle Aktivität wird auch niemals Domäne irgendwelcher Zivil-Macht werden, in der – der Meinung nach dieser Zweien, oder auch derjenigen, denen die administrative Autorität obliegt, Gott und die Religion nichts zu sagen hätten.
Sowohl das Leben, wie die Liebe – ist auf unserem Erdball und im ganzen unermesslichen Kosmos ausgesät. Auf jedem Schritt begegnet der Mensch Spuren ihrer Anwesenheit – in unwahrscheinlicher Reichlichkeit und Verschiedenheit. Dennoch, – nicht der Mensch ist ihr Herr und Besitzer! Der Mensch und das Weltall – erhält nur die Gabe, deren Name: Liebe und Leben ist. Auch nur allein der Mensch ist fähig, sich diese Tatsache zum Bewusstsein zu bringen – und, indem er seine Augen auch nur unbedeutend „in die Höhe” erhebt, in ihnen und hinter ihnen ihren Schöpfer und Vater zu erblicken. Dieser aber ist unabänderlich Derselbe: nicht nur Schöpfer, sondern um so mehr ... Erlöser. Erlöser deshalb, weil Er als Liebe, dem Menschen, dem Kind seiner Vorliebe, die Bräutlichkeit zu Sich – zu Gott, anbietet:
„Denn So sehr hat Gott [= der Vater] die Welt [Welt der Menschen] Geliebt, dass Er seinen Eingeborenen Sohn dahingegeben hat, damit jeder, der an Ihn [= den Sohn] glaubt [Ihm sich ganzen anvertraut], nicht verloren gehe, sondern ewiges – Leben habe” (Joh 3,16).
Einmal mehr ziemt es sich hier die Ergriffenheit der Liebe über das Geheimnis des Lebens anzuführen, das der Dreieinige im Weltall und auf unserem Erdball – mit wahrhaft königlicher Reichlichkeit ausgesät hat. Das Geheimnis des Lebens, wie auch der Liebe hat der Himmlische Vater in seinem unwahrscheinlichen Vertrauen und Zuversicht – dem Menschen: Mann und Frau, nicht zum Eigentum und beliebiger Manipulation, sondern zur verantwortlichen Verwaltung dargereicht. Mit größtem Dank führen wir noch einmal die Worte Johannes Paul II. an – dieses Mal aus seiner Enzyklika Evangelium Vitae (1995. S.auch schon ob.: Das Evangelium des Lebens zu preisen):
„Das Evangelium vom Leben feiern heißt den Gott, der – das Leben schenkt feiern ...
Von Ihm empfängt jedes Wesen, das in irgendeiner Weise am Leben teilhat, proportional zu seinen Fähigkeiten, das Leben. Dieses Göttliche Leben, das über jedem Leben steht, belebt und bewahrt das Leben ... Ihm verdanken die Seelen ihre Unvergänglichkeit ...
Den Menschen ..., verleiht das Leben – das Leben. Wenn dann die Zeit kommt, dass es verlassen werden soll, dann verwandelt uns das Leben in Kraft seiner überströmenden Liebe zum Menschen und ruft uns zu Sich. Nicht nur das: es verheißt uns, Seelen und Körper in das vollkommene Leben, in die Unsterblichkeit zu geleiten. Es ist zu wenig, wenn man sagt dieses Leben ist lebendig: es ist Lebens-Ursprung ... – Es ist Leben das in Leben überströmt.
Ja, ‘dieses sterbliche Leben – ist trotz seiner Mühen, seiner dunklen Geheimnisse, seiner Leiden, seiner unabwendbaren Hinfälligkeit – eine sehr schöne Sache, ein immer originelles und ergreifendes Wunder, ein Ereignis, würdig mit Freude und Lobpreis besungen zu werden’. Mehr noch, der Mensch und sein Leben erscheinen uns nicht nur als eines der größten Wunderwerke der Schöpfung: Gott hat dem Menschen eine beinahe Göttliche Würde verliehen [Ps 8,6f] ...
Wir sind aufgerufen, Staunen und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen und das Evangelium vom Leben nicht nur im persönlichen und gemeinschaftlichen Gebet, sondern vor allem in den Feiern des Liturgischen Jahres anzunehmen, zu genießen und mitzuteilen ...” (EV 84).

h. Nicht Trauer bei der Vereinigung – sondern liebende |
Sollte etwa die Tiefe des Sakramental erlebten Geheimnisses des ‘Zwei-zu-Einem-Fleisch’, die die Eheleuten auf ihrer ‘Horizontale’, erleben können und es sollen, und dabei gleichzeitig keinen Moment vom ‘Gedanken des Herzens’ das Geheimnis der ‘Vertikalen’ verlieren: Christi als des Bräutigams-vom-Kreuz, der sie beiden mit seinem Leib und Blut nährt, dass sie „heilig sind und makellos vor dem Antlitz des Vaters” (Eph 1,4; 5,27) als die Braut des Sohnes Gottes – bedeuten, dass die Unternehmung der ehelichen Vereinigung etwas durchaus Trauriges sein soll, das von vornherein jede Spontaneität bei Erweisen von Zärtlichkeit und Liebe ausschließt, wodurch es letztens das friedsame Erleben der Stunde der höchsten Freude bei der Unternehmung der vollen Vereinigung ihrer beiden blockierte?
Solches Verständnis der hier dargestellten Erwägungen würde die Absicht völlig verfehlen, die ihnen vorleuchtet. Es gehört sich klar hervorzuheben, dass Jesus Christus, der Gottes Bräutigam seines Lebendigen Ebenbildes auf Erden: Mann und Frau, auf keinen Fall das ersehnte, freudige Erleben der Zeiten des ehelichen „Zwei-zu-Einem-Fleisch” herabzumindern vor hat. Weder der Heilige Vater Johannes Paul II., noch Jesus Christus selbst fordert von Eheleuten, dass sie die Zeiten ihrer Intimität in Form einer ‘mit Kraft erpresster Unterdrückung’ der sich in dieser Stunde auslösenden kindlicher, spontaner Freude erleben. Solche Freude erscheint doch in diesen Zeiten ganz spontan und ist Gottes Geschenk für diese beiden: Mann und Frau – aufgrund des so nahe werdenden Mit-einander-zu-Seins und der Wahrnehmung der Nähe ihrer Leiber in ganzer Offensichtlichkeit ihrer Männlichkeit und Fraulichkeit. Es besteht kein Zweifel, dass Gott es wünscht, dass das Erleben der Zeiten der ehelichen Vereinigung jedesmalig ein freudiges Ereignis sei, das sie beiden aufrecht hebe und die lebendigen Kräfte ihrer beiden zur Entfaltung bringe.
Wir erinnern uns gut an die Worte, mit denen sich Jesus einmal an die Pharisäer und Schriftgelehrten wandte, die daran Anstoß genommen haben, dass seine Jünger – wie es scheinen könnte, kein Fasten, noch lange Gebete verrichtet haben (s. ob.: Frage der Jünger Johannes des Täufers betreffs des Fastens). In seiner Antwort hat Jesus deutlich auf sich als den Gottes Bräutigam seines Volkes angeknüpft: „Können die Hochzeitsgäste denn fasten, während der Bräutigam mit ihnen ist” (Lk 5,34)? In weiterer Folge dieser Auseinandersetzung hat Er aber dazugefügt: „Es werden aber Tage kommen, da ihnen der Bräutigam genommen wird. Dann, werden sie fasten an jenem Tag ...” (Lk 5,35).
Wir verstehen also den grundlegenden Ausklang, der aus der Aussage sei es des Erlösers selbst, sei es in seinem Namen vom Mund des Lehramtes der Kirche folgert. Die Eheleute werden innig aufgerufen, ihre intime Nähe auf solche Art und Weise zu erleben, dass es nicht etwas „Größeres” werde, als sie selbst. Der Mensch ist seines Mensch-Seins dann würdig, wenn er den Vorzug des Geistes über selbst den Leib auch in die Tat umsetzt.
Daher, indem Mann und Frau sich in der Ehe aneinander an ihrer wahrgenommenen Nähe dank dem Bräutlichen Sinn des Leibes, den der Schöpfer in ihre Personen eingeprägt hat, freuen, soll doch die geistige Tiefe dieser Zeiten sich dahin aufschließen, dass sich diese Freude parallel zur Dankbarkeit entwickelt, die sich Gott sowohl als dem Schöpfer, wie dem Erlöser-vom-Kreuz gehört. Letzten Endes weist nämlich den Eheleuten Jesus Christus, der Bräutigam-vom-Kreuz, den Weg zur Liebe. Er ist es, der zur Ganzheitlichkeit der Gabe-Person in Liebe führt. Solche Liebe zieht sich nicht einmal vor der Hingabe seiner Selbst zum Tod zurück: zu Gutem – offenbar diesem definitiven – der Geliebten Person.
Das bewusste Erleben der Zeiten der beiderseitigen ehelichen Nähe am Hintergrund des in den tiefsten Schichten des Herzens unterhaltenen Bewusstwerdens um das Geheimnis der Liebe Gottes in der Mensch-Werdung, und nachher als sie an das Kreuz angenagelt wurde, von diesem her der Sohn Gottes, der Bräutigam der Kirche, Nahrung und Trank zum ewigen Leben seiner Braut wird, mindert den Eheleuten die gelassene Aufschließung auf die Wahrnehmung einer vollen Freude wegen der beiderseitigen Vereinigung nicht. Im Gegenteil, solche Gesinnung drückt auf diesem Erleben das Mal der Göttlich-menschlichen Tiefe: des gelebten Sakramentes. Die Zeiten des ehelichen „Zwei-zu-Einem-Fleisch” werden allmählich zu neuem Ausgangspunkt zur Entfaltung einer gegenseitigen Zärte und des Feinfühlens. Zu gleicher Zeit trägt sie zur Beseitigung von Betätigungen bei, die unter Zwang des Körpers unternommen werden würden, der aber in erster Linie die In-Besitz-Nahme des Leibes-des-Geschlechts anstreben, nicht aber die wahre Liebe zum Ausdruck bringen würde.
Die Liebe wird weiter den Leib umfangen, und der Leib wird weiter an der geistigen Liebe teilnehmen (vgl. FC 11). Dennoch, Mann und Frau, in Christus gerufen zur Freiheit, die von Liebe belebt wäre (Gal 5,13), werden in immer vollerem Maß die Belehrung des Hl.Paulus ins Leben umzusetzen suchen: „Lasst euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen” (Gal 5,16). Denn „alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt” (Gal 5,24). Die Eheleute werden mit immer reiferem Bewusstsein leben, dass ihr eheliches ‘Zwei-zu-Einem-Fleisch’ ihnen geschenkt worden ist als der dauernd zeitgemäße ‘Transmissionsriemen’, der ihren Blick und ihr Herz auf dieses andere ‘Eins-in-Liebe-der-Vereinigung’ richtet: den Gottes Bräutigam, der mit seinem ganzen Selbst – bis zum Vergießen des Blutes der Erlösung, ihnen beständig die Kommunion in Leben und Liebe mit Sich anbietet – als Voraussetzung, dass sie sich einst für immer im „Haus des Vater” finden können.
Die im angeführten Gottes-Geschriebenem-Wort des Hl.Paulus erwähnte, eigenartige ‘Kreuzigung’ seiner selbst (Gal 5,24), deren Ausdruck u.a. die Unterordnung der ehelichen Beziehungen unter den ihnen geschenkten Biologischen Fruchtbarkeits-Rhythmus sein wird – samt der immerwährend sich zum Bewusstsein gebrachten Bräutlichen Liebe des Erlösers in der Ganzheitlichkeit seiner Hingabe am Kreuz – für das Leben seiner schwierigen Braut, suchen Mann und Frau beständig zusammen – als eheliches Paar, zu erleben. So streben beide dahin, um zusammen mit dem Hl.Paulus rufen zu können:
„Mit Christus bin ich gekreuzigt. Ich lebe – doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt doch noch im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich Geliebt und sich selbst für mich ausgeliefert hat” (Gal 2,19f).
Solche Eheleute, innerlich völlig auch angesichts des Nachdrucks allein des Fleisches frei, kommen allmählich dahin, dass sie beinahe mit kindlicher Freude die Möglichkeit annehmen, ihre geschlechtliche Gemeinschaft erleben zu können – und nützen diese Gottes Gabe, sooft sich dazu die Gelegenheit bietet. Zu gleicher Zeit verstehen sie mit Fülle von innerer Freiheit, die Unternehmung der Vereinigung auf ein andermal zu verschieben, wenn sie zum Schluss kommen, dass es aus so manchem höheren Grund ‘für Jetztzeit’ angewiesen ist. Auch das stellt Zeugnis der Freiheit dar, zu welcher Christus, der Erlöser, sie beide auslöst:
„Denn ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht; ... wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht” (1 Kor 7,29ff).
Die Betätigungen der Ehegatten werden immer von der inneren Freiheit von irgendwelcher Nötigung bestimmt werden. Zugleich aber werden sie wachsam das Bewusstsein pflegen, dass sie Ehe nicht als privat begriffenes sexuelles Band bilden, sondern Ehe als Sakrament sind, das heilig und heiligend ist. Und dass die Ehe ihrer Natur aus die folgende Wirklichkeit darstellt:
„Die Ehe wird ... zum wahrhaften Zeichen des Neuen und Ewigen Bundes, der im Blut Christi geschlossen wurde. Der Geist [der Heilige Geist, die Dritte Person Gottes; Er wird u.a. bei der Liturgie der Vermählung angerufen], den der Herr verleiht, gibt das neue Herz und befähigt Mann und Frau, einander zu lieben So Wie Christus uns geliebt hat. Die eheliche Liebe erreicht dadurch diese Fülle, der sie innerlich unterordnet ist, jene eheliche ‘caritas’ [Liebe als Person-Gabe im Geist Christi], die die eigentliche Weise darstellt, in welcher die Eheleute Anteil haben und berufen werden zum Erleben der Liebe selbst Christi , der sich am Kreuz dahingibt” (FC 13).

IN ZUSAMMENFASSUNG DER ERWÄGUNGEN DES |

Wir sind an das Ende der vielen Erwägungen gelangt, aus denen der Inhalt des VI. Teiles unserer WEB-Site besteht. Der Autor muss gestehen, dass er anfangs nicht ahnen konnte, dass dieser Teil sich so ausbaut und dass ‘unterwegs’ des Haupt-Themas des hiesigen Teiles: Sakramentalität der Ehe – so viele Fragen auftauchen, die schwer übergegangen werden konnten.
Es scheint, es hat sich gut gefügt, dass anfangs noch einmal die Frage zum Vorschein kam:
Zeit der Verlobung. Diesmalig wurde sie von der Seite eher des inneren Ringens um das reine Gewissen gezeigt. Es ging um die Anpassung der Beziehungen an die Forderungen, die vor Zwei Personen, die einander lieben, Christus stellt. Jesus Christus kämpft nicht gegen die ‘Liebe’, sondern führt die einander liebenden Personen dahin, dass die Liebe – Liebe wird (1. Kap.). So lautet übrigens der Haupttitel unserer WEB-Site: „Liebe – großes Wort: dass sie Liebe sei. Menschliche und Gottes Lösungen”.
Es ist wohl gut geworden, dass – wieder nur ‘unterwegs’ der Erwägungen über die Ehe als Sakrament – die Frage zutage gekommen ist: wie ist es mit Banden bei Homosexellen: Bande unter Gays und Lesben. Bei aller Ehre vor der unveräußerlichen menschlichen Würde jedes Menschen, auch dieses ganz tief sittlich Gefallenen, ist weder Gott, noch die Kirche, noch auch die Gesellschaft selbst außerstande irgendwann die eindeutige Bezeichnung solcher Formen sexueller Betätigungen zu ändern. Sie sind Entstellung und Entartung der Liebe an ihren Quellen selbst. Indem sie sich dem Vorhaben der Liebe Gottes zum Menschen total widersetzen, führen Betätigungen im Typus der Homosexualität – im objektiven Sinn nicht nur dahin, dass das Erlangen des ewigen Lebens zugesperrt wird, sondern sie richten die Opfer selbst des Gay-Lesbe-Wahnsinns zugrunde, indem sie dabei die Grundlagen selbst des Gemein-Wohls der Gesellschaft umreißen (2. Kap., § A-B).
Gut, dass, der Reihe nach, die Frage aufgetaucht ist nach den weit ausgebreiteten Praktiken der sog. ‘Freien Partnerschaftlichen Banden’ – nicht homosexueller Partner, sondern in Nachahmung der Ehe, also zweier Personen: eines Mannes mit einer Frau, die miteinander ehelich zusammenleben, ohne sich aber mit irgendwelchem formalen Band zu binden: weder der kirchlichen Trauung, noch dem zivilen Ehe-Vertrag. Wir konnten einsehen, wie groß die Bedrohung ist, die solche Bande für den wahren Ehe-Bund bilden, der seinem Wesen nach auf Gemein-Wohl eingestellt ist – im Gegenteil zu den genannten ‘Freien Hetero-Sexuellen Partnerschaften’. Da aber die Domäne sowohl des Lebens, wie der Liebe – Besitztum allein Gottes ist, kann Gott – und die Kirche, in Gottes Nachfolge, solche Bande niemals anerkennen. Das Leben in solchen Banden gleicht der Wahl auf Strich über den Weg zum ewigen – Leben (2. Kap., § C).
Die weiteren Kapitel (3.-8. Kap.) waren schon von immer näher der eigentlichen Thematik des hiesigen VI. Teiles gewidmet: Ehe als Sakrament.
Wir mussten einen Blick auf die Vorbereitungs-Phase zur Fülle der Offenbarung der Ehe als Sakramentes werfen (3. Kap.).
Die weitere Stufe galt der Ehe als Erscheinungsform des Ur-Sakramentes der Schöpfung (4. Kap.).
Es folgte das Kapitel, in dem es erwünscht war, die Ehe nach der Sicht des Pentateuchs von Mose (5. Kap.) zu betrachten.
Voller Staunen und Verwunderung haben wir die zunehmenden ‘Vertraulichkeiten’ Gottes selbst von seiner Liebe – Bräutlichen Liebe zum Volk seiner Auserwählung – bei den Propheten beobachtet (6. Kap.).
Das weitere Kapitel war Aussagen über das Thema der Ehe in Evangelien gewidmet (7. Kap.).
Im Endkapitel, dem längsten dieses Teiles, haben wir die Aussagen Jesus selbst betrachtet, der sich selbst als Bräutigam ... vom Kreuz offenbart hat.
– Zuletzt haben wir versucht, eine tiefere Analyse besonders der Erwägungen des Völker-Apostels Paulus über die Ehe durchzuführen. Paulus hat sie in der Stille des Gefängnisses – an seine Adressaten in Ephesus geschrieben (Eph 5,21-33; 8.Kap., § C).
Betrachtet man den Gedanken Gottes, den Gott mit der – der Menschen-Familie geschenkten Ehe verbunden hat, ‘mit Herz’, kann man ein wenig besser Gott als die Liebe in seinen, im Laufe der Jahrhunderte immer mehr zunehmenden, wahrhaft Bräutlichen Bewerbungen dem Menschen gegenüber, verstehen. Sie streben dahin, dass der Mensch: Mann und Frau, die Gott als sein Lebendiges Ebenbild und Ähnlichkeit erschaffen hat, das Gottes Vermählungs-Angebot in seiner Freiheit annehmen möchte. Das immer tiefer werdende Eindringen in dieses, vonseiten des Dreieinigen immer deutlicher offenbarte Gottes Vorhaben, hört nicht auf, ganz verwundertes Erstaunen zu wecken. Gott bietet dem Menschen ab dem Ur-Anfang an, ein innigst ersehntes ‘Zwei-zu-Einem-Fleisch’ mit der Menschen-Familie zu werden. Es erfolgt auf die Ihm allein – als Gott und Erlöser des Menschen, bekannte, reale Art und Weise.
– Dem Dreieinigen hat es gefallen, dass in der Stunde, als die „Fülle der Zeit” (Gal 4,4) angekommen war, der Sohn Gottes sich mit der Kirche vermählte. Diese Tatsache wird zugleich Verwirklichung des Vorhabens Gottes: der Erlösung des Menschen im Blut Jesu Christi auf dem Kreuz. Gott selbst schließt in dieser Stunde mit dem Menschen, der in der Gottes Sicht in der Kirche Jesu Christi kondensiert ist, den „Neuen und Ewigen Bund”. Dieses Vorhaben wird mit keiner menschlichen Sünde vereitelt werden können. Es wird nicht mit der Sünde der Apostasie von Gott zerstört, noch selbst mit Ermordung des Sohnes Gottes, des „Urhebers des Lebens” (Apg 3,15). Immerfort zeitgemäß wird diese Wirklichkeit, die in diesem freiwillig angenommenen Tod „zur Vergebung der Sünden” des Menschen, im Herzen selbst Gottes schlägt, der zur Menschen-Familie im Sohn Gottes, Jesus Christus, entgegengeht:
„... Denn dem, was vonseiten der Menschen die Größte Sünde war, entspricht im Herzen des Erlösers das Opfer der größten Liebe, die das Übel aller Sünden der Menschen überragt ...” (DeV 31).
Gerade in dieser Stunde, die dem Anschein nach der menschlichen Berechnungen dem definitiven Ende des Menschen-Sohnes gleichkommen sollte, hat sich Gott in Jesus Christus auf unwiderrufliche Weise mit der Menschen-Familie vermählt: mit der Kirche – und in ihr mit jedem einzelnen seiner Menschlichen Brüder und Schwestern. Gott ist in Jesus Christus für den Menschen Bräutigam-vom-Kreuz geworden!
Wir können nur den zutiefsten Dank Christus, dem Sohn Gottes und dem Menschen-Sohn zugleich, zum Ausdruck bringen – für die zuengste Verbindung Seiner, Gottes Liebe – mit ihrem menschlichen Ausdruck, wie sie für den Alltag im Schoß der Ehe erlebt wird. Der Erlöser des Menschen hat es nämlich gewirkt, dass das, was in der Kommunion, die unter Mann und Frau gelebt wird, von allein verständlich ist und Wirklichkeit für den Alltag für sie darstellt, Er auf das Niveau der ‘Neuheit des Evangeliums’ erhoben hat. Aus seinem Willen und seiner Einsetzung wird die Ehe, die „im Herrn” (1 Kor 7,39) geschlossen wird, zur Würde eines der Sakramente seiner Kirche erhoben. Sakrament ist die Ehe von nun an Deswegen, weil sie ein einziges, großes, leicht lesbares Zeichen und reales Symbol dieser Liebe ist, mit der der Schöpfer selbst und zugleich Erlöser seine Kirche (und jeden einzelnen Menschen) auf Bräutliche Art und Weise umfängt.

Verfasst: Kraków, den 29.XI.2007.