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VERMERK: Abkürzungen zur angeführten Literatur s. Literatur

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Drittes Kapitel

IN VORBEREITUNG ZUR FÜLLE
DER OFFENBARUNG DER EHE
ALS SAKRAMENTES
Gott, der Du dich über die eheliche Kommunion
offenbarst, bleibe im Herzen der Ehegatten
und in der Familie !


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Perspektive der weiteren Erwägungen

Wir treten zum dritten Kapitel des gegenwärtigen Teiles unserer WEB-Site. In diesem, sechsten Teil unserer Homepage haben wir vor, von nahe her die Ehe als eines der Sakramente der Kirche Christi betrachten. Indem sich aber das Bewusstwerden um diese Tatsache in klar formulierten Festellungen in der Kirche nur allmählich entwickelt hat, scheint es angebracht zu sein, die Entwicklung des theologischen Gedankens in diesem Bereich irgendwie geschichtlich zu verfolgen. Daher möchten wir im allgemeinen Abriss die Stufen der allmählichen, immer deutlicher werdenden Ergründung dieses, der Reihe nach, Aspektes der Wahrheit der Offenbarung Gottes erforschen.

Die Mehrheit der Menschen tritt im Erwachsenenalter in die Ehe ein. Die Ehe ist an sich eine ganz besondere Gabe Gottes Güte für die Menschenfamilie. Aus ihr entsteht spontan die Familie. Die Ehegatten erleben in der gegenseitigen Hingabe und Annahme ihrer Personen – das „Zwei-zu-Einem-Fleisch” auf so intensive Art und Weise, dass es zum Grundboden wird, auf dem Neues Leben – ein Kind, aufwachsen und aufblühen kann: das „bleibende Zeichen ihrer ehelichen EInheit und lebendige und untrennbare Synthese ihres Vater- und Mutterseins” (FC 14).

Es erliegt keinem Zweifel, dass die Ehe und Familie für den Menschen aus Gottes Vorhaben und Gabe – Himmel-auf-Erden sein sollte. Dies ist zugleich Chance und Aufgabe. Damit es freudige Wirklichkeit werden kann, hat Gott die Institution der Ehe von Anfang an mit besonderen Gnadenschätzen ausgestattet, die schon vor der vollbrachten Erlösung die Rolle eines eigenartigen Ur-Sakramentes erfüllt haben. Der Sohn Gottes erhebt einmal die Institution der EHE, inkraft der vollbrachten Erlösung, zur Würde eines der Sakramente der von Ihm gegründeten Kirche.

Im vorangegangenen Kapitel (Teil VI, 2.Kap.) konnten wir die erbärmliche Nachahmung der Ehe anschauen, wie sie das weitere ‘Neugebilde’ auf dem Lebensgewebe vieler wohlhabender Länder darstellt, und zwar die Homosexualität.
– Sie bringt Frucht in Gestalt der Parodie, die von der Gesetzgebung eines immer anderen Staates angenommen wird (= Frucht der Angst vor der von Jemandem gesteuerten, mächtigen ‘Homo-Kraft’). Es geht um die für den gesunden menschlichen Verstand unerhörte Erscheinung eines totalen Gegen-Verstandes: ‘Ehe der Gays und Lesben’ ...
– Eine andere dieser Art Krankheit der Gesellschaft, die die Ehe im eigentlichen Sinn dieses Wortes nachahmen möchte, bildet die Plage ‘Freier heterosexueller Partnerschaften’.

Weder die eine, noch die andere Art eines solchen Bandes, das mit Kraftaufwand als ‘Ehe’ zu genannt gefordert wird, hat mit der Ehe was zu tun. Es sind Parodien der Ehe im eigentlichen Sinn dieses Wortes. Als Band von zwei oder zweien Menschen sind sie in Gottes Augen, aber auch der Menschen, von vornherein als ‘Ehe’ ungültig und gewähren in absolutem Sinn keine Berechtigungen, die allein an die Ehe gebunden sind. Sowohl die eine, wie die andere Situation ist in Gottes Sicht sakrileges und blasphemisches Attentat. Keine menschliche Autorität ist berechtigt das Wesen der Ehe zu modifizieren, noch um so mehr darüber einen Strich zu führen. Die Ehe richtet sich nach ihren Gesetzen. Diese kommen nicht vom Menschen her, sondern von Gott, dem Schöpfer des Menschen (GS 48). Daselbst sind sie unabhängig von aller menschlichen gesetzgebenden Macht und gehen ihnen allen zeitgemäß voran. Ihr Ausdruck, der im Herzen eines jeden Menschen im Akt seiner Erschaffung eingeprägt wird, ist das Natürliche Moralische Gesetz.

Trotzdem mussten wir diese zwei Entstellungen des Vorhabens Gottes im Anschluss an die Gabe der Ehe anschauen. Eine nüchterne Überlegung der wesentlichen Aspekte einerseits der Problematik bezüglich der Homosexualität, und anderseits der Freien heterosexuellen Partnerschaften wird aufgrund der Kontrastwirkung zum Anti-Licht, dank dem man klarer die eigentliche Wirklichkeit zu erblicken imstande ist, mit der die Schöpfer-Liebe Gottes die Menschenfamilie beschenkt hat, als sie ihr in ihre ‘Hände’ die weitere, diesmalig riskante und zerbrechliche Gabe dargereicht hat: die EHE und die von ihre herkommende Familie.

Im jetzigen Kapitel (Teil VI, 3.Kap.) haben wir vor, das allmählich erfolgende Eindringen in die Tiefe des Wesens der Ehe in ihrer Gottes Sicht zu betrachten. Wir werden uns zwar auf die Prämissen der Offenbarung Gottes berufen, aber parallel dazu bleiben wir dauernd auf dem harten Grundboden der gesunden Anthropologie stehen. Sowohl das eine, wie das andere, d.h. sowohl der Glaube, wie der Verstand, kommen vom selben Schöpfer. Im hiesigen Kapitel, wo auch schon die nächsten Kapitel unserer Erwägungen für diesen Teil vorausgesetzt werden, beschränken wir uns auf die folgenden drei Aspekte:

(0.26 kB) Es gehört sich, dass wir noch einmal in striktem Anschluss an die Frage der Ehe den ‘Mechanismus’ erwägen, den der Heilige Geist ins Leben ruft, um die Kirche in ein immer tieferes Verständnis der Wahrheit der Offenbarung einzuführen (§ 1).
(0.26 kB) In weiterer Stufe erwägen wir die Frage des allmählich erfolgenden Heranreifens des Verständnisses um die Sakramentalität der Ehe in der Heiligen Kirche (§ 2).
(0.26 kB) In Form einer eigenartigen Synthese erscheinen spontan die Bestandelemente (konstitutive) der Ehe als Sakramentes (§ 3).

Wir sind uns bewusst, dass auch dieses Kapitel mit dem Einsinken in die vielfältigen Aspekte des Geheimnisses einher gehen muss, zu denen Gott der Dreieinige diejenigen Personen herannaht, die Er zum Leben in Ehe beruft. Inkraft dieses Geheimnisses mobilisiert Er diese Zweien: Ehemann und Ehefrau, dass sie sich immerwährend der Prüfung unterziehen betreffs der Gabe der Liebe, die untrennbar mit Gabe des Lebens einhergeht. Diese beiden Wirklichkeiten sind eine einzige sowohl große Gabe, wie auch Aufgabe.

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A.   DER HEILIGE GEIST IN DER EINFÜHRUNG INS VERSTEHEN
DER WAHRHEIT DER OFFENBARUNG

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1. Ob die Ehe Sakrament ist


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a. Einführende Feststellungen zur Ehe


Wir möchten in die Tiefe des verwundernden Geheimnisses des Glaubens hineinsinken, das die Ehe als eines der Sieben Sakramente der Kirche Jesu Christi darstellt. Sie ist wunderbares Geheimnis. Sie betrifft nämlich zu gleicher Zeit zwei Menschen, die beieinander Gefallen gefunden haben. In einiger Zeit gegenseitiger Beobachtung ihrer Charaktere und Verhaltensweisen kommen sie zum Schluss, sie wären ‘für sich geschaffen sind’ und fähig genug, sich mit dem Bund lebenslanger Gemeinschaft einer auf Leben offenen Liebe zu verbinden. Ihr Denken und die Gesamtheit ihrer Handlungen kreist die ganze Zeit, die der offiziellen Bindung mit dem Ehebund vorangeht, um ihre beiden Personen, eventuell um die Vielfalt der Sachen, die mit dem Anbeginn in Kürze einer ganz neuen Lebensphase verbunden sind. Sie beiden sollen sich von nun an unabhängig von ihren Eltern machen. Vor ihnen stellen sich bald sich aufstappelnde Probleme der gemeinsamen Einrichtung und Wirtschaft, des gemeinsamen Lebensunterhaltes und des untrennbaren Beisammen-Seins von nun an für den Alltag – mit Perspektive, dass früher oder später Kinder zu erscheinen beginnen. Sollte etwa ihr Denken und ihre Betätigungen, die sich um das Leben von nun an als Ehepaars sammeln, samt allen nicht leicht zu meisternden Problemen des Kampfes um das Leben und Überleben, schon abgesehen von den mit der Zeit zutage kommenden vielleicht tiefen charakterologischen Unterschieden, die zu seriösen Schwierigkeiten bei gegenseitiger Verständigung und gegenseitigen Verwundung führen können – irgendwas mit der Miteinbeziehung ihrer beiden in das Werk der Erlösung durch Christus zu tun haben? Denn gerade das müsste die Sakramentalität der eingegangenen Ehe bedeuten.

Indessen diejenigen, denen es gegeben ist im Milieu aufzuwachsen, das von Christlicher Sicht gestaltet wird, erfahren ab der Grundkatechese, dass das Eintreten in die Ehe und Leben in Ehe, samt der von ihr entstandener Familie, in der Tat eines der Sieben Sakramente ist, die Jesus Christus der von Ihm gegründeten Kirche hinterlassen hat.

Merkwürdig ist die Feststellung allein, dass das Sakrament der Ehe zwei Leute betrifft: einen bestimmten Mann und eine bestimmte Frau, die sich mit dem Ehebund verbinden. Das ist insofern ungemein verwunderlich, weil jedes andere der Sieben Sakramente der Kirche immer jemanden nur einzelnen betrifft, der das betreffende Sakrament gerade empfängt. So ist es im Fall der Heiligen Taufe, der Heiligen Beichte, des empfangenen Sakramentes der Eucharistie, der Firmung, des Priestertums, und zuletzt des Sakramentes der Kranken, das ebenfalls einen bestimmten einzelnen kranken Menschen betrifft. Auch das Sakrament des Priestertums wird von jemandem nur einzelnen empfangen, trotzdem dieses Sakrament – indem es Gnadenquelle persönlich für den Geweihten wird, der Gemeinschaft des Volkes Gottes dienen wird. Denn das Priestertum ist doch ‘für’ die Gesamtheit des Volkes Gottes gegründet worden.
– Indessen es ist Eigenschaft der Ehe, dass dieses Sakrament zwei Personen als Paar umfängt: den Ehemann und die Ehefrau. Erst als Paar werden diese Zweien Sakrament. Es muss selbstverständlich festgestellt werden, dass ähnlich wie beim Sakrament des Priestertums, auch das Sakrament der Ehe entschieden auf den „Dienst dem Volk Gottes und die Sendung der Gläubigen ausgerichtet ist” (s. KKK 1533; KKKK 321). Und doch, nur das Sakrament der Ehe ist Sakrament der bestimmten Zweien als Paars.

Um so mehr merkwürdig ist die Feststellung, dass von nun an jede Einzelheit des Lebens dieser Zweien direkt mit der Sakramentalität des einander erteilten Ehesakramentes umfangen werden wird. Unabhängig davon, ob jemand darüber in diesem Augenblick nachdenkt, oder nicht; und unabhängig davon, ob er darüber Bescheid ‘weiß’, oder nicht. Die Sakramentalität der Ehe umfängt also nicht nur das religiöse Leben dieser Zweien, d.h. die Zeiten wenn diese beiden beten, bzw. sie nehmen am Liturgieleben der Kirche usw. teil. Denn zu gleicher Zeit, wenn nicht um so mehr, werden mit der Ehe als Sakramentes die ganz ‘weltlichen’ Weilen ihres Lebens zu zweit umfangen, angefangen von allem was die Hauswirtschaft angeht, von unternommener Berufs- und Verdienst-Arbeit, ihrer Anteilnahme am sozialen und politischen Leben, und zuletzt der Erziehung ihrer Kinder, samt der Gestaltung ihrer eigener Beziehungen für den Alltag, die gelebte gegenseitige geschlechtliche Nähe nicht ausgenommen. Sowohl der eine, wie der andere des jungen Ehepaars hören schlechterdings definitiv auf, ‘Privatperson’ zu sein. Dies geschieht in der Weile, wenn sie sich angesichts der Vertreter Gottes und der Gesellschaft ihren unwiderruflichen Willen äußern, von nun an Ehe zu bilden. Jede Einzelheit des persönlichen, ehelichen und familiären Lebens wird ab diesem Augenblick an eine dauernde Reihe der aktivierten Sakramentalität des geschlossenen Ehe-Sakramentes zu sein.

Diese Feststellung ist verwunderlich und füllt die Brust mit Freude einer eigenartigen ‘Entdeckung’. Diese Entdeckung wird zugleich große Mobilisierung der inneren Energien zum erneuerten Erleben des empfangenen und sich gegenseitig verliehenen Sakramentes. Es wäre nämlich schwer zu erklären, wenn die Ehegatten, die ihren Übergang auf die Ebene des Ehe-Sakramentes ernst gemeint behandeln, sich nicht mit immer klarerem Bewusstwerden die grundlegende Frage aufstellen: Was heißt eigentlich, das Sakrament der Ehe zu empfangen – und es zu werden? Sie können sich auch nicht vor Folgen drücken, die von dieser Feststellung fließen: Ob wir als Ehe-Paar zur Größe und Heiligkeit der Aufgaben heranwachsen, die Gott in seinem unwahrscheinlichen Vertrauen uns schwachen Menschen als Ehepaars – anvertraut?

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b. Jahrhundertelange anhaltende Unsicherheit betreffs der
Sakramentalität der Ehe


Operation des Samuel im Schoß seiner Mutter  - 1
Erklärung

Es erscheint aber eine andere Frage, die einigermaßen noch mehr ursprünglich ist. Wir leben in einer Welt unterschiedlicher Weltanschauungen und Religionen. Im Rahmen selbst des Christentums bemerken wir beunruhigende Unterschiede in Bekenntnissen bei denen, die scheinbar an denselben Jesus Christus als Gott-Menschen, den Erlöser des Menschen, glauben. Aufgrund einer genaueren Betrachtung der einzelnen ‘Bekenntnisse’ geht hervor, dass ihre Bekenner sich die verschiedenen Aspekte des Depositums der Offenbarung Gottes nach ‘Gutdünken’ herauswählen. Folglich verunstalten sie Jesus Christus selbst, der jedenfalls anders ist, als Er in den immer anderen Bekenntnissen dargestellt wird.

Unabhängig von Christlichen Bekenntnissen gibt es Atheisten, die behaupten, Gott ‘gäbe es nicht’. Manche von ihnen unternehmen verbissene Bemühungen, um anderen den Glauben an Gott zu verbieten.
– Viele anderen sind Atheisten nur aus pragmatischen Gründen. Sie leugnen Gottes Dasein nicht direkt, sie sind nur nicht gnädig Gott irgendwas von der ihnen geschenkten ‘Zeit’ zu widmen. Sie leben, als ob es Gott nicht gäbe (s. EV 96; RP 14) und richten sich im Leben deutlich einzig nach eigenen Kriterien ein: des angenommenen, bzw. selbstgeschaffenen moralisch-ethischen ‘Guten’ und ‘Bösen’.

Übergehen wir aber diese Extremitäten, und weiter: übergehen wir in diesem Augenblick die Nicht-christlichen Religionen, sind wir uns bewusst, dass die Sakramentalität der Ehe keineswegs vom ganzen Christentum angenommen wird. Deutlich erklären sich gegen die Sakramentalität der Ehe alle Abzweigungen der Protestanten und Evangelischen. Freilich, die Protestanten lehnen die Sakramentalität nicht nur der Ehe ab, aber auch noch fünf übriger Sakramente. Sie nehmen eigentlich nur die Sakramentalität der Taufe und Eucharistie an, nur dass sie die Eucharistie auf eine Art und Weise annehmen, die von der Apostolischen Überlieferung ganz abweicht.
– In diesem Zusammenhang wird von ihnen auch das gesonderte Sakrament der Ehe abgelehnt. Bei Protestanten usw. werden Ehen selbstverständlich eingegangen, und Protestantische Ehepaare suchen in ihrer Ehe fromm zu leben und die mit dem ehelichen Leben verbundenen Aufgaben ehrlich zu erfüllen. Andere Sache, wenn sie sich auch dessen nicht bewusst sind, erteilen sie sich gegenseitig sowieso das tatsächliche Sakrament der Ehe. Außer im Fall, wenn sie diese Sakramentalität mit dem Akt ihres freien Willens deutlich zurückweisen würden.

Vor uns taucht so die grundsätzliche Frage auf: Wie sind die Grundlagen der Sakramentalität der Ehe, die von Protestanten abgelehnt werden? Gehen wir aber auf diese Frage tiefer ein, kommt doch bei uns die Frage auf: Woher weiß die Römisch-Katholische Kirche, dass es Sieben Sakramente gibt, und dass auch die EHE in die Zahl der Sakramente der Kirche gehört? Wir sind uns nämlich bewusst, dass die Anzahl der Sakramente der Kirche als Sieben – definitiv als Dogma erst vom Tridentinischen Konzil formuliert worden ist (bei der 7. Session, 1547. S. DS 844. Und: CIC, Kan. 1055, § 2), trotzdem die Zahl ‘Sieben Sakramente’ schon in früheren Jahrhunderten allgemein angenommen und bekannt wurde.

So stehen wir also vor einer weiteren ernsten Frage, die aufmerksam betrachtet werden müsste. Es geht darum, ob diese Tatsache nicht etwa negativ von der Kirche überhaupt zeugt, dass in so wesentlicher Frage, wie – sei es auch nur die genaue Zahl der Sakramente, die Jesus Christus gestiftet und sie der von Ihm gegründeten Kirche zur Verwaltung gegeben hat, es lange Jahrhunderte hindurch keine volle Übereinstimmung gegeben hat. Es musste erst das Tridentinische Konzil im 16.Jh geben müssen (1547), dass diese Ziffer endgültig bestimmt und definiert werden könnte. Und was erst, wenn die Fragen die weiteren, insbesonderen Aspekte der Ehe als Sakramentes angehen werden, die über sein korrektes Verständnis entscheiden sollen!
– Zurzeit wissen wir nämlich so viel, dass angefangen von der erwähnten Bezeichnung des Tridentinischen Konzils, jeder, der die Sakramentalität der Ehe als offenbarte und von Jesus Christus gegründete Wirklichkeit nicht annehmen würde, die also im Gehorsam dem Glauben und im Gewissen zur „unwiderruflichen Glaubenszustimmung” verpflichtend akzeptiert werden soll (KKK 88), sein Heil gefährdete, indem er sich dem Dogma des Glaubens widersetzte: der Wahrheit der Offenbarung Gottes.

Das bringt die allgemeinere Frage nahe: warum ist die Offenbarung Gottes nicht von Anfang an insofern klar und eindeutig, um alle Zweifel betreffs ihres Verständnisses von vornherein auszuschalten? Sollte aber angenommen werden, dass das Gut der Wahrheit der Offenbarung Gottes erst im Laufe der Zeit – vielleicht im Zeitraum ganzer Jahrhunderte oder selbst Tausende Jahre, in präzise Bezeichnungen gefasst werden sollte, erscheint ein um so mehr seriöses Problem: Wer gewährt die Gewissheit, dass die zeitweiligen Formulierungen des Glaubens korrekt sind und die Offenbarung Gottes nicht verunstaltet wurde?
– Da wir aber zurzeit mit der Frage der Ehe befasst sind, möchten wir uns mit der Gesamtheit unseres Glaubens nicht zerstreuen lassen. Wir wagen nur die engere Frage aufstellen: Warum musste eine so lange Zeit in der Geschichte der Kirche vergehen, dass die Sakramentalität der Ehe endlich allgemein anerkannt werde? Hat diese Tatsache nicht etwa eine Verminderung der Gnaden und Hilfen nach sich gezogen, mit denen Gott „von Anfang an” die Männer und Frauen beschenken wollte, die zur Eheschließung berufen worden waren?

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2. Wege die Wahrheit der Offenbarung kennen zu lernen

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a. Bräutliches Kennenlernen der Wahrheit der Offenbarung

Es ziemt sich an Fragen anzuknüpfen, die gewissermaßen Gegenstand unserer Erwägungen schon im Zweiten Teil unserer WEB-Site waren (s. Auf der Suche nach Jesus Christus – heute – samt der weiteren Folge dieses Kap.). Betrachten wir den vom Dreieinigen gebrauchten Stil, sooft Er sich selbst und sein Vorhaben gegenüber der Menschenfamilie zu offenbaren vor hat, bemerken wir, dass Er niemals die Form eines ‘Vortrags’ im Bereich der Dogmatik, der Moraltheologie, o.dgl. annimmt. Die Göttliche Offenbarung ist immer alles andere, aber keine Theorie über Gott, über die ‘Offenbarung’, den Glauben, die moralischen Verhaltensweisen, über die Letzten Dinge. Die Göttliche Offenbarung war vor allem Einschaltung Gottes ins ‘Leben selbst’ nicht selten sehr verwickelter Ereignisse. Gott stellte sei es erwählte Leute, oder selbst das ganze Volk – angesichts Tatsachen, die das Nachdenken aufnötigten und Schlüsse zu ziehen geheißt haben sei es dogmatischer, sei es ethischer Natur, in deren Kraft es unmöglich war, hier nicht das Einwirken und zugleich das Vorhaben Gottes selbst zu erblicken.

Die Operation des Samuel im Schoß seiner Mutter - 2
Erklärung

Gott ‘ist da’ – und ‘geht’ auf eine Ihm bekannte Art und Weise mit seinem Volk in wörtlichem Sinn dauernd einher. Benedikt XVI. äußert das am Anfang seiner ersten Enzyklika ‘Deus Caritas est – Gott ist Liebe(2006) in folgenden Worten:

„... Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt” (DCE 1).

Gott ist der Aller-Naheste für jeden Menschen. Er hält außer jeden Zweifel die Treue zu seinem Lebendigen Ebenbild angesichts des Kosmos: Mann und Frau; selbst aller UN-Treue des Menschen seinem Schöpfer und Erlöser zuwider. Gott verlässt den Menschen selbst dann nicht, wenn dieser sich zu Ihm mit seinem ‘Rücken’ wendet, wie es Jeremia gern äußerte (s. Jer 2,27). Er erwartet immerwährend das eine: „Ich habe kein Wohlgefallen am Tod des Gottlosen, sondern daran, dass sich der Gottlose von seinem Weg bekehre und lebe ...” (Ez 33,11; vgl. Joh 3,17; usw.). Zu gleicher Zeit darf der Mensch, bewusst um die lebendige Anwesenheit Gottes in seinem Herzen und bei sich, seine Beziehungen zu Ihm mit moralischen Verhaltensweisen nicht beflecken, die Gott zum sofortigen Verlassen des menschlichen Herzens nötigten. So erfolgt das Kennenlernen Gottes auf ‘lebendige’ Art und Weise, ohne große Theorisierung, dagegen aufgrund der gegenseitigen Liebe: einer eigenartigen Bräutlichen Liebe.

Nicht umsonst ‘verrät sich’ Gott vor dem Geschöpf seiner Vorliebe: Mann und Frau, dass Er „Ehemann” seines Volkes ist – und eines jeden einzelnen Menschen (s. Jes 54,5; 62,3-5). Halten etwa Ehegatten sich gegenüber ‘Vorlesungen’ über immer andere theoretisch gefasste Themen mit Bezug auf ihre Person, ihren Leib, ihr ‘Herz’? Und doch, diese beiden kennen sich vortrefflich und sind imstande anderen Leuten manchmal viel, sehr viel von diesem Anderen in der Ehe, bzw. erst in der Brautzeit, zu sagen. Das bedeutet: das Kennen Lernen der anderen Person ist in keinem Fall gleichbedeutend mit geordnetem theoretischen Wissen! Kennen Lernen kann man intuitiv, mit nicht bewusst gewordenem ‘Erfahren’ der Verhaltensweisen dieses anderen, mit allein dem Mit-‘ihm’-Sein, sollte es auch auf wortlose Art und Weise geschehen. So ist die Kontemplation Gottes: das stille, verlängerte Anbetungs-Gebet, und viele anderen Arten und Weisen des dauernden Seins-‘mit’-Diesem, Den die Seele geliebt hat. Die Gottes Person geht unbemerkt durch in des Menschen ‘Herz’, das Gott liebt. Und umgekehrt: das kleine Herz des Menschen geht allmählich in das Herz des Dreieinigen durch. Es erfolgt eine immer enger werdende Vereinigung von zwei Personen. Gleichsam dessen, was sich im Fall von zwei Personen ereignet, die sich lieben und verliebt sind. Diese beiden kennen sich gegenseitig – ohne sich in wissenschaftliche Vorträge und Traktate über sich gegenseitig zu vertiefen.

So ist die in der Offenbarung des Gottes-Geschriebenen-Wortes des Öfteren vorkommende Gottes Vergewisserung, dass Er ‘mit’ jemanden ‘IST’: jemanden einzelnen, erwählten, ähnlich wie Er ‘ist’ mit seinem ganzen Volk. Mit solchen Worten schenkt Gott die Kraft:

(0,13 kB) dem Mose: „Ich werde Mit dir sein ...” (Ex 3,12).
(0,13 kB) dem Richter Gideon: „Der Jahwéh ist mit dir ...” (Ri 6,12).
(0,13 kB) dem Jeremia: „Fürchte dich nicht vor ihnen, Ich bin ja mit dir ...” (Jr 1,8).
(0,13 kB) und endlich Maria: „Freue dich, Begnadete, der Herr ist mit dir ...” (Lk 1,28).
(0,13 kB) und Paulus: „Ich bin Jesus ... Denn dazu bin Ich dir erschienen, um dich zum Diener und zum Zeugen dessen zu bestellen, was du gesehen hast ... Ich werde dich erretten ...” (Apg 26,15ff), usw.

Allein schon das Sein-Leben-mit-Gott, das in der Heiligen Schrift auf ‘dynamische’ Art bezeichnet wird z.B. mit Worten: „Noah ging [beständig] mit Gott” (Gen 6,9: nach EB in der Anmerkung: ‘oder’. Die Übersetzungen suchen hier nach sehr stilisierten-verschönerten Worten, die aber keine wörtliche Übersetzung sind; z.B.: ‘... er ging seinen Weg mit Gott’ [Einheitsbibel]; ‘Noach lebte nach Gottes Gebot’ [Volksbibel]; usw.) – bereichert das Herz und den Geist des Menschen, so dass er diesen anderen kennen lern, auch wenn das auf einem anderen Weg erfolgt, als über die gewöhnliche Vernunfts-Erkenntnis.

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b. Offenbarung seiner Selbst und seines Vorhabens durch
Einschreiten und Wort

Daselbst bemerken wir, dass Gott sich Selbst [= Darstellung seiner Selbst; gleichsam seines ‘Personalausweises’] – und sein Erlösungs-Vorhaben [= Zweckziel-Sinn und Absicht: den Menschen zu erlösen] offenbart hat einerseits über Erlösungs-Taten-Eingriffe, und anderseits über das Wort, das mit diesen Taten-Einschritten einherging. Das ‘Wort’ Gottes war unbedingt notwendig, um den Sinn der Gottes Taten-Eingriffe in Ereignissen des einzelnen Menschen und des Volkes zu erklären (s. dazu: DV 2c). Das Wort Gottes sicherte immer das eigentliche Verständnis der Eingriffe Gottes. Denn diese konnten in manchen Fällen vielfältig verstanden werden, z.B. als allein natürliches Zusammentreffen von Umständen, das also nichts mit Gottes Erlösungs-Einschreiten, noch mit Gottes Offenbarung zu tun hätte.

Beispiel. So konnte der grausame Tod des Gottes Sohnes am Kreuz in nur ‘menschlicher’ Deutung widersprüchlich verstanden werden. So manchem Zeugen könnte der Gedanke aufkommen: Schade dass Jesus auf solche Weise zu Tode gefoltert wurde. Er hat so viel gute Taten verrichtet, Kranken geheilt, Toten auferweckt, Weinende getröst. Indessen Er wurde durch die Ihn hassenden Anführer des Volkes ermordet.
Die alleinige natürliche Schlussfolgerung endete mit der Feststellung: ‘Großer Schaden, dass ein so guter Mann umgebracht worden ist. Er konnte doch noch etwas leben ...’.
– Indessen der Kreuzestod ist seinem Wesen nach der größte Eingriff des Dreieinigen in die Geschichte des Weltalls. Gott hat diesen Tod und diese Freveltat zugelassen, um um den Blutpreis des Sohnes Gottes, des Gott-Menschen – der Menschen-Familie die Chance zur Bekehrung anzubieten, samt der Wiedererreichung des Nachlasses der Sünden als Voraussetzung, das ewige – Leben erlangen imstande zu sein.

Erst in diesem Licht können wir den eigentlichen Sinn der vielerorts wiederholten Ankündungen des Erlösers selbst verstehen, die die Endphase seines Lebens und seines Todes am Kreuz betroffen haben. Sie waren übrigens nur weitere Folge und Bestätigung-Annahme der Prophezeiungen des Alten Testamentes, die mit Garantie der Wahrheit der Göttlichen Offenbarung den Sinn dieses Todes auf dem Golgotaberg von vornherein erklärt haben.
– Die Worte, die vom Gott-Menschen selbst gesagt wurden, werden authentische und autoritative Erklärung der Erlösungs-Bedeutung dieses Todes als des „Sühne-Opfers für unsere Sünden ... und die der ganzen Welt” (1 Joh 2,2). Ab diesem Augenblick an wird niemand berechtigt sein, aus dieser dramatischen geschichtlichen Tatsache: des politischen Mordes – einen oberflächlichen Schluss zu ziehen: dass es ‘Schade um diesen Menschen ist! Er konnte doch noch leben und weiter Brot vermehren, Wundertaten verrichten ...’ – und nichts darüber hinaus. Der schon von vornherein, vor diesen dramatischen Ereignissen hingewiesene Erlösungs-Sinn dieses Gottes Eingriffs lässt mit erfahrener Gewissheit der Wahrheit der Offenbarung kennen lernen, dass wir vor uns nicht einen menschlichen Ereignis-Fehler haben, sondern dass ihr „... nicht mit vergänglichen Werten, mit Gold und Silber, losgekauft seid, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel(1 Petr 1,18f). Daher können wir von jetzt an „mit Zuversicht zum Thron der Gnade hintreten, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden ...” (Hebr 4,16).
– Das alles hat selbstverständlich nichts mit irgendwelchem ‘Determinismus-Fatum’ zu tun, in dessen Kraft die Tatsachen so, und nicht anders abgelaufen sind. Der vom Sohn Gottes freiwillig angenommene Tod unter unvorstellbaren Foltern befreit auch im geringsten Maß diese von Schuld nicht, die ihn herbeigebracht haben. Allerdings auch das andere ist wahr: Jeder Mensch ohne Ausnahme ist durch seine Sünden am Tod des Sohnes Gottes ‘schuld’ (vgl. Hebr 6,6).

Gott der Dreieinige ist selbstverständlich Geist, wogegen der Mensch, Gottes Lebendiges Ebenbild angesichts des Weltalls, Geschöpf körperlich-geistiger Natur ist. Gott passt sich in seiner Offenbarung an die menschliche Natur und Begriffskapazität des Menschen an. Gerade deswegen wählt Er als Art und Weise, wie Er den Menschen ansprechen wird, parallel:

(0,15 kB) Taten-Einschritte; und parallel dazu:
(0,15 kB) die sie begleitenden seine Worte.

Das Wort Gottes wird zum bevorzugten Träger, der einen besonders bekömmlichen ‘Berührungspunkt’ Gottes-des-Geistes mit dem Lebendigen Ebenbild Gottes: Mann und Frau, schafft. Das Wort ermöglicht einen einzigartigen, vertrauten Kontakt der Person Gottes – mit seinem zur Würde der Person erhöhten Geschöpf: dem Menschen, den „Gott ... um seiner Selbst willen gewollt hat” (GS 24). Gerade aus diesem Grund erschafft Gott [= Gottes Eingriff-Tat], der nichts mit der Stummheit der künstlichen Götter zu tun hat (vgl. Ps 115 [113 B] 5ff), indem Er zu gleicher Zeit spricht [= Gottes Wort] (vgl. Gen 1). Wonach Er die Intensität des Sprechens zu seinem Volk gleichsam steigert – bis zum Augenblick, „als die Fülle der Zeit gekommen war” (Gal 4,4), da der Gottes Sohn-das- „Wort Fleisch geworden ist und hat unter uns gewohnt(wörtl.: hat sein Zelt unter uns aufgeschlagen – Joh 1,14).

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c. Auserwählte zu Vermittlern der Offenbarung

Beim Sprechen zu seinem Volk hat sich Gott grundsätzlich eigens gewählter Männer bedient. Gott hat sie zeitweilig mit besonderen Gaben ausgestattet, die mit dem Namen ‘Charismen’ bezeichnet werden können. Sie gingen mit der Offenbarung Gottes als Wahrheit-Treue einher. Die einen dieser Charismen waren konstitutiv, die anderen könnten als funktionelle Charismen bezeichnet werden, weil sie an die Ausübung unterschiedlicher Posten im organisierten Volk Gottes gebunden waren.

(0,97 kB) Sooft Gott einen seinem Wesen nach Neuen Aspekt der Wahrheit-Treue seiner Offenbarung zu enthüllen beabsichtigte, bereicherte Er den betreffenden Menschen mit konstitutivem Charisma. Ohne dieses Charisma kommt keine seinem Wesen nach Neue Gottes Offenbarung zustande.
– Mit solchem Charisma hat Gott im Alten Testament Mose und die Propheten ausgestattet. Im Neuen Testament wurden mit konstitutivem Charisma allein die Apostel bereichert.

(0,96 kB) Die übrigen Vermittler der Offenbarung wurden von Gott mit funktionellem Charisma ausgestattet. Über dieses Charisma ist zum Volk Gottes schon kein seinem Wesen nach Neuer Aspekt der Wahrheit der Offenbarung gekommen. Das funktionelle Charisma hat dagegen dazu gedient:

– dass die schon stattgewordene, konstitutive Offenbarung mit Herzen angenommen werde;
– zur Entfaltung der darin virtuell enthaltenen Inhalts-Kräfte;
– und zur Applikation der Wahrheit der bisher schon stattgewordenen Offenbarung an die sich verändernden geschichtlichen, kulturellen oder ökonomischen Umstände.
– Zuletzt begleiteten die funktionellen Charismen das Volk Gottes bei der Übermittlung des bisherigen Depositums der Wahrheit der Offenbarung auf nicht entstellte Art und Weise an die nächstkommenden Geschlechter.

Im Alten Testament wurden mit funktionellen Charismen u.a. die folgenden Angestellten bereichert: die Älteren, die Priester, Schriftgelehrte, die Weisen. Im Neuen Testament hat das funktionelle Charisma diejenigen begleitet, die zur Verkündigung berufen waren (Charisma der Didaskalie), die Presbiter, Propheten [diese haben im NT nicht das konstitutive Charisma erhalten: mit ihm wurden im NT allein die Apostel bereichert] und Evangelisten [es geht nicht um Autoren der Heiligen Evangelien, sondern diese, die die Frohe Botschaft verkündet haben = das Evangelium].

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d. Jesus Christus der die Offenbarung zur Fülle geführt hat

Zur Fülle hat die Offenbarung der Göttlichen Wahrheit-Treue der Sohn Gottes, der Erlöser des Menschen, gebracht. Er ist es, der die „Worte Gottes redet” (Joh 3,34; EB), indem Er selbst persönlich Gott und zugleich Mensch ist. Jesus Christus „lehrt” über Gott und offenbart Gott der Menschenfamilie als „Eingeborener Gott, der im Schoß des Vaters ist ...” (Joh 1,18b; eigene Überstzg vom Griech.). Nur Er konnte von sich sagen:

„Alles ist Mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn als nur der Vater,
und niemand kennt den Vater, als nur der Sohn – und der, dem es der Sohn offenbaren will” (Mt 11,27).

Im Ablauf einer der verbissenen Diskussionen mit den Juden, als man Jesus steinigen wollte, weil Er für sich die Würde Gottes zugeschrieben hat, sagte Er in gewisser Weile:

„Wollte ich Mich selbst ehren, so wäre meine Ehre nichts. Mein Vater ist es, der Mich verherrlicht. Von Ihm sagt ihr: ‘Er ist unser Gott’. Und doch kennt ihr Ihn nicht.
Ich aber kenne Ihn. Wollte ich sagen, ich kenne ihn nicht, so wäre ich ein Lügner – gleich wie ihr. Aber ich kenne Ihn und bewahre Sein Wort ...” (Joh 8,54f).

Die Lage Jesu Christi ist bei der Offenbarung Gottes als Wahrheit-Treue ganz außergewöhnlich. In seiner Person sammeln sich wie im Brennpunkt alle bisherigen Prophezeiungen und die ganze bisherige Gottes Offenbarung. Sie richteten sich auf Ihn und erfüllten sich aufeinander in Ihm.
– Zugleich aber wird Jesus Christus zu neuem Anfang (vgl. Mt 5,17-48) der zur Fülle gebrachten Offenbarung Gottes als Wahrheit-Treue in der Verwirklichung seines Vorhabens: der Erlösung des Menschen in Christus.

Jesus hat in seiner Gottes Person Bewusstsein gehabt, dass Er zeitweilig vom Himmel herabgestiegen ist, um den Erlösungs-Willen seines Vaters zu Ende zu erfüllen (vgl. Joh 16,28; 17,4.8): die Erlösung des Menschen. Das wird um den höchstmöglichen Preis vollbracht werden. Jesus gibt für die Erlösung des Menschen, seines Ebenbildes, einen Königlichen Preis.
– Er wird ... Gottes würdig sein: des Schöpfers, der zugleich zum Erlöser seines so schwierigen Geschöpfes wird!
– Dieser Preis wird aber eigenartig auch des Menschen würdig sein: dieses Erlösten, für Gott schmerzhaften, und für sich selbst wegen der Sünde zutiefst verwundeten Gottes Lebendigen Ebenbildes auf Erden.
– Zu gleicher Zeit ist sich aber Jesus in seiner Gottes Person dessen bewusst, dass Er bald von neuem zum Vater zurückkehrt (Joh 16,28; Apg 1,9), wenn Er nur das Erlösungs-Vorhaben des Vaters bis zum Ende vollbringt. Das wird im Zeitpunkt seines „Es ist vollbracht” am Kreuz geschehen (Joh 19,30; 17,4), und nachher noch seiner Auferstehung und Himmelfahrt, zu deren Besiegelung die Sendung des Geistes der Wahrheit Gottes werden wird.

Allzu kostbar war das Werk, das Jesus Christus auf Erden vollbracht hat, indem Er auf die Waagschale als Gott-Mensch den höchsten möglichen Preis geworfen hat, als dass es nach seinem Tod und seiner Auferstehung verloren gehen und keine Frucht bringen sollte. Mit diesem Gedanken, immer in den Willen des Vaters, der für Ihn für den Alltag „Speise” war, eingehört, (Joh 4,34), hat Er zuerst noch die Kirche: diese Seine Kirche gegründet. Diese Kirche hat Er auf dem mit nichts rüttelbaren Fundament-Felsen aufgebaut, als den Er für sich den bisweilen feurigen, und zugleich sehr unbeständigen und schwankenden ... Petrus gewählt hat (Mt 16,18).
– Diesem ‘Fels’ gewährt Jesus die Vergewisserung, dass die „Pforten der Unterwelt Ihn nicht überwältigen werden” (Mt 16,18; korrigierte Übersetzung. Das griech. Adjektiv: ‘autés’ bezieht sich nicht auf ‘ekklesía’, sondern auf ‘pétra’!). Zu diesem Ziel beschenkt Er Petrus mit dem Charisma der Wahrheit der Offenbarung in Fragen, die sich auf irgendwelche Art und Weise auf das Profil unserer Erlösung in Christus beziehen (s. Lk 22,32). Jesus sichert hier dem Petrus und seinen Nachfolgern auf diesem Posten deutlich das Jurisdiktions-Charisma, nicht aber irgendwas gleichsam ‘des ersten unter gleichen’. Petrus wird mit diesem Charisma bereichert werden bei der Ausübung der Lehrmacht und der authentischen-autoritativen Deutung der Wahrheit der Offenbarung. Diese Macht wird er in kollegialer Einheit mit dem ganzen Kollegium der Apostel ausüben (s. Mt 18,18).

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e. Übergang der Wahrheit der Offenbarung von Christus auf die Apostel

Betrachten wir die Evangelien, die zurzeit in unzählbaren Übersetzungen in moderne Sprachen zugänglich sind, bemerken wir, dass jetzt, der Reihe nach, Jesus Christus keine systematischen ‘Vorträge’ gehalten hat: weder über Gott, noch den Glauben, die innere Organisation der Kirche, noch ihre rechtlichen Strukturen, die Liturgie und moralische Verhaltensweisen. Ausnahmsweise erteilte Er eine autoritative Deutung des bisherigen Depositums der Wahrheit der Offenbarung in einer ihrer Einzelheiten (z.B. Mt 5; 19,3-12; usw.). Er hat die Übermittlung der Wahrheit der Offenbarung im selben Stil fortgesetzt, den Gott bisher angewandt hat: mit Taten – und der Lehre, also mit dem Wort. Das hat Lukas am Anfang der Apostelgeschichte bündig zum Ausdruck gebracht:

„Im ersten Buch [= Evangelium von Lk], lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet,
(0,58 kB)was Jesus getan [= Einschreitungen-Eingriffe Gottes]
(0,58 kB)und gelehrt hat [= Gottes Wort, das den Sinn der Eingriffe Gottes erklärte]
bis zu dem Tag, an dem Er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat Er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die Er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben ...” (Apg 1,1f; EinhB).

In seiner sensibelen Feinfühligkeit wollte Jesus den Aposteln die Freude schenken, dass die Offenbarung des Neuen Testamentes auch noch durch sie ein wenig in konstitutivem Sinn herangewachsen war – selbst noch nach seiner Rückkehr zum Vater bei der Himmelfahrt. Das bedeutet, dass der Sohn Gottes die Wahrheit der Offenbarung nicht ausschließlich selbst bis zu ihrer letztlichen Gestalt führen wollte. Er versteht sich an der Freude seiner Jünger zu freuen, die in Kürze in das Verständnis des ihnen übermittelten Depositums der Offenbarung immer tiefer einzudringen beginnen.
– Wichtig ist der grundsätzliche Vorbehalt: die Zeit des konstitutiven Anwachsens der Wahrheit der Offenbarung endet samt dem Tod des letzten der Apostel. Nur sie wurden von Gott in der Epoche des Neuen Testamentes als diese Übermittler der Offenbarung Gottes erwählt, durch die Er der ganzen Menschenfamilie noch einige weitere, wesentlich neue Aspekte der Wahrheit der Offenbarung zu offenbaren beabsichtigte. Auf ihnen zugleich, d.h. auf den Aposteln, kommt das Werk der öffentlichen Offenbarung Gottes zu seinem definitiven Ende. Daher bekennt das Zweite Vatikanische Konzil in der Dogmatischen Konstitution ‘Dei Verbum’ über die Offenbarung Gottes – als Frage des Glaubens:

„Daher ist die christliche Heilsordnung, nämlich der Neue und Endgültige Bund, unüberholbar, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit [vgl. 1 Tim 6,14; Tit 2,13](DV 4d).

Samuel nach seiner Geburt - 3
Erklärung

Nach der Himmelfahrt Jesu Christi hat die Zeit der Kirche begonnen (s. DeV 25f).
– Zu ihrer feierlichen Inauguration wurde die Sendung des zuvor mehrmals versprochenen Heiligen Geistes (Apg 2,1-4). Gerade Er, der Heilige Geist, ähnlich wie der-Sohn-das-Wort, gesandt vom Vater (Joh 14,16n.26; 15,26; 16,8.13; Apg 1,4.8), wird in der Kirche Christi „für immer verweilen” (Joh 14,16).
– Für immer wird in seiner Kirche selbstverständlich auch Jesus Christus selbst zugegen sein. Dieses Zugegensein wird Er in der Person seines Sichtbaren Stellvertreters auf Erden verwirklichen, aber auch in den weiteren Vertretern des Lehramtes, und noch auf viele anderen Arten und Weisen.
– Auf ganz besondere Art verweilt Jesus Christus mit uns im Sakrament der Eucharistie, in der Er für seine Jünger Lebendige Nahrung und Lebendiger Trank für das ewige – Leben geworden ist (s. dazu:  Apostolisches Schreiben ‘Mane nobiscum Domine’ (2004). Nicht umsonst hat Jesus seine Apostel – und die ganze Menschen-Familie bei seiner Himmelfahrt vergewissert:

„Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht hin und lehrt alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was Ich euch geboten habe.
Seht, Ich bin mit euch alle Tage hindurch – bis zur Ende der Welt” (Mt 28,18ff; eigene Überstzg nach dem Originaltext).

Im Zeitraum der 40 Tage zwischen der Auferstehung und der Himmelfahrt, als Jesus „... nach seinem Leiden ... ihnen viele Beweise dafür gegeben [hat], dass Er lebe: Vierzig Tage hindurch erschien Er ihnen und belehrte sie über das Reich Gottes(Apg 1,3), erörterte Er mit den Aposteln außer Zweifel die grundlegenden Fragen betreffs der von Ihm gegründeten Kirche. So ist die Bedeutung der von Lukas angeführten Worte in der Apostelgeschichte: „... und belehrte sie über das Reich Gottes” (Apg 1,3). Es konnte nicht anders sein: Jesus kehrt jetzt zu seinem Vater zurück, dennoch Er bleibt weiter in der von Ihm gegründeten Seiner Kirche, zu dessen Haupt und sichtbarem Stellvertreter Er Petrus angestellt hat.

Das hier erwähnte „Reden-Belehren über das Reich Gottes” musste thematisch solche wesentlichen Fragen betreffen, wie: den Abriss der Organisation der Kirche, des verrichteten Kultus, Abriss des Kirchengesetzes, und außerdem die Übermittlung der ganzen Botschaft der Erlösung durch die Belehrung des Glaubens (Dogma) und die ethische Verhaltensweise gemäß dem Evangelium (Moralität). Jesus hat sich wohl nicht allzu sehr mit Einzelheiten beschäftigt und nur allgemeine Grundsätze und das Ziel des Erlösungswerkes und der von Ihm gegründeten – Seiner Kirche eingeprägt.
– Den Aposteln, und bald nachher ihren Nachfolgern, sollte die Zusicherung ausreichen, dass Jesus in seiner Kirche für immer bleiben wird. Und dass in derselben Seinen Kirche für immer auch der von Ihm versprochene Heilige Geist zugegen sein wird.

Spezifische Aufgabe des Heiligen Geistes, der auf die Jünger Christi am Pfingsttag – in neun Tagen nach der Himmelfahrt Jesu herabkommen wird, wird es sein:
– Die Sicherung der Einheit der Gesamtheit des Depositums der Offenbarung (s. 1 Kor 12,11).
– Und das Ablegen des Zeugnisses über Christus (Joh 15,26; Apg 1,8. – s. genauer: ks. Pawel Leks, Twoje SLOWO jest PRAWDA [= Dein WORT ist WAHRHEIT], a.a.o., 51f [poln.]).
– Aber außerdem wird die ganz besondere Aufgabe des Heiligen Geistes darauf beruhen, dass Er das Volk Gottes in ein immer tieferes Verständnis der Wahrheit der Offenbarung einführen wird. Das wurde vom Erlöser selbst angesagt und versprochen:

„Wenn aber Jener, der Geist der Wahrheit, kommt, wird Er euch in alle Wahrheit einführen. Denn Er wird nicht aus sich reden, sondern alles, was Er hört, wird er reden, und was zukünftig ist, euch verkünden.
Er wird Mich verherrlichen, denn Er wird von Meinem nehmen und es euch verkünden.
Alles, was der Vater hat, ist Mein. Darum habe Ich gesagt: Er nimmt von Meinem und wird es euch verkünden” (Joh 16,13ff).

„Der Tröster aber, der Heilige Geist, den der Vater in Meinem Namen senden wird, Der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was Ich euch gesagt habe” (Joh 14,26).

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f. Übergang der Wahrheit der Offenbarung von Aposteln auf die Kirche


Die Apostolische Überlieferung (Tradition), die für die Kirche aller Zeiten konstitutiv ist, begann bald in die dogmatische und moralische Überlieferung der Kirche zu übergehen. Diese ist selbstverständlich nicht mehr die konstitutive Überlieferung. Das bedeutet, dass ab dem Ende der Apostolischen Zeitepoche – zum Depositum der Wahrheit der Offenbarung schon kein dem Wesen nach neuer Aspekt hinzugefügt werden kann.
– Die Apostel, die sich im damaligen Römischen Imperium und außerhalb von ihm zerstreut haben, mussten mit der Adaptation der Wahrheit der Göttlichen Offenbarung an immer andere geographische Milieus ringen. Um so mehr betraf das immer andere Kulturen und Sprachen, an die sie mit der Botschaft des Evangeliums gelangt sind. Niemand derjenigen, die die Wahrheit der Offenbarung verkündet haben, durfte selbstverständlich in irgendwelcher Weise vom Depositum der Göttlichen Offenbarung in ihrer reinen Gestalt abweichen. Ihr Mittelpunkt war immer die Person Christi: Er war das Lebendige Evangelium.

Die Apostel und ihre Nachfolger haben Jesus Christus unerschrocken und unermüdlich verkündet. Sie fanden sich dazu gedrängt, weil Christus selbst sie zur Erfüllung dieses Auftrages berufen hat. Man sieht das wenn auch nur aufgrund der Apostolischen Tätigkeit des Hl. Paulus, des Völkerapostels. Mit was für einer Überzeugung sagt er von sich, als er endlich Jesus Christus – diesen Gekreuzigten und doch Auferstandenen, kennen gelernt hat:

„Denn für mich ist das Leben – Christus, und das Sterben – Gewinn ...!” (Phil 1,21; JB).

„Alles vermag ich in Dem, Der mich stärkt(Phil 4,13).

„Ein Zwang liegt auf mir. wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündete” (1 Kor 9,16; VB).

„Wir sind also Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt: Lasst euch mit Gott versöhnen ...” (2 Kor 5,20).

„Mir aber sei es fern, mich zu rühmen, außer wegen des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt” (Gal 6,14).

So sehen wir, dass sich die Verkündigung des Evangeliums vonseiten der Apostel und ihrer Nachfolger auf demselben sammelt, was der Sohn Gottes selbst, Jesus Christus, gelehrt hat:

„So tut denn Buße und bekehrt euch, damit eure Sünden getilgt werden, Dann kommen vom Herrn Zeiten der Erquickung ...” (Apg 3,19).

„... Sei euch allen und dem ganzen Volk Israel kund: Durch den Namen Jesu Christi des Nazoräers, – den ihr gekreuzigt habt, den aber Gott von den Toten auferweckt hat – durch Ihn steht dieser Mann gesund vor euch.
Jener ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen ward, der aber zum Eckstein geworden ist.
In keinem anderen ist das Heil. Denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir das Heil erlangen” (Apg 4,10ff).

Vor der jungen Kirche der Apostolischen und Nach-Apostolischen Zeitepoche, aber auch der nächstfolgenden Jahrhunderte und Jahrtausende, wird die schwere Aufgabe der eigenartigen ‘Inkulturation’ des Evangeliums Jesu Christi in immer andere Milieus stehen bleiben. Die Verkünder des Evangelium werden einerseits alles machen müssen, dass sie den jahrhundertelangen Ertrag der lokalen Kulturen nicht zerstören, sondern sie in Jesus Christus einimpfen, der sich selber genannt hat: „Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner” (Joh 15,1). Anderseits sind sowohl die Apostel, wie auch die auf ihrem Fundament aufgebaute Kirche, zur unbedingten Treue der Wahrheit-Treue der Göttlichen Offenbarung verpflichtet.

Unersetzliches Kriterium der Treue der Kirche aller Jahrhunderte bezüglich der von den Aposteln empfangenen Offenbarung bei immer neuen erscheinenden Fragen im Bereich des Glaubens (Dogma) und der moralischen Verhaltensweisen (Moralität) wird für immer folgendes sein:

(0,15 kB) Einerseits muss an sie der Prüfstein der Heiligen Schrift angelegt werden, in der die Gesamtheit der Wahrheit der Offenbarung, wenn auch nur in einem sehr keimartigen Zustand, enthalten ist.
(0,15 kB) Anderseits wird die Kirche aller Jahrhunderte zur unbedingten Treue der konstitutiven Rolle verpflichtet sein, die die Apostolische Überlieferung und Apostolische PRAXIS in der Lehre des Glaubens und des moralischen Verhaltens spielt (s. genauer: ks. Pawel Leks, SLOWO Twoje jest PRAWDA [Dein WORT ist WAHRHEIT], a.a.o. 48-53.53-58).

Außerdem wird aber eine grundsätzliche Rolle spielen bei der Deutung sowohl der Heiligen Schrift, die von der Lebendigen Überlieferung der Kirche in ihrer Einheit ‘mit’ Petrus und ‘unter’ Petrus getragen wird (s. DV 10b.d), wie auch beim korrekten Verstehen der dogmatischen und moralischen Überlieferung der Kirche, die schon früher besprochene:

(0,12 kB) ‘Analogie des Glaubens’,
(0,12 kB) die Gesamtheit der Heiligen Schrift (s. DV 12f),
(0,12 kB) und der ‘Sinn des Glaubens’ des ganzen Volkes Gottes (LG 12).

Diese Fragen haben wir bereits genügend im zweiten Teil unserer WEB-Site erörtert (s. genauer:  Der weiter lehrende Jesus Christus – mit ganzer weiteren Folge dieses Abschnittes).

Wir sind uns bewusst, dass die Kirche keine usurpatorische Institution ist: sie wurde vom Erlöser des Menschen, dem Gott-Menschen Jesus Christus, gegründet. Gott kann nicht zulassen, dass die Wahrheit-Treue der Göttlichen Offenbarung in der Kirche einer Infizierung oder irgendeiner Entstellung erliegen sollte. Die Kirche an sich ist einerseits sichtbare und messbare Institution. Es bleibt aber immer auch sein Un-sichtbarer Teil da: Jesus Christus selbst, der einzige Herr und Besitzer dieser Seinen Kirche, und der Heilige Geist, der vom Pfingsttag an das Werk der Erlösung, verdient um den Preis des Opfers des Gottes Sohnes am Kreuz, in der Kirche weiter führt.

Die Nicht-Entstellung der Gesamtheit des Depositums der Wahrheit der Offenbarung, ihre getreue Aufbewahrung, ihre authentische und autoritative Erklärung und Verteidigung des Bestandes der Offenbarung wird in ganz besonderer Weise alle Jahrhunderte hindurch vom Heiligen Geist erfüllt. Wie der Heilige Geist im Schoß der Allerheiligsten Dreifaltigkeit – die Einheit der Drei Gottes Personen bildet, indem Er selbst Person-die-Liebe und zugleich Gabe des Vaters und des Sohnes und umgekehrt ist, so wacht auch beim Wirken der Trinität ‘nach außen’ gerade der Heilige Geist über die Einheit des Depositums der Wahrheit-Treue der Offenbarung alle Jahrhunderte hindurch.
– Das geschieht einerseits durch die Bewahrung der Wahrheit der Offenbarung vor menschlichen Tendenzen zu ihrer Entstellung, und anderseits durch die unauffällige Einführung des Volkes Gottes in ein immer tieferes Kennenlernen der Tiefen der Wahrheit der Göttlichen Offenbarung.

Und zwar der Heilige Geist erfüllt in der Kirche alle Jahrhunderte hindurch noch eine zweite wesentliche Aufgabe, die Ihm die Zweite Person der Trinität, der Sohn-das-Wort, anvertraut hat: die Aufgabe, in das immer tiefere Verständnis der Wahrheit der Göttlichen Offenbarung einzuführen. Dank dem erfolgt im Zeitraum der ganzen Kirchengeschichte die allmählich zunehmende Entwicklung der Apostolischen Überlieferung.

Das heißt nicht, dass im Laufe der fließenden Jahrhunderte der Kirchengeschichte irgendwelche, ihrem Wesen nach neue Aspekte zum Depositum der Offenbarung hinzukommen sollten. Die öffentliche Göttliche Offenbarung an sich hat ihre definitive Beendung samt dem Ende der Apostolischen Zeitepoche erfahren. Es entwickelt sich dagegen immerwährend etwas anderes. Im Maß der ablaufenden Zeit erfolgt der Zuwachs im Verständnis [DV 8d, lat.: „crescit ... perceptio: es wächst ... das Verständnis”] der schon Tat gewordenen und in der Kirche aufbewahrten Göttlichen Offenbarung.

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3. Wachstum der Wahrheit der Offenbarung der Heiligen Schrift
und der Überlieferung

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a. Zwei ‘Kanäle’ der sich mitteilenden Wahrheit der Offenbarung

Das Schatzgut der Offenbarung an sich wird in der Kirche ganzheitlich in zwei verschiedenen, und doch organisch miteinander verflochtenen und gleichsam zusammengewachsenen gleichsam ‘Kanälen’ aufbewahrt:

(1 kB) Grundlegender, mit nichts ersetzbarer ‘Kanal’, in dem die Gesamtheit der Wahrheit-Treue der Göttlichen Offenbarung aufbewahrt wird, ist und bleibt für immer das Gottes-Geschriebene-Wort, d.h. die Heilige Schrift. Sie besteht aus Büchern sowohl des Alten [47 Bücher des AT], wie Neuen Testamentes [27 Bücher des NT; insgesamt 74 Bücher der Heiligen Schrift].
(1 kB) Anderseits ist aber dieselbe Wahrheit-Treue der Göttlichen Offenbarung in noch zweitem ‘Kanal’ des Depositums des Glaubens enthalten, und zwar im Gottes-Überlieferten-Wort, das auch dogmatische und moralische Überlieferung der Kirche genannt wird. Wobei die Überlieferung, von der hier gesprochen wird, in gleichem Maß die Gesamtheit derselben Offenbarung der Göttlichen Wahrheit-Treue aufbewahrt, wie es im Fall der Heiligen Schrift ist. Diese Überlieferung enthält also die Offenbarung ebenfalls in ihrer Gesamtheit, nur dass es in anderer Art und Weise geschieht, als im Gottes-Geschriebenem-Wort.

Die Emilia mit Geschwistern beim Essen der Milchsuppe!
Erklärung

Die erwähnte ‘Entwicklung’ (auch: ‘Fortschritt’ genannt) der Apostolischen Überlieferung im Rahmen der Kirchengeschichte geht mit ein paar verschiedenen Faktoren einher, die sie auslösen und unterstützen. Sie werden im Abriss von der Dogmatischen Konstitution ‘Dei Verbum(1965) des Zweiten Vatikanischen Konzils – über die Göttliche Offenbarung, aufgezählt. Hier die erwähnten Faktoren – ohne weiteren Kommentar:


Anwachsen der Apostolischen Überlieferung

„Diese Überlieferung, die von den Aposteln herkommt, nimmt in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes zu [lat.: proficit].
Es wächst [lat.: crescit] nämlich das Verständnis [lat.: perceptio] sowohl der überlieferten Dinge [lat.: rerum], wie auch überlieferten Worte [lat.: verborum].
(0,12 kB) Das geschieht sowohl durch die Kontemplation und das Studium der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen,
(0,12 kB) wie auch durch innere Einsicht der geistlichen Wirklichkeit, die sie erfahrungsgemäß erleben,
(0,12 kB) wie endlich dank der Verkündigung derer, die samt der Bischöflichen Sukzession das Charisma der Wahrheit empfangen haben, das die Gewissheit gewährt [charisma veritatis certum](DV 8d; stark korrigierte, genauere Übersetzung der offiziellen deutschen Version).

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b. Verständnis der Wahrheit der Offenbarung vermittels des
Gottes-Geschriebenen-Wortes

Wir stehen jetzt vor der Frage: Welche Schritte soll die Kirche unternehmen, wenn sei es unerwartet, oder ein andermal allmählich, eine Frage im Bereich des Glaubens auftaucht (Dogma), oder betreffs der moralischen Verhaltensweisen (Moral; Sittlichkeit), die jedenfalls bisher unbekannt und nicht erörtert wurde, indessen jetzt verlangt sie dringend nach Lösung in voller Übereinstimmung mit dem Evangelium. Es zeigt sich dabei, dass über dieses Thema keine deutliche Antwort gefunden werden kann weder im Gottes-Geschriebenem-Wort (in der Heiligen Schrift), noch im Gottes-Überlieferten-Wort (in der Apostolischen Überlieferung-Tradition). Diese Frage verlangt nach bestimmtem Standpunkt zwar vonseiten der ganzen Heiligen Kirche, aber zweifellos gilt das in erster Reihe vom Lehramt der Kirche, auf dem diese Aufgabe als prioritäre Pflicht lastet. Wir möchten uns jetzt auf dieser Hinsicht sammeln.

Sooft im Laufe der Jahrhunderte irgendeine neue Frage erscheint, die mit unserer Erlösung in Jesus Christus verbunden ist – ob im Bereich des Glaubens [= Wer und Wie Gott ist], oder der ethischen Verhaltensweisen [= Moral; Sittlichkeit], kann sich die Kirche – im Sinn vor allem des Lehramtes der Kirche, nicht mit der allgemeinen Feststellung befriedigen, diese Frage wäre NICHT deutlich dargestellt noch gelöst: weder in der Heiligen Schrift, noch in der Überlieferung der ursprünglichen Kirche. Demzufolge ist es ‘bedauerlich, allerdings wir haben zu dieser Frage keine befriedigende Antwort’. Die im Laufe der Jahrhunderte aufkommenden Probleme sowohl was den Glauben angeht, wie die Moral, verlangen manchmal nach unaufschiebbarer Antwort, die mit dem die Gewissen bindendem Mal gekennzeichnet ist – nicht nur für die Katholiken allein, noch für allein die Christen, sondern für die ganze Menschenfamilie. Weder der zeitweilige Papst, noch das Kollegium der Bischöfe können sich alsdann mit der Ausrede drücken, diese Frage wäre in den Apostolischen Zeiten total unbekannt. Es ist dann Aufgabe sowohl des Petrus der aktuellen Zeit, wie des ihn unterstützenden Kollegiums der Bischöfe, und ferner der Theologen und Gläubigen der ganzen Kirche – sich die Mühe zu geben und alle Denkanstrengungen, und um so mehr Gebete zu unternehmen, um die unentbehrliche Gottes Erleuchtung und Hilfe des Heiligen Geistes für solche Entscheidung der entstandenen Frage zu erflehen, die in vollem Einklang mit der Gesamtheit der übrigen Aspekte des Depositums der Offenbarung bleibt.

Die Kirche muss also in Einheit ‘mit’ Petrus und ‘unter’ der Jurisdiktions-Entscheidung des Petrus die menschlich zugänglichen Erkenntnis-Untersuchungen unternehmen – und dabei das Gebet intensiv steigern, um beim Geist der Wahrheit, der nach Christus „zur vollen Wahrheit hinführt [= im biblischen Sinn: Gottes Treue angesichts des Vorhabens – den Menschen in Christus zu erlösen], das tiefere Kennenlernen-Verständnis mit Bezug auf die gerade auftauchende Frage zu erflehen. Der Heilige Geist erhört dieses Gebet außer Zweifel. So lautet doch das Versprechen Jesu Christi! Allerdings – wie es bei allen anderen Fragen zu sein pflegt – der Heilige Geist löst in der Kirche zuerst, vor allem beim Magisterium der Kirche selbst, die Mühe aus, dass diese Frage mit allen zugänglichen Methoden redlich untersucht wird. Die Entscheidung, die die Kirche dann vor allem von Petrus erwartet, wird völlig mit dem Sinn des Glaubens und der Analogie des Glaubens übereinstimmen müssen, so wie die Gesamtheit des Schatzes des Glaubens der Kirche von den Aposteln überliefert worden ist, die zu konstitutiven Trägern der Offenbarung bestellt worden sind.

Das Magisterium der Kirche kann sich vor der Unternehmung vor allem zwei grundlegender ‘Wege’ nicht drücken, um zur authentischen Apostolischen Überlieferung und Praxis der Apostel zu gelangen, die maßgebend und vorgreifend für die Kirche aller Zeiten bleibt. Es geht um die Göttlich-menschliche Wirklichkeit, die die Kirche darstellt. Die Kirche ist nämlich aufgrund der Gründung Gottes der einzige Depositär des Schatzes der Offenbarung, wobei diese in ihrer Gesamtheit sowohl in der Heiligen Schrift enthalten ist, wie nicht minder in ihrer Gesamtheit mit der parallel und organisch mit ihr verflochtenen dogmatisch-moralischen Überlieferung der Kirche.

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c. Wahrheit der Offenbarung in Äußerungen der Heiligen Schrift


Die Kirche muss nämlich die Mühe unternehmen und die auftauchende Frage im Einzelnen vor allem im Licht der Äußerungen des Gottes-Geschriebenen-Wortes, d.h. der Heiligen Schrift, untersuchen.
– Zwischen der Heiligen Schrift und der dogmatisch-moralischen Überlieferung (Tradition) der Kirche besteht dieser Unterschied unter dem Gesichtspunkt der Wahrheit der Offenbarung, dass sooft man die Heilige Schrift öffnet, bleibt man daselbst und sofort gleichsam mit ‘beiden Füßen’ in der Apostolischen Überlieferung stehen. Die ganze Heilige Schrift sowohl des Alten, wie Neuen Testamentes haben wir nämlich von den Händen der Apostel erhalten, also nicht von irgendjemandem anderen. Daher ist für uns auch in dieser Hinsicht die Apostolische Überlieferung und Praxis maßgebend: bezüglich der Frage der Zahl und Qualität der Biblischen Bücher.
– Öffnen wir also das Gottes-Geschriebene-Wort, überspringen wir daselbst alle Jahrhunderte und ‘landen’ sofort zu Füßen des Kristall-Quells der Apostolischen Epoche. Aus diesem Grund kann man diesen Weg, wie man zum Depositum der Offenbarung gelangen kann, gleichsam mit dem ‘Volt’ vergleichen, in dessen Kraft der Funke der Einheit der Offenbarung, die von der Kirche behütet wird, in selbem Moment von der betreffenden Zeitepoche – zur lebendigen Apostolischen Überlieferung und Praxis der Apostel überspringt.


1) Die Heilige Schrift – ‘allein’?

Man muss offenbar merken, dass die Heilige Schrift kein Leben ‘für sich allein’ führt. Sie ist kein Schatz, der sein Leben unabhängig von der Kirche Christi führt (s. DV 21b). Sie wird als Gabe dem ganzen Volk Gottes geschenkt – über den biblischen Verfasser, der mit dem Charisma der Skripturistischen Inspiration beschenkt wurde. Selbstverständlich auf solche Art und Weise, die als die eigentliche von Jesus Christus, dem Menschgewordenen-Gottes-Wort, anerkannt worden ist. Daher besagt das Zweite Vatikanische Konzil:

„Denn die Heilige Schrift ist Gottes Rede, insofern sie unter dem Anhauch des Gottes Geistes als Schrift aufgezeichnet wurde.
Die Heilige Überlieferung aber gibt das Wort Gottes, das von Christus dem Herrn und dem Heiligen Geist den Aposteln anvertraut wurde – in Gesamtheit an deren Nachfolger weiter, damit sie es unter der erleuchtenden Führung des Geistes der Wahrheit in ihrer Verkündigung treu bewahren, deuten und ausbreiten.
So ergibt sich, dass die Kirche ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein schöpft ...” (DV 9c; eigene, genauere Überstzg des Konziltextes).


2) Der einzige Besitzer der Heiligen Schrift

Immer zeitgemäß bleibt ferner die Feststellung, dass der einzige ‘Besitzer’ des Gottes-Geschriebenen-Wortes allein der Dreieinige ist, nicht aber irgendjemand der Menschen. Auch die Kirche ist keine Besitzerin der Heiligen Schrift, so dass sie keineswegs über sie beliebig verfügen kann. So hat es auch in seiner Schlichtheit das Zweite Vatikanische Konzil in der Dogmatischen Konstitution über die Offenbarung zum Ausdruck gebracht:

„Dasselbe Lehramt ist aber nicht über dem Wort Gottes, sondern im Gegenteil, es dient ihm. Es lehrt nämlich nichts, als was überliefert worden ist, insofern es – aufgrund des Göttlichen Auftrags und mit dem Beistand des Heiligen Geistes – es ehrfurchtsvoll hört, heilig bewahrt und treu auslegt. Das alles schöpft es aus diesem einen Depositum des Glaubens und legt es zum Glauben als von Gott Geoffenbartes vor” (DV 10c; eigene Überstzg des Konziltextes).

Wenn also die Kirche selbst niemals ‘Besitzerin’ der Heiligen Schrift ist und niemals es werden wird, sondern einzig ihr getreuer Treuhänder, Verwalter und Wächter, kann um so weniger irgendwelche private Person die Heilige Schrift auf willkürliche Art und Weise deuten, indem sie sich gleichsam zu ihrem ‘Herrn-Besitzer’ erklärte, der als bevollmächtigte Autorität zu ihrer Interpretation bestellt wäre.

Das Gottes-Geschriebene-Wort lebt dagegen und entwickelt sich, d.h. wird korrekt verstanden, erst im Rahmen der sie annehmenden und tragenden dogmatisch-ethischen Überlieferung, die sie, der Reihe nach, unverletzt den nächstfolgenden Generationen übermittelt. Über die Überlieferung aber selbst, auch diese, die das Verständnis des Gottes-Geschriebenen-Wortes betrifft, wacht nach dem Willen Christi Petrus – in Einheit des Bandes des Glaubens und der sittlichen Lehre mit dem Kollegium der Bischöfe. Nicht umsonst hat Christus mit der Jurisdiktionsmacht – Petrus samt dem Kollegium der ihm unterliegenden Apostel ausgestattet:

„Wie Mich der Vater – gesandt hat, so sende auch Ich euch.
Nach diesen Worten hauchte Er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! ...” (Joh 20,21f).


3) Petrus in der Deutung der Heiligen Schrift

Direkt im Anschluss an das Verständnis, d.h. die Deutung der Heiligen Schrift – es geschah aber ganz kurz vor der Himmelfahrt Christi, äußert sich der Evangelist Lukas:

„Er sagte zu ihnen: ‘Das sind Meine Worte, die Ich zu euch gesprochen habe, als Ich noch mit euch weilte: Dass nämlich alles, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über Mich geschrieben steht, erfüllt wird’.
Hierauf erschloss Er ihnen den Sinn für das Verständnis der Schriften.
Dann sagte Er zu ihnen: ‘So steht geschrieben: Der Messias muss leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen. In seinem Namen soll allen Völkern, angefangen von Jerusalem, Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden ...’ ...” (Lk 24,44-47).


4) Biblische Untersuchungen und das Magisterium

Biblische Untersuchungen pflegen üblich große Mühe und Anstrengung erfordernd zu sein. Sie setzen perfekte Kenntnis der Philologie und vieler anderer Hilfsdisziplinen voraus, um so zum ursprünglichen Sinn des biblischen Textes gelangen zu können, der selbst, der Reihe nach, nicht selten erst genauer festgesetzt zu werden braucht. Wenn die Bibelwissenschaft die gleichsam ihr gehörige Aufgabe verrichtet hat, muss sich jetzt weiter die Theologie und das Lehramt einsetzen. Das Lehramt verfügt über ein wesentlich weiteres Profil, als es die strikt philologisch-exegetischen Kriterien allein der Bibelschaftler zu liefern imstande sind. Das Lehramt der Kirche verfügt nämlich nicht nur über diese ‘Zeit’, in der das betreffende biblische Fragment entstanden ist, sondern vor allem über die Perspektive des schon vollbrachten Erlösungswerkes, das mit der Auferstehung Christi, seiner Himmelfahrt und Sendung des Geistes der Wahrheit besiegelt worden ist. Daher steht auch das ‘letzte Wort’ in Fragen des Verständnisses der betreffenden biblischen Aussage nicht allein der an sich unentbehrlichen Bibelwissenschaft, sondern aufgrund des Willens Jesu Christi – dem Magisterium der Kirche zu:

„Die Aufgabe aber, das Wort Gottes – sei es dieses Geschriebene, oder dieses Überlieferte – authentisch zu deuten, ist dem lebendigen Lehramt der Kirche allein anvertraut. Diese Autorität wird im Namen Jesu Christi ausgeübt” (DV 10b; eigene Überstzg des Konziltextes).

Es ist von vornherein sicher, dass jede Hinsicht des Glaubens, darin auch diese scheinbar ganz ‘neue’, dessen Dasein das Apostolische und Christliche Altertum nicht einmal vermutet hat, ‘irgendwie’ in der Wahrheit-Treue der Offenbarung der Heiligen Schrift enthalten ist. Diese Einzelheit wird in den biblischen Aussagen vielleicht nur in Form eines bisher kaum bemerkten, geringen ‘Ausgangspunktes’ enthalten sein, bzw. in Gestalt einer fast unsichtbaren ‘Knospe-Keimes’, die auf günstiges Klima und die ‘Wärme des Lichtes’ warten, das diesen Keim in einer von Gottes Vorsehung vorausgesehenen Zeit zum Aufblühen und zur Frucht bringt.


5) Schrift-Kanon: allein von der Überlieferung bekannt

Es besteht nur eine Einzelheit, die tatsächlich nicht in der Heiligen Schrift enthalten ist, und die der Apostolischen Kirche allein samt der sich in ihr gestaltenden Apostolischen Überlieferung und Praxis offenbart worden ist (s. DV 8g). Und zwar, ausschließlich aus der Apostolischen Überlieferung, die dann von der Lebendigen Überlieferung der Kirche aller weiteren Jahrhunderte getragen wird, erfährt die Kirche, Welche Bücher im besonderen im Rahmen der Weltliteratur vom Heiligen Geist inspiriert worden sind – und gerade deswegen das Gesamte der Biblischen Bücher bilden (DV 11a-d).
– Auch diese Hinsicht der Wahrheit der Göttlichen Offenbarung musste vom Dreieinigen offenbart werden. Das musste selbstverständlich im Apostolischen Zeitraum erfolgen, weil samt ihm die konstitutive Offenbarung Gottes zu ihrem definitiven Ende gekommen ist. Die Kirche erfährt über die Anzahl und die Qualität der Biblischen Bücher, also über den ‘Kanon der Biblischen Bücher’ – allein mittelbar, indem sie sich in ihrem Glauben und Leben nach der Apostolischen Überlieferung und Praxis richtet, die der Kirche von Generation zu Generation bis heutzutage übermittelt wird.


6) Deutung der Heiligen Schrift im selben Geist

Es bleibt noch ein Aspekt der erörterten Frage zu besprechen: Wie gelangt die Kirche zur Wahrheit der Offenbarung, die in der Heiligen Schrift enthalten ist. Und zwar das Verständnis der Heiligen Schrift, d.h. seine ganze Deutung, die selbstverständlich die philologischen und vielfältigen anderen Standard-Arbeitswerkzeuge berücksichtigten muss zum Verstehen der modernen Texte, und um so mehr Texte vom Altertum, muss dauernd, aber um so mehr auf der Stufe der Folgerungen der Glaubensschlüsse – im selben Heiligen Geist unternommen werden, in dem die Heilige Schrift einst entstanden ist.
– Das ‘Schreiben’ des Wortes Gottes hing seinem Wesen nach in absolutem Sinn von der besonderen Gnadengabe ab, die Skripturistisches Charisma genannt wird. Es ist Gabe des Heiligen Geistes – ihrer Natur nach nur zeitweilig und augenblicklich, die ausschließlich vom aktuellen Anhauch des Heiligen Geistes abhängig ist.
– Selbst aber der Heilige Geist sorgt dann auch außer Zweifel dafür, dass dem Volk Gottes offenbart wird, dass dieses konkrete Schriftwerk, und nicht ein anderes, nicht nur das Wort Gottes enthält, sondern „wahrhaft Gottes Wort – ist(vgl. DV 21b.24b):

„Die Heiligen Schriften enthalten das Wort Gottes und – weil inspiriert – sind sie wahrhaft Wort Gottes ...” (DV 24b).

Kein Wunder, dass sowohl jeder einzelne Bibelschaftler, wie auch jeder andere beliebige, der die Heilige Schrift liest und sie zu erklären sucht, wie um so mehr das Magisterium der Kirche, bei ihrer Auslegung und Kennenlernen im Gebet gleichsam den ‘umgekehrten’ Weg unternehmen müssen – im Verhältnis zur Entstehung des betreffenden Biblischen Fragmentes. Das heißt also, dass man jetzt – von der Jetztzeit fertigen Heiligen Schrift ausgehend, den Weg zu dieser Weile ablegen muss, als dieses Fragment unter dem Anhauch des Geistes der Wahrheit entstanden ist. Nicht umsonst ermahnt die Dogmatische Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils:

„Da die Heilige Schrift im selben Geist gelesen – und ausgelegt werden muss, in dem sie geschrieben wurde, ist es nötig – um den korrekten Sinn der Heiligen Texte zu ermitteln, dass mit nicht geringerer Sorgfalt der Inhalt und die Einheit der Gesamtheit der Schrift in Bedacht genommen wird – unter Berücksichtigung der lebendigen Überlieferung der ganzen Kirche und der Analogie des Glaubens(DV 12f).

Wer also Vorlesungen über die Heilige Schrift gibt, und um so mehr gilt das vom Magisterium der Kirche, müssen bei unternommenen Bemühungen zum Verständnis des betreffenden biblischen Fragmentes ununterbrochen in das Skripturistische Charisma des Biblischen Verfassers eingehen, dank dem wir jetzt eine solche, und nicht andere Formulierung des betreffenden Heiligen Textes bekommen haben (s. auch: DV 12f).

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3. Kap. IN VORBEREITUNG ZUR FÜLLE DER OFFENBARUNG DER EHE ALS SAKRAMENTES. Gott, der Du dich über die eheliche Kommunion offenbarst, bleibe im Herzen der Ehegatten und in der Familie!

Perspektive der weiteren Erwägungen

A. DER HEILIGE GEIST IN DER HINEINFÜHRUNG INS VERSTEHEN DER Wahrheit DER OFFENBARUNG
1. Ob die Ehe Sakrament ist
a. Einführende Feststellungen zur Ehe
b. Jahrhundertelange anhaltende Unsicherheit betreffs der Sakramentalität der Ehe
R6-37. Operation des Samuel im Schoß seiner Mutter - 1

2. Wege die Wahrheit der Offenbarung zu kennen lernen
a. Bräutliches Kennenlernen der Wahrheit der Offenbarung
R6-38. Die Operation von Samuel im Schoß seiner Mutter - 2
b. Offenbarung seiner Selbst und seines Vorhabens durch EINSCHREITEN und WORT
c. Auserwählte zu Vermittlern der Offenbarung
d. Jesus Christus der die Offenbarung zur Fülle geführt hat
Text: Die Pforten der Unterwelt werden Ihn: den Felsen, nicht überwältigen (Mt 16,18: korrig.Überstzg)
e. Übergang der Wahrheit der Offenbarung von Christus auf die Apostel
R6-39. Samuel nach seiner Geburt - 3
f. Übergang der Wahrheit der Offenbarung von Aposteln auf die Kirche

3. Wachstum der Wahrheit der Offenbarung der Heiligen Schrift und der Überlieferung
a. Zwei ‘Kanäle’ der sich mitteilenden Wahrheit der Offenbarung
R6-40. Die Emilia mit Geschwistern beim Essen der Milchsuppe
Anwachsen der Apostolischen Überlieferung
b. Verständnis der Wahrheit der Offenbarung vermittels des Gottes-Geschriebenen-Wortes
c. Wahrheit der Offenbarung in Äußerungen der Heiligen Schrift
1) Die Heilige Schrift – ‘allein’?
2) Der einzige Besitzer der Heiligen Schrift
3) Petrus in der Deutung der Heiligen Schrift
4) Biblische Untersuchungen und das Magisterium
5) Schrift-Kanon: allein von der Überlieferung bekannt
6) Deutung der Heiligen Schrift im selben Geist