
Die erwähnten Feststellungen kommen aus den Grundlagen selbst des Seins hervor. Daher sind sie auch unrüttelbar. Sache des Bewusstseins und des freien Willens des Menschen bleibt, dass sie offen angenommen werden und dass dem Schöpfer unserseits für die empfangenen wunderbaren Gaben seiner Liebe gegenseitige Liebe erwiesen wird.
– Dann bleibt nur noch die Aufgabe, dass wir all diese Gaben gemäß der uns eingehändigten Zuständigkeiten verwalten. Diese sind aber synthetisch in den Zehn Geboten Gottes enthalten. Ihre Annahme ist Frage der Würde des Menschen: Mann und Frau, und des Friedens, der Freude und ihrer Erfüllung mit Herzen. Gott erpresst niemals die Befolgung seiner Gebote. Er bittet dagegen dringend, dass sie liebend ins Leben einverleibt werden – zu vielfältigem Guten. Zugleich weist Er aber auch offen das tragische Finale für den Fall, sollten sie nicht beobachtet werden.
Wir bemerken, dass das Gebiet der Geschlechtlichkeit eine ganz besonders behütete Domäne darstellt, deren Verwaltung Gott dem Menschen anvertraut hat. Sie hängt irgendwie geheimnisvoll sowohl mit Liebe zusammen, wie auch der Möglichkeit, Menschen-Leben wecken zu können. Daselbst berührt das Einschreiten auf dieses Terrain von besonders nahe her die gleichsam engste Zuständigkeit Gottes als Gottes. Demzufolge geht dieses Gebiet gleichsam mehr als irgendwelche andere Bereiche der Verwaltung der Menschseins-Gabe niemals zum ‘Eigentum und Besitztum’ des Menschen über. Es ist gut, hier noch einmal die schon ein paarmal erwogene Aussage Johannes Paul II. zu wiederholen:
„... Indem Gott den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hat und ihn immerwährend im Dasein unterhält, prägt Er dem Mensch-Sein von Mann und Frau die Berufung, also die Befähigung und die Verantwortung für die Liebe und die Gemeinschaft ein. Die Liebe ist demnach die grundlegende und eingeborene Berufung jedes menschlichen Wesens” (FC 11).
Eine der hier erwähnten Gaben ist die Berufung und die Befähigung, immer andere Gemeinschaften zu gründen. Die grundlegende soziale Zelle aller weiteren Gemeinschaften ist – gemäß dem Vorhaben der Liebe Gottes – der Bund der Liebe und des Lebens, den der eheliche Bund bilden soll. Die Ehe ist an sich selbstverständlich kein zufälliges Erzeugnis des Menschen, noch Frucht der blinden Kräfte einer Entwicklung (Evolutionismus). Gott erlaubt sich nicht, dass irgendetwas, was direkt sein Lebendiges Ebenbild angesichts der Welt betrifft, seiner Schöpfer-Liebe gleichsam ‘entschlüpfen’ sollte. Diese „will doch den Menschen” immerwährend „um seiner Selbst willen” (vgl. GS 24). Daher ist auch die Ehe – gleichsam mehr als irgendetwas anderes, Werk Gottes selbst als des Schöpfers. Das wurde mit Nachdruck von Paul VI. hervorgehoben:
„Weit davon entfernt, das Produkt des Zufalls oder Ergebnis des blinden Ablaufs von Naturkräften zu sein, ist die Ehe in Wirklichkeit vom Gott dem Schöpfer zu diesem Zweck klug und vorsehentlich gegründet, dass sein Vorhaben der Liebe in den Menschen verwirklicht werden kann ...” (HV 8).
Übrigens wurde die Erschaffung der Institution der Ehe auch von Jesus selbst, dem Gott-Menschen, mit eindeutigen Worten als eines der Gottes Schöpfer-Werke dargestellt:
„Da traten Pharisäer an Ihn heran, um ihn auf die Probe zu stellen, und fragten: ‘Ist es dem Mann erlaubt, aus jedem beliebigen Grund seine Frau aus der Ehe zu entlassen?’
Er antwortete: ‘Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer am Anfang den Menschen als Mann und Frau geschaffen und gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.
Was nun Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen’ ...” (Mt 19,3-6; vgl. Mk 10,2-9).
Nicht diese Zweien allein einigen sich im Ehebund, sondern an erster Stelle wird ihr Band als Ehepaars von Gott gebunden und bestätigt. Zugleich verleiht dann Gott diesen Zweien die nötigen Ermächtigungen, dass sie ihrem Auftrag als Ehepaars und Eltern gerecht werden können.
Unter den unterschiedlichen Formen, wie die Zärtlichkeit und Liebe sich einander erwiesen werden kann, hat Gott dem Menschen eine ganz besondere zum Geschenk bereitet. Es soll eine Gabe sein, die „eigen und vorbehalten ist” (HV 8; FC 11) für Eheleute. Es ist die Möglichkeit, die eheliche geschlechtliche Vereinigung unternehmen zu dürfen. Diese Art und Weise, mit der die gegenseitige Liebe von Mann und Frau in der Ehe erwiesen werden kann und darf, unterscheidet sich konstitutiv von allen anderen Arten und Weisen der Liebe-Zeugnissen, in denen es zu keinem Einsatz der Geschlechtsorgane kommt. Alle anderen Formen legen sich auf der Linie der Bezeugung allein des Liebe-Bandes, wobei sie nicht unmittelbar an ihre Ausrichtung auf Elternschaft anknüpfen.
– Umgekehrt, reichen die Ehegatten nach dieser einen Art und Weise, mit der sie sich einander ganzheitlich hingeben können als Gabe der „Person für die Person” (BF 11), indem sie dann zum „Zwei-zu-EinemFleisch” werden, schließt dann sowohl die Struktur des Aktes, wie die mit ihr verbundene Dynamik des Aktes diese beiden in ihrer erfolgenden Vereinigung sperrenangelweit auf für die Möglichkeit, ein Menschen-Leben wecken zu können. Das aber engagiert jedesmal einen wesentlichen, unmittelbaren Eingriff Gottes selbst.
Indem also Gott seinem Selbst nach Liebe-Leben ist, hat Er auch die höchste Art und Weise, wie sich die Liebe mit dem Akt geschlechtlicher Vereinigung in der Ehe erwiesen werden kann, untrennbar mit seiner jedesmaligen Aufschließung sperrenangelweit für die Potentialität verbunden, Leben einer neuen menschlichen Person übermitteln zu können. Das erklärt zugleich, warum Gott das jedesmalige Betreten des Terrains der Geschlechtlichkeit mit besonderen Gesetzen gesichert hat. Denn hier, gleichsam mehr als in irgendeinem anderem Bereich, gilt die Zuständigkeit allein Gottes. Er ist der einzige Eigentümer und Besitzer sowohl der Liebe ist, wie des Lebens; Eigentümer selbstverständlich auch des Menschen überhaupt. Kein Wunder auch, dass die Gebote, die das Geheimnis gerade des Lebens und der Liebe betreffen, im Dekalog immer miteinander strikt verflochten sind: „Du sollst nicht töten” (das 5.Gebot), „Du sollst nicht die Ehe brechen” (das 6.Gebot).
In seiner Gottes Sorge sowohl um die Liebe, dass sie ‘Liebe sei’ [s. den Haupttitel dieser Homepage], d.h. dass es „Hingabe der Person an die Person” wird (BF 11), wie der Sorge um das Geheimnis des Lebens, hat Gott das Einschreiten auf das Terrain der Intimität bis mit zwei unter den Zehn Geboten gesichert. So wurde das 6. und 9.Gottes Gebot zur besonderen Gabe für den Menschen-den-Mann und den Menschen-die-Frau. Gott hat es so entschieden und eingerichtet zum besten Guten sowohl dieser beiden als Partner-Eheleute-Eltern, wie auch für das Kind, das infolge des unternommenen Aktes empfangen werden kann.
– Diese Gebote bestimmen daselbst die unüberschreitbaren Grenzen für die menschliche Zuständigkeit im Bereich der Geschlechtlichkeit. Daran wurde erinnert – im Anvertrauen auf das erhaltene Mandat des sichtbaren Stellvertreters Christi, Papst Paul VI. in der Enzyklika Humanae vitae tradendae:
„... Wie nämlich der Mensch ganz allgemein keine unbeschränkte Verfügungsmacht über seinen Körper hat, so auch – ganz im besonderen – hat er sie nicht über die Geschlechtskräfte als solcher, sind doch diese ihrer Natur nach auf die Weckung menschlichen Lebens angelegt, dessen Ursprung Gott ist” (HV 13).
„Will man die Aufgabe der Weitergabe des Lebens nicht menschlicher Willkür überlassen, dann muss man für die Verfügungsmacht des Menschen über den eigenen Körper und seine natürlichen Funktionen unüberschreitbare Grenzen anerkennen, die von niemandem, sei es Privatperson oder öffentliche Autorität, verletzt werden dürfen” (HV 17).
Am Hintergrund dieser Feststellungen sollte jetzt noch einmal die Frage aufgestellt werden betreffs der Unternehmung geschlechtlicher Intimität bei vor-ehelichen und außer-ehelichen Partnerschaften. Es zeugte von Feigesein, wenn die Zweien diese Frage zu übergehen suchten und so handelten, ‘als ob hier nicht besonderes stattgefunden’ hätte. Täuschte sich jemand vor, er wisse überhaupt nicht, worum es hier geht, demzufolge er den Versuch unternimmt, den Strauß zu machen, indem er nicht einmal den Gedanken, über die hier objektiv existierende Wirklichkeit nachzudenken, zulässt, ist nicht mächtig, diese Wirklichkeit von der Existenz wegzuwischen. Schlimmer, wenn solche Nicht-Zulassung der Gewissensbisse u.dgl. Zeugnis einer fortschreitenden, bewusst unterhaltenen Verstocktheit des Herzens wäre.
In dieser Lage fragen wir wiederholt – mit aller Distanz vor der Würde jeder menschlichen Person, aber zugleich mit unabtrittbarem Ernst:
Wer hat euch, Ihr Gottes Kinder, die Genehmigung gegeben, vor der eingegangenen Ehe zu verkehren?
Wer hat Euch bevollmächtigt, das Petting zu verrichten?
Wer hat Euch erlaubt, sich in eurer geschlechtlichen Intimität gegenseitig zugänglich zu machen?
Denn Gott spricht eindeutig klar: „Du sollst nicht die Ehe brechen”. Es ist Gebot von Diesem, der „der Einzige – der Gute ist” (Mt 19,17).
– Freilich es ist klar: Gott erpresst niemals vom Menschen, den Er „um seiner Selbst willen gewollt hat” (GS 24), dass Er Seine Stimme hört. An sich zeugt die Formulierung des Gebotes untrüglich davon, dass es zwar wahrhaft ein Gebot ist, zugleich aber keine Erzwingung irgendeiner Betätigung. Gott lässt außer jeden Zweifel nicht dazu, dass in seinem Gefolge irgendein Sklave gefunden werden kann, der die Gottes Weisungen voller Hass im Herzen erfüllen sollte.
– Zugleich aber verlässt Gott in seiner Gottes Demut sofort – mit untröstlichem Schmerz, den Tempel des Herzens dieses Menschen, der Ihm mit seiner Tat, die sich seinem Gesetz widersetzen sollte, ‘befehlen sollte’: ‘Weg mit Dir! Dein Gebot höre ich sowieso nicht! Ich werde Dir nicht dienen!’
Brechen diese Zweien das 6.Gebot (bzw. das 9.Gebot), eignen sie sich zum Besitztum diese Domäne an, über die sie vom Herrn nur zu Verwaltern bestellt worden sind. In solchem Fall erfüllt sich im wörtlichen Sinn die Geschichte von den bösen Winzern, die der Meister von Nazaret im Stil eines Gleichnisses kurz vor seinem Kreuzesopfer vorgetragen hat (Mt 21,33-46). Als nämlich der Besitzer zu den Winzern immer andere seine Leute geschickt hat und sie wegen seines Eigentums ermahnte – mit der Stimme und den Gewissensbissen ihrer Herzen, haben sie diese geschlagen, bzw. geradezu getötet. So konnten sie den Acker des Besitzers zum eigenen Eigentum an sich reißen:
„Hört ein anderes Gleichnis: Ein Hausherr legte einen Weinberg an ... ... Dann verpachtete er ihn an Winzer und ging außer Landes. Als die Zeit der Weinlese kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte abzuholen. Doch die Winzer ergriffen seine Knechte: den einen schlugen sie, den anderen töteten sie ...
Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen, weil er sich sagte: Vor meinem Sohn werden sie Respekt haben. Als aber die Winzer den Sohn erblickten, sagten sie zueinander: ‘Das ist der Erbe! Auf, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen’.
Sie ergriffen Ihn also, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und töteten Ihn ...” (Mt 21,33-39).
Sexpartner können sich vor der Antwort nicht drücken, die der Wahrheit des Seins würdig wird: ‘Wer hat euch ermächtigt, dieses Terrain zu beschreiten’?
– Es hilft nicht, wenn jemand sich selber und den anderen einzureden sucht, es handle sich hier um ‘Physiologie’ allein. Dass die Kirche ‘schuld ist’ wegen unnötigen ‘Lärmes’ um den Sexus. Dass die Kirche mit ihren, von sich aus ersonnenen Verboten, die Verantwortung für geistig-physiologische Probleme Millionen von Jungen Leuten trägt. Dass ‘uns auch etwas vom Leben’ zusteht. Dass ‘andere dasselbe’ tun. Dass uns das ‘Recht zusteht’, einander kennen zu lernen. Dass wir ‘im Recht sind, weil wir uns lieben ...’!
Die Kirche ist sich einerseits um die unwahrscheinliche Macht bewusst, mit der sie von Ihrem Herrn und Bräutigam-vom-Kreuz, Jesus Christus, beschenkt worden ist:
„Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein ...” (Mt 16,19).
Zu gleicher Zeit bekennt dieselbe Kirche in aller Demut, die nichts mit ‘Schwäche’ oder Unsicherheit zu tun hat, was die empfangenen Zuständigkeiten angeht – gemäß der Wahrheit des Seins, dass sie nicht mächtig ist, irgendeines der Gebote Gottes zu ändern oder zu modifizieren. Einer müsste Gott sein, um ein Gottes Gebot abzuschaffen, zu verdünnen, an die sexualisierte Gesellschaft anpassen zu dürfen, u.dgl.
– Um so weniger ist die staatliche Macht zuständig, hier irgendetwas zu beschließen. Was für eine Verantwortung ziehen auf sich die einzelnen Vertreter der staatlichen Machthaber oder anderer ziviler Einheiten, die z.B. den ‘Safe-Sex’ fördern, ‘Stuben der Intimität’ in Schulen u.dgl. einzurichten lassen, die als ‘Hilfedienst bei Behinderten’ die ‘Berührung des Körpers’ vorzunehmen möglich machten, die es genehmigten, dass ‘Hurenhäuser’ entstehen, schon ungeachtet von der Gesetzgebung, die den Schwangerschaftsabbruch genehmigt, die Produktion und Verbreitung von Verhütungsmitteln fördert, die Sterilisierung von Männern und Frauen auf administrativem Weg veranlässt, die Abortierungs-Industrie aus Geldern der öffentlichen Steuerzahler fördert, usw. usw. Es sind jedesmalig Sünden im Typus des Aufstands Satans als Satans gegen Gott. Alle auch, die ihre Stimme zur solchen Usurpation der Gottes Macht geben, alle die sie zum Gegenstand ihrer Werbung machen, in der ‘Sex-Industrie’ angestellt sind, ziehen aus diesem Titel eine schwere persönliche Schuld auf sich herab, wobei sie zugleich an ‘fremden Sünden’ schuldig bleiben (s. ob.: ‘Fremde’ Sünden).
Was sagen einmal alle diese, die solche Ermächtigungen und Gesetze verabschieden – jeder einzeln, wenn die Weile ankommt, vor Jesus Christus, dem Richter der Lebenden und der Toten sich stellen zu müssen, und sei es auch nur wegen der ‘fremden Sünden’, mit denen ihr Gewissen in Tausende, oder vielleicht Millionen belastet ist? Und doch, es kommt solche Weile ganz unausweichlich heran.
Und Du – und Ihr beide: Brautleute, also private Leute, ähnlich wie Partnerschaften oder Personen, die miteinander in homosexuellen Verhältnissen leben: Wer seid Ihr, dass Ihr euch für den Bereich geschlechtlicher Intimität usurpatorisch als Gott-über-Gott erklärt? Gott der Wahrheit der Offenbarung schafft das Gebot niemals weg: „Du sollst nicht die Ehe brechen!”. Er hat es doch im Namen und in Verteidigung der wahren Liebe erlassen. Niemand kann hier vor rechenschaftlicher Verantwortung wegfliehen – gemäß den Worten, die Johannes Paul II. zur Erinnerung gebracht hat:
„Darum gibt es in jedem Menschen nichts, was so persönlich und unübertragbar ist, wie das Verdienst aus der Tugend oder die Verantwortung für die Schuld” (RP 16).
Sollten wir uns auf Partnerschaften und Brautleute beschränken, müsste dazugesagt werden, dass ihre Verhaltensweisen durchaus nicht entschuldigt werden können mit Berufung auf die Tatsache, dass die ‘anderen auch dasselbe tun’. Auch die statistischen Daten bilden kein Konter-Argument gegen das Gebot Gottes, sollten es selbst Brautleute bei 100% sein, die vor der Ehe verkehrt haben und Jetztzeit – „als musterhafte Eheleute” gehalten werden. Auch auf diesen Einwand haben wir schon oben die Antwort des Glaubens gegeben (s. ob.: Statistik der Nicht-Befolgung der Gebote – und das Gebot selbst – Ebd. das Fragment von FC 5: Statistische Daten und der Sinn des Glaubens)
Es ist klar: Du kannst es schaffen, Gott aufständischen Herzens und mit entsprechender Verhaltungsweise ins Gesicht die Worte zu schleudern: „Ich werde Dir nicht dienen! Ich bin hier Besitzer und Herr! Du wirst mir, Gott, nicht diktieren, wie wir uns bei unserer Liebe verhalten sollen!” Gott zieht sich von Euren Herzen sofort zurück: auf Wunsch, auf Befehl. Wer so handelt, erhält in selbem Augenblick genau das, was Wunsch seiner Verhaltensweise gewesen war: er hat alle ‘Faden’ durchgeschnitten, auf denen er ‘vom Gott her’ herabgehangen hat. Jetzt bleibt er allein: ... ohne Gott.
Sollte es etwa ehrlich sein vonseiten wenn auch nur dieses Vertreters Jesu Christi, dem es gegönnt ist, hier zu Worte zu kommen, sollte er die Perspektiven verheimlicht haben, die jemand daselbst auf sich herabziehen würde? Sollte nämlich einen solchen Partner – gerade sein Abgang erreicht haben, wird es ihm, wenn er die Schwelle des Ewigen Lebens überschreitet, genau das gegeben werden, was Wunsch seines Herzens direkt vor seinem biologischen Tod gewesen war: Für-ewig-zu-sein-ohne-Gott.
– Freilich, wer sollte es ‘lieb und gern’ haben, in diesem Augenblick noch auch an Gott und die Ewigkeit zu denken! Und doch muss jedermann wohl oder übel (nolens-volens: notgedrungen) zugeben, dass solcher Augenblick wahrhaft ankommen kann „... zu einer Stunde, da ihr es nicht vermutet ...” (Mt 24,44), wie der Besitzer des Weinberges warnt, dessen Eigentum u.a. gerade diese Zweien eingeräumt haben; freilich ... nur zeitweilig.
Bei allem Durcheinander infolge der Begehrlichkeit des Leibes, die weder auf die eigene Person achtet, noch auf die dieses anderen, angeblich Geliebten, indem sie sich des eigenen Sexus, wie dieses des anderen zu ‘bemächtigen’ suchte, – die beiden Sündigenden wissen besten Bescheid darüber: Wer hier dieser ist, der ihnen beiden die ‘Ermächtigung verleiht’, dass sie das nicht eigene Terrain für sich zu Eigen machen können? Man braucht nicht bangen, den Bösen offen seinem Namen nach zu nennen. Er verschenkt reichlich ‘Bevollmächtigungen’ zum Einschreiten in nicht eigene Bereiche. Er ist es, der jenen Zweien ‘erlaubt’, dass sie auf das Terrain der Intimität einbrechen. Es ist niemals Gott, sondern er: Satan. Es ist dieser: der Gegner der ... Liebe, Gegner und Feind auch des Lebens!
Einerseits offenbart er sich als reichlicher Ausspender dessen, worüber er kein Eigentümer ist. Gelingt es ihm aber, den betrogenen Menschen: das Lebendige Gottes Ebenbild, zur Niedertretung des Gottes Gebotes zu bringen und zieht er ihn in den Aufstand, d.h. die Sünde hinein, verachtet er ihn sofort und wendet sich von ihm voller Ekel und Abscheu ab: er, der gefallene Geist. Denn alles, was ‘Körper’ ist, ist im Vergleich zu ihm – der rein geistigen Natur, Abscheulichkeit und Ekel. Mit was für einem Widerwillen kehrt sich gerade er – Satan, ganz besonders von denen ab, die sich aufgrund seiner Überredung zur Homosexualität und lesbischen Praktiken verlocken ließen!
Bemerkst Du in dieser Lage, d.h. willst Du es erblicken, wer für Dich, oder eher: für Euch beide – ‘dieser Erste’, wichtigste ist in der Rangordnung der letztlichen Werte? Es geht darum, welche unter den angesprochenen Personen für Dich – für Euch beide, diese Erste ist?
Man soll sich von einer redlichen Antwort nicht ducken. Ist die ‘Hingabe’ ihrer Selbst an ihren Jungen – für das Mädchen wichtiger als Christus im Gottes Gebot: „Mein Kind, ich bitte Dich sehr: Du sollst nicht die Ehe brechen !”, sollte sie im grellen Licht, mit Genauigkeit bis zum ‘Millimeter’ die Replika dessen bemerken, was bei dem Fall der Ur-Eltern im Paradies geworden ist. Dasselbe betrifft selbstverständlich den Jungen: den ‘Boy-friend’. Diese Zweien haben in gewisser Weile aufgehört, das Antlitz des Herrn, Gottes der Wahrheit, anzuschauen. Sie haben sich selber an Gottes Stelle gesetzt. Das geschah in verknechteter, blinder ‘Nachfolgerschaft’ nach der Stimme „des großen Drachen, der alten Schlange, genannt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt ...” (vgl. Offb 12,9). Auf ihn, Satan – haben sie gehorcht; um nur nicht auf ... Gott zu hören. Sie sind ihm gehorsam, Schritt für Schritt, gefolgt. Wie willenlose ‘Schäflein ... ins Schlachthaus’. In trügerischer – kurzfristiger Überzeugung, sie wären frei geworden. Sie haben die Freiheit ... „von Gott” (vgl. VSp 64.96), und von Gottes Geboten erlangt!
Für Adam wurde in diesem Augenblick die Ewa die wichtigere. Sie hat mit sich die Bitte Gottes verschleiert – die Anordnung voller Förderung und Gottes Hoffnung, dass die Frucht von diesem ‘Baum’ nicht gegessen wird (vgl. Gen 2,17).
Umgekehrt, für Ewa ist wichtiger als der Herr – die Schlange geworden. Sie hat den Dialog mit ihm gebunden – anstelle mit Gott zu sprechen, und erst so mit ihrem Mann. Der Erlöser des Menschen, Jesus Christus, wird einst die maßgebende Rangfolge von Personen aufzeigen, die es in kritischer Situation anzuwenden gilt:
„Wer Vater oder Mutter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht wert.
Und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht wert.
Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt und Mir nicht nachfolgt, ist Meiner nicht wert.
Wer sein Leben gewinnt, wird es verlieren; und wer sein Leben um Meinetwillen verliert, wird es gewinnen” (Mt 10,37ff).
Diese Worte betreffen ohne irgendwelche Modifikation die jedesmalige Lage von Braut- und Ehepaaren. Ist für den Ehemann, oder den Jungen wichtiger seine Liebste oder selbst seine Ehefrau, und er hört auf ihre Drängelei, dass die Sünde begangen wird, stellt er auf den ersten, grundsätzlichen Platz in seinem Leben nicht Gott und nicht Jesus Christus, sondern dieses Mädchen, bzw. jetzt schon seine Ehefrau.
Ähnliches gilt umgekehrt – für das Mädchen, bzw. schon die Ehefrau. Bedeutet für sie Wichtigeres, dass sie ihren Buben, ihren Boy-friend befriedigt, oder selbst ihren Ehemann – um den Preis der Zustimmung auf Sünde im Bereich der Sexualität, stellt sie auf den ersten Platz die Alte Schlange: Teufel und Satan. Ihm ist sie zutraulich gehorsam: als seine Sklavin. Das geschieht aber um den Preis, dass vom eigenen Herzen Jesus Christus ausgewiesen wird. Es verliert dann: sie, es verliert der Ehemann bzw. der Junge, voller Schmerz geht dann weg – Gott bewahre: auf definitive Art und Weise, der Erlöser des Menschen. Auf dem Schutterhaufen bleibt mit verachtungsvollem Triumph zum Menschen, der sich auf ‘Sex-Leib-fangen-ließ’ ... die Alte Schlange, der Verführer-Mörder.
Es kann sein, dass wenn jemand die hiesigen Aufzeichnungen nachschlägt, er sie voller Empörung wegwirft. Denn das alles ist nicht modern, nicht fortschrittlich, ‘klerikalisch’, widersetzt sich der Psychologie des Sexus ...
– Was soll dazu der Priester sagen? Sollte er zurückweichen, und ... Jesus Christus verraten? Dabei zugleich auch gerade diese Jungen Leute verraten, denen er eine Hand voll Argumente unterschieben wollte, dass sie darüber schöpferisch nachdenken können?
Was aber geschieht, falls auf einmal wirklich die letzte Weile angekommen ist? Welche von diesen ‘Gedankengängen’ zeigen sich dann die mehr treffenden?
Sollte es nicht etwa wesentlich besser sein, dass man sich von vornherein Ruhe gibt mit allem Einreden sich selber und den anderen gegenüber, dass ‘mir das Recht zusteht so zu lieben, wie es mir und uns beiden gerade gefällt’, und möge es auch auf total raffinierte Art und Weise erreicht worden sein? Wer es will, sieht klar: Niemand verfügt über ein solches ‘Anrecht’. Diejenigen, die ‘Sexus’ treiben, handeln wie Diebe. Das erfolgt doch auf einem Terrrain, das nicht ihr Eigentum ist.
– Versuchte jemand die hier aufgeführten Feststellungen nicht anzunehmen, zeugte es nur gegen ihn. Nicht die Liebe, sondern die Begehrlichkeit des Fleisches würde diesen Menschen treiben. Derart, dass er alles logische Denken von vornherein zurückweist. Die Begehrlichkeit aber würde seine direkt, und sollte es auch nur mittelbar formulierte eigentliche Haltung aufdecken: „Weg mit Dir, Du Gott! Wir wissen Bescheid, was wir tun! Dein Gebot – hören wir sowieso nicht!” (vgl. ob.,: Gott hören wir nicht!).
Solltest Du Dich, Du Werter Leser, etwa zu einem nicht voll reinen Gewissen angesichts des Erlösers und seiner Unbefleckten Mutter fühlen, mögest Du die innige Ermutigung annehmen: Fürchte Dich nicht den Heiligen Geist um die Gabe des reumütigen Herzens zu bitten. Wende Dich an Gottes Barmherzigkeit um Verzeihung der Schulden und Strafen, die Du selbst mit sündiger Tat auf Dich herabgezogen hast. Halte eine wirklich gute, aufrichtige Heilige Beichte. Habe lieb – mit Leib und Herz, dieses einigermaßen etwas schwierige 6., und auch 9.Gebot. Möge das Verharren im Guten noch so viel kosten. Reiße definitiv nieder die Umstände, die zum Fall führen. Bitte die Unbefleckte und Deinen Lieben Schutzengel, wie auch den Schutzengel dieses anderen, mit dem ihr zusammen gesündigt habt, dass ihr entschlossene Vorsätze unternimmt und sie tatsächlich ins Leben umsetzt.
Gesegnet sei Gottes Barmherzigkeit, die dem Menschen in Sünde die Gabe des Lebens hier auf Erden meistens nicht unverzüglich nimmt. Gott wartet grundsätzlich sehr geduldig ... und lange: Er wartet, wartet, und wartet um die Reumut des Herzens und die Bitte um Verzeihung der Sünden ...!

3. Was also mit Intimität vor der Ehe |
Brautleute, die nicht Spielerei des verknechtenden Instinkts werden wollen und sich nicht davon entziehen, sich selber eine innere Disziplin zur Bewahrung der Würde ihrer Liebe zu auferlegen, drücken sich auch vor der Konfrontation ihrer Lage im Licht tieferer Gründe nicht. Man kann leicht verstehen, dass falls die Ausübung der Intimität schon zu fixierter ‘Gewohnheit’ geworden ist, verzweifelte Bemühungen unternommen werden, um eine solche Auseinandersetzung nicht zuzulassen.
– Und doch, es ist von vornherein ganz unwahrscheinlich, dass die Unternehmung von Betätigungen „ohne Gott, wenn nicht geradeaus Gott zum Trotz” (vgl. RP 14), zum Faktor werden könnte, der diese Zweien ‘zueinander nahe bringen imstande wäre’, sollten wir hier Worte anwenden aus der früher angeführten Reihe der Bekenntnisse vom Briefwechsel mit Sofie-Georg: „Warum sollte man sich völlig isolieren, wenn das sehr nahe bringt ...?” (Brief 2; s. ob.: ‘Das bringt sehr nahe’). Die Werten Leser mögen entschuldigen, dass es in dieser Thematik schwer ist, nicht Gott zu erwähnen. Er kann doch unmöglich nicht da sein! Dann aber, Er kann vor allem unmöglich nicht – Liebe sein: gerade dann, wenn Er u.a. dieses, ein wenig schwieriges 6. und 9. Gebot anbietet.
Den trügerischen Erwartungen zuwider, ist der voreheliche Verkehr außerstande diese beiden in ein wahres „Eins-in-Liebe” zusammenzufügen. Diese Zweien können es vortrefflich verspüren, sollten sie auch die Gewissensstimme zum Stillschweigen genötigt haben. Es bindet sie die Gemeinschaft der begangenen Sünde: Aneignung des genitalen Terrains zum selbstsüchtigen Gebrauch. Es ist also der Definition selbst nach geradeaus die Gegen-Liebe. Die Liebe, die dieses Namens würdig ist, wünscht Gutes ‘ohne Grenzen’, d.h. letztlich ... den Himmel. Die Sünde der Nicht-Liebe kann sich außerstande in eine auf Vereinigung ausgerichtete Wirklichkeit umgestalten. Diese Vereinigung betrifft letztlich nicht vor allem ihre Leiber, sondern ihre Personen. Beide sind sich in dieser Lage bewusst, dass sie einander auf das Gewissen nehmen, d.h. dass sie gegenseitig die Verantwortung füreinander auf sich nehmen. Es soll Verantwortung für die Liebe sein. Diese aber, soll sie wahr sein, muss sie auf das ewige – Leben ausrichten, nicht aber in die umgekehrte Richtung.
Im Gegenteil, wenn diese Zweien ihre Brautzeit gemäß den Gottes Erwartungen erleben, so dass sie geduldig warten, bis selbst der Herr sie auf das Terrain ihrer Intimität einführt, wird Lohn um des Verharrens wegen bei Christus der Frieden und die Freude des davongetragenen Sieges sein. Das Ringen der unternommenen Arbeit an sich selber bringt Frucht. Im Maß, wie sich diese beiden für die Betätigung der Gnade Christi und die Führung durch den Heiligen Geist aufschließen, empfangen sie von Weile zu Weile die Kraft, um in Reinheit voller Überzeugung zu verharren.
– Zu ihrem anderer Namen wird die beschleunigte Entwicklung der gelebten Brautliebe. Es wird Liebe sein, die in Gott selbst eingewurzelt ist. Gott aber lässt sie immer tiefer am Geheimnis seiner Selbst als Liebe und Leben Anteil haben. Die Zeit des Braut-Seins wird dann Zeit der Erwartung mit großer Zuversicht auf die Schätze, die ihnen vom Dreieinigen selbst verheißen worden sind für die Weilen, wenn sie füreinander zum Sakrament der Ehe werden werden. Die Brautzeit gestaltet sich in eine Zeit um und in eine Gabe der dauernd abgelegten Prüfung-für-die-Liebe, deren Augen dauernd die „Mutter der Schönen Liebe” betrachten (Sir 24,17 – Vg). Zu Ihrem Muster werden die Verhaltensweisen von Maria und Josef als Brautpaars, und dann als Ehepaars in der Heiligen Familie (s. BF 20).
Die Beiden scheuen keine Mühe, um nicht das Bewusstsein los zu werden, dass „der Bräutigam mit euch ist” (Mt 9,15; BF 18.22), wie es von sich selber der Erlöser des Menschen, Jesus Christus, gesagt hat. Die so gelebte Liebe offenbart sich nicht in Form des ‘Nehmens’, sondern immer mehr in der reifen ‘Hin-Gabe seiner Selbst als Person’. Sie strebt unfehlbar das Gute an – selbstverständlich dieses irdische Wohl, aber um so mehr dieses letztliche: sein eigenes, wie auch dieses des anderen.
Vielleicht fragt jemand: Warum hat Gott diesen übermächtigen Geschlechtsdrang geschaffen, demzufolge Junge Leute – und nicht nur, zueinander finden, und der sich gerade im Jungendalter ganz deutlich und wuchtig meldet. Es ist übrigens die Zeit, die sowieso mit vielfältigem anderem Ringen gekennzeichnet ist, das nicht nur für den Jungen Menschen mit Schwierigkeiten einhergeht, sondern in seiner Umgebung so manche Probleme auszulösen pflegt. Finden sich Junge Leute auf der Stufe, wenn sie ‘miteinander gehen’, scheint es ihnen als von allein verständliche Sache, dass sie sich ihr entfaltendes Band nicht nur mit Einheit ihrer Herzen beweisen möchten, sondern auch mit spontan aufkommenden Erweisen von Zärtlichkeit – bis einschließlich zur Vereinigung im Körper. Ist etwa nicht Gott selbst ‘schuld’ aller menschlicher ‘Not’ in diesem Bereich? Ist es Gottes Wille, dass sich Junge Leute zur Ehe vorbereiten und aufeinander treffen, konnte Er ihre Leidenschaften abschwächen. Es hat nämlich den Anschein, sie überragen sie mit ihrer Wucht. Kein Wunder, wenn sie trotz aufrichtigen Vorsätzen letztlich unter der Versuchung leicht erliegen und hinfallen – dem gut von ihnen kennen gelerntem 6.Gebot zuwider! Mit was für innerlich empfundener Bitterkeit bekennt Frau Sofie aus den früher angeführten Brief-Fragmenten aus ihrer Brautzeit:
„... Herr Pater, es ist uns beiden schwer. Nicht nur dem Georg, sondern mir auch. Ich sehe dazu, dass ich ein kleiner Mensch bin, indem meine Schwächen stärker sind als ich ...” (Brief 2. – S. ob.: Warum sich isolieren, wenn das sehr nahe bringt?).
Diese Beiden würden wohl nicht so viel Mut haben, das so krass zu formulieren, was sich vielleicht auch ihnen aufgeschoben hat – in Form gleichsam einer Wehklage Gott gegenüber für die ‘Not’, die es ihnen in diesem Bereich zu erleben gegeben war.
Solche Gedanken dürfen selbstverständlich nicht zugelassen werden. Sollte Gott diese beiden mit gegenseitiger geschlechtlicher Anziehungskraft unter dem Blickpunkt der Ehe erst nach der geschlossenen Ehe beschenken? In solchem Fall würde an die Knüpfung irgendeines Gefühlsbandes miteinander niemand denken! Solche Lösung würde Gottes Weisheit nicht entsprechen. Die gegenseitige Anziehung der Geschlechter im Rahmen personaler Würde und ihrer unterschiedlichen Berufung, wie sie „sich aus der eigenartigen Verschiedenheit und personalen ‘Originalität’ von Mann und Frau ergeben” (MuD 10), wie auch aus ihrer gegenseitigen Komplementarität, bei Bewahrung ihrer völligen Gleichheit ihrer personalen Würde – ist Gottes Gabe und gehört zur grundlegenden Ausstattung der menschlichen Person. Gott bewirkt auch, dass das Bewusstsein um die eigene geschlechtliche Unterschiedlichkeit, samt der Möglichkeit, dass ein Band mit der Person des gegenteiligen Geschlechts gebunden werden könnte, sich erst allmählich ausgestaltet – parallel zur psychophysischen Entwicklung des Menschen.
Gerade darin zeigt sich Gottes Weisheit als des Schöpfers – und Vaters. Es wird auch ersichtlich, wie sehr das alles von einer mechanistisch begriffenen Entwicklungslehre (Evolutionismus) unabhängig ist. Es ist schwer auf andere Art und Weise die Stufen des geistigen Wachstums des Menschen zu verstehen, zumal dieser Anfangsstufen, wann das Bewusstsein um die eigene geschlechtliche Zugehörigkeit ein latentes Leben führt. Erst im Maß der biologischen und geistigen Heranreifung entdeckt der Mensch allmählich und wird sich um die geschlechtliche Unterschiedlichkeit der Menschen bewusst. Ein Knabe und ein Mädchen schauen sich einander zuerst von der Distanz an, und legen sich in niedrigeren Schulklassen eher in gesonderte Gruppen von Buben und Mädchen. Sie spielen gesondert, und beobachten sich mit steigendem Interesse. In weiteren Klassen der Grundschule, und um so mehr in Lizealklassen bilden sich allmählich Kameradschaften und Freundschaften aus. Es erscheinen allmählich tiefere Bande – bis zu diesen der Brautzeit, und dann Ehezeit. Die Liebende Allmacht Gottes hat alles mit wunderbarer Weisheit dosiert: „Aber alles hast Du geordnet nach Maß, Zahl und Gewicht” (Weish 11,20).
Auf diesem Hintergrund kann man zugleich begreifen, wie destruktiv sich die programmierte Entfachung der Sexualität mit unverantwortlichen Programmen der ‘Sex-Erziehung’ erweisen kann, samt der sie begleitenden massiven Flut der Massenmedien auf Erziehungsstufen, wenn die geistige Reifung des erst heranwachsenden Kindes auf diesem Gebiet ein noch latentes Leben führt. Wie tief und schwer zu heilen pflegen die psychischen Traumen zu sein, die mit brutalem Niederreißen der Schamempfindlichkeit hervorgerufen werden, die Gott in Form einer Schutzbarriere für den Bereich der Geschlechtlichkeit ins Gewissen jedes Menschen eingeprägt hat! Wie leicht kann man innere Unruhe und Schuldgefühl hervorrufen, bisweilen geradeaus eine seelische Erschütterung herbeiführen, wenn das Kind unerwartet auf ihm aufgedrängte Pornobilder, oder geradezu Nacktheit, auch direkte Nacktheit des entgegengesetztem Geschlechtes, ausgesetzt wird. Wie viel Gegen-Verantwortung, von der sich die betreffenden ‘Verantwortlichen’ nicht entschuldigen werden können, steckt in Programmen, die die Kinder angeblich vor sexueller Perversion ‘schützen’ sollten, indes sie leiten in der Praxis nur in homosexuelle und lesbische Betätigungen ein. Anderseits gilt das für Programme, die allein darauf berechnet sind, die Betreffenden vor der Sichtbarkeit der Schwangerschaft zu schützen, indem ihnen Mittel zur frühen Tötung der Empfangenen eingehändigt wird, anstatt ihnen bei der Erarbeitung der Haltung der Reinheit und Ehre zu sich selbst und den Personen des anderen Geschlechte behilflich zu sein.
Es ist dann schwer sich vor den auf die Lippen kommenden Christi Worten: „Wehe ...” zu wehren, dieses Mal mit Bezug auf diese, die anstatt dem heranwachsenden jungen Menschen behilflich zu sein bei seinem allmählichen Heranwachsen zur Liebe, die gelebt werden soll als „Heranführung der Person dahin, dass sie sich selbst in Liebe hingibt” (vgl. FC 37), also sich selbst und den anderen Menschen als Person erblickt, und nicht als ‘Ding-zum-Benutzen’ zum eigenen Vergnügen, nur über die Kunst belehren, wie der ‘sichere Sexus’ verrichtet werden soll, also wie es zu sündigen gilt, dass dabei kein Kind zum Vorschein kommt. Das geschieht vielerorts so, dass in immer weiteren Ländern unter kaum von der Kindzeit herauswachsenden Mädchen Abortivmittel ... verteilt werden. Die Erziehung in Richtung ‘Liebe’, manchmal als ‘Heranbildung zum Leben in Familie’ bezeichnet o.dgl., wird letztlich Belehrung dahin, wie ein kaltblütig geplanter Mord am weiteren vorsätzlich umgebrachten Empfangenen falls ‘lustig’ betriebenen Sexus-Spielens, wirksam verrichtet werden kann ...
Wie äußerst starke Worte gebraucht im Anschluss an solche Depravation der Jungen Generation der Erlöser des Menschen, Jesus Christus! Diejenigen, die die erwähnten Erziehungs-Programme ins Leben einführen, berufen sich auf die sie verpflichtenden staatlichen Normen, die auf höheren Stufen der programmierten Edukation bestimmt werden. Indessen dort, wo es um Sünde geht – in diesem Fall um die in Majestät des ‘Gesetzes’ unverantwortlich konstruierter ‘Sex-Erziehungs-Programme’ verwirklichter Einleitung zur Übertretung des Gottes Gesetzes in solcher Art und Weise, dass das Empfangene Menschen-Leben nicht offenbar wird, ist es des Menschen Pflicht – ähnlich wie bei Erpressung der Abortion bzw. Euthanasie, den „Widerspruch des Gewissens” offen zu erklären (vgl. EV 89). Der Erlöser des Menschen, Jesus Christus, der lauter Barmherzigkeit ist, wendet ungemein drastische Worte angesichts derjenigen an, die Kindern, die beinahe wehrlos auf negative Einflüsse der Umgebung ausgesetzt sind, Arten und Weisen beibringen, wie man sündigen soll und wie es gilt, Gott und Gottes Gebote mit Füßen zu zertreten:
„Wer aber einem von diesen Kleinen, die an Mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.
– Wehe der Welt wegen der Verführungen! Es müssen zwar Verführungen kommen; doch wehe dem Menschen, durch den die Verführung kommt ...!” (Mt 18,6f).
Solches Finale: eines besonders strengen Gerichts Gottes, bereiten sich alle vor, die üblich mit ungemeinem Über-Eifer, mit Hilfe con Erpressung und gegen die prioritären Erziehungsrechte der Eltern gerade im besprochenen Gebiet, die Kinder und Jugendlichen in ihren frühen Entwicklungsstadien in sexuelle Praktiken, wie auch zur Anwendung des „sicheren Sexus” (s. BF 13) einführen. In solcher Erziehungssicht soll die Geschlechtlichkeit einzig zum Rohstoff einer maximal angeschnittenen Exploatation der sexuellen Möglichkeiten der Partner dienen – bei völliger Losreißung vom geistigen Ausmaß des Menschen als Person und aller Verantwortung für sich, für diesen anderen, und um so mehr für das Kind, das dann zutage kommen kann.
Es wird die grundlegende Beobachtung bestätigt: die Gaben Gottes sind voller Schöpfer-Liebe. Allerdings je schöner diese Gaben sind, desto sind sie mehr zerbrechlich, und dabei anspruchsvoll. Erst um den Preis des Ringens mit sich selbst, um so den Sieg davonzutragen, strahlen sie Freude im „Heiligen Geist” (Gal 5,16).
Für zwei Leute, die sich lieben und die Ehe mit Herzen anstreben, das für die Stimme Gottes empfindsam ist, ist es nicht so schwer, dass sie – gleich am Anfang ihres mit Gefühl einhergehenden Engagement, sich eindeutig sagen: „Intime Kuscheleien und Verkehr behalten wir für die Ehe vor!”
– Wie viel Gutes ist geworden, sei es auch nur dank der in diesem Bereich in den USA entstandenen Bewegung: „Wahre Liebe Wartet” (s. schon ob.: Die wahre Liebe wartet ... – samt der weiteren Folge dieses Fragments)! Möge jedes Paar Junger Leute den Glauben fassen, dass es solche Entscheidung ins Leben umzusetzen gar nicht schwer ist. Es ziemt sich, Gott immer zu hören, besonders aber in Zeiten eines werdenden Umbruchs, u.a. bei einer Freundschaft, die immer mehr zur Brautliebe wird. Von der Treue beim Hören des Wortes Gottes und seiner Erfüllung in der Frühe selbst einer neu entstandenen Situation hängt wesentlich das Geschick des betreffenden Menschen ab, der Gemeinschaft, manchmal selbst ganzer Gesellschaften.
Sollten diese beiden die Stimme Gottes letztlich nicht gehört haben und sind sie dahin gekommen, dass sie sich einander in ihrer geschlechtlichen Intimität zugänglich gemacht haben, mögen sie nicht denken, jetzt wäre alles sowieso schon verloren. Daher wäre es ‘jetzt fehl am Platz’, wollte man sich davon zurückziehen. Es bedeutete, dass die ‘eigene Ehre’ daselbst unreparierbar beeinträchtigt wäre.
In Wahrnahme um die eigene Schuld und das steigernde Bewusstsein, dass sie beiden entschieden zu weit vorangekommen sind, möchten letztlich so manche Jungen Leute die sich um sie einengende Schlinge der Sünde gern durchschneiden. Sie finden sich deutlich umzingelt und verknechtet. Sie sehen immer deutlicher, dass das, was sie tun, alles andere ist, nicht aber ‘Liebe’. In solcher Lage neigen sie oft immer mehr dahin, dass sie sich von weiterer Unternehmung aller Intimität zurückziehen. Nach vielen Niederlagen reift in ihrem Gewissen der Schluss heran, dass es auf der zeitweiligen Stufe wirklich ‘nicht dieser Weg’ ist.
Von der Umgestaltung dieses vorläufig nur Nachdenkens – in tatsächliche Entscheidung und ihre Umsetzung ins Leben werden sie aber von der falschen Mutmaßung verhindert: „Was wird jetzt Er – was wird jetzt Sie von mir denken? Sie nimmt mich für einen ‘Weichling’! Sie sagt, ich habe mich vor dem Geistlichen, vor der Hölle erschrocken ...!”
Von der Distanz aus kann vortrefflich bemerkt werden, wie mächtig hier der Böse zu handeln beginnt. Lässt nämlich der Junge Mensch ‘Gewissensbisse’ zum Bewusstsein zu, ist das ein untrügliches Zeichen der aktiven Gottes Gnade. Diese Tatsache zeugt davon, dass Jesus Christus dem Sünder entgegengeht und immer intensiver an sein Herz anpocht. Er hört hin – in Erwartung auf seine Antwort. Der Erlöser wünscht nichts so sehr, als eben Erlöser des ... sündigenden Menschen zu sein, wenn nur dieser Ihm – sein Erlöser zu sein ‘erlaubt’. Wie viel nicht trügende Zuversicht steckt hinter den Worten Johannes Paul II.:
„... Aber das Urteil des Gewissens bleibt im Menschen auch als Unterpfand der Hoffnung und der Barmherzigkeit: Während es bestätigt, dass er das Übel begangen hat, erinnert es zugleich daran, er solle um Verzeihung bitten, das Gute tun und unaufhörlich mit Gottes Gnade die Tugend üben” (VSp 61).
Unter diesen Umständen tritt aber der Böse mit einem um so mehr verschärftem Gegen-Angriff an. Es ist tatsächlich wahr:
„... Satan benützt das Werk der Schöpfung von Anfang an gegen die Erlösung, gegen den Bund und die Vereinigung des Menschen mit Gott ...” (DeV 27)
Er verspürt es, dass die immer mehr weh tuende Gewissensbisse bei diesen Jungen Leuten, die es ihm gelungen ist zum offenen Widerspruch gegen das Gottes Gebot zu versuchen, zur Entscheidung führen können, dass sie zum Tribunal der Barmherzigkeit herantreten: zum Sakrament der Heiligen Beichte. So verstärkt er seine Bemühungen, um ihre Versöhnung mit Gott um keinen Preis Zuzulassen.
‘Frucht’ seiner Druckwirkung werden immer andere, diesen beiden aufgedrängte Gedanken:
Er ist es, Satan, der den Gedanken betreffs der ‘Ehre’ unterschiebt, die angeblich wegen des Rückzugs von der Sünde eine unverzeihbare ‘Beeinträchtigung’ erfahren würde.
Er ist es, der Jungen Leuten einredet, die Beichte könnte noch für lange ruhigstens verschoben werden.
Er schiebt vor, dass sie ‘solange die Zeit es noch erlaubt’, sich noch ‘ein wenig’ an Betreibung des Sexus freuen sollten, um erst nachher, wenn es sich ‘mehr ansammelt’, Gott um Verzeihung einer bedeutenderen Sündenanzahl ‘pauschal’ zu bitten.
Er ist es, Satan, der heißt, sich nicht allzu oft beim Beichtstuhl sehen zu lassen, dass die Leute den Menschen nicht als ‘Skrupulösen’ bewerten, oder jemanden, der im ‘Priester’ verliebt ist.
Er ist es aber auch, der die Verzweiflung und Verzagtheit auf Gottes Barmherzigkeit wegen der angesammelten Anzahl und des Unmaßes der begangenen Sünden unterschiebt, für die es – seines Urteils nach – schon keine Vergebung gibt! Sie sind mittlerweile zu groß geworden! Zumal bei vielmalig, mit vollem Bewusstsein wiederholten ‘Blut-Sünden’, wenn diese Zweien systematisch Abortivmittel angewandt haben, so dass von unter ihrem Sexus nur der „laute Schrei unschuldigen, vergossenen Blutes” (vgl. Gen 4,10) ihrer getöteten Empfangenen Kinder, von Monat zu Monat, schon für lange Zeit hindurch, erschallt. Diese Sünden sind schon zu groß und zu zahlreich, und vor allem: sie können nicht mehr wieder gut gemacht werden. Daher hat es keinen Sinn sich zu Gott begeben, indem sie doch Gott sowieso nicht verzeiht ...
Solche Gedanken, die ihren Eingang ins Herz aufzudrängen suchen, sind offensichtlich nur Versuchung vonseiten des Bösen. Satan hat seine Taktik nicht geändert, die er nicht selten sehr ‘wirksam’ immer wieder anwendet, angefangen von der Verführung der Ur-Eltern im Paradies. Er wird diese Taktik auch niemals ändern. Zuerst verführt er mit Trugbildern der Angenehmlichkeit und Lust. Gelingt es ihm, den Menschen auf die so ausgeworfenen Häkchen zu fangen, enthüllt er sein wahres Gesicht – und wird Mörder – Mörder des ewigen Lebens: „Er war ein Menschenmörder von Anbeginn. Er steht nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist” (Joh 8,44). Der Hl. Petrus, der erste Stellvertreter Jesu Christi, hat besten Bescheid darüber gewusst, was er schrieb, indem er vor Satan warnte als dem „brüllenden Löwen, der umhergeht und sucht, wen er verschlingen kann” (1 Petr 5,8).
Gott der Wahrheit der Offenbarung ist ganz anders. Es gibt keine Sünde, die irgendwie ‘größer’ wäre als die Möglichkeiten Gottes Barmherzigkeit: als der Wille Gottes, die Verzeihung zu gewähren. Eine Blockade für Gottes Barmherzigkeit, so dass diese die Seele nicht erreichen kann, stellt immer nur selbst der Mensch auf, wenn er nämlich die Barmherzigkeit Gottes nicht annehmen will, bzw. er nimmt die Vorbedingungen nicht an, um Gottes Verzeihung zu erlangen, angefangen von der Entscheidung: Nicht mehr zu sündigen. Darüber wurde schon in den früheren Teilen unserer WEB-Site genügend gesprochen (s. ob.: In neue Beschenkung mit Liebe umgestaltete Sünde – § E i F; und: Gebenedeites Tribunal: Das Sakrament Gottes Barmherzigkeit – das ganze Kapitel; Verzweiflung der Verdammnis oder Gabe der Erlösung? – das ganze Kapitel; Gottes Liebende Barmherzigkeit – dieser ganze, 5.Teil – in 8 Kapiteln; s. außerdem: DiM 13). Die Rückkehr zu Gott demütigt niemals. Dagegen selbst der Mensch, der Sünder, kann nur emporwachsen, sooft er es Gottes Barmherzigkeit, die unendlich ist und unausschöpflich, ‘erlaubt’, dass sie in ihm den Sieg gerade der Barmherzigkeit Gottes davontragen lässt. Diese Barmherzigkeit ist auch immer „mächtiger als die Sünde” (DiM 8.13), ähnlich wie Gottes Liebe „mächtiger ist als der Tod” (DiM 8). Dessen Beweis wird die Freude wegen des wieder gewonnenen Lebens der Gnade, die Freude infolge der von neuem geschenkten Freiheit. Diese Freude teilt sich unwillkürlich auch diesem anderen des Brautpaars mit, dann aber überhaupt der ganzen Umgebung.
Fügt also der Verkehr letztlich in ein Eins zusammen? – Wer es will, versteht es auch. Bei dem Verkehr in der Zeit vor der Ehe betrifft die Annäherung den Körper-zu-Körper, nicht aber den Geist. Trotzdem es, um das zu verstehen, einer tieferen Überlegung und Ehrlichkeit im Denken bedarf. Es fehlt hier die Vereinigung im Sinn der selbstlosen Hingabe einander der eigenen Personen – mit dem gegenseitigen Sehen einander in eigener Würde und Berufung zum ewigen Leben. Sollte dieser Faktor fehlen, kann die Tat nicht als ‘gut’ geschätzt werden. Erinnerungshalber dürften hier noch einmal betreffende Worte Johannes Paul II. wiederholt werden:
„Nur eine Handlung, die dem Guten entspricht, kann Weg zum Leben sein [Anknüpfung an Jesu Worte: Mt 19,17].
... Das Handeln ist moralisch Gut, wenn es die freiwillige Unterordnung der Person unter ihr Letztliches Ziel bestätigt und zum Ausdruck bringt, wie auch die Übereinstimmung der konkreten Handlung mit dem Gut des Menschen, das von der Vernunft in seiner Wahrheit erkannt worden ist.
Wenn dieser Gegenstand der Handlung mit dem wahren Gut der Person nicht in Einklang steht, macht die Wahl dieser Handlung, dass unser Wille und wir selbst moralisch schlecht werden, das heißt, dass wir uns unserem letztlichen Ziel und dem höchsten Gut – also Gott selbst – widersetzen” (VSp 72).
„... Aber diese Hinordnung auf das letztliche Ziel bedeutet nicht, es gehe um das subjektive Ausmaß, das ausschließlich von der Absicht abhängt. Sie setzt voraus, dass selbst diese Handlungen an sich auf dieses Ziel hingeordnet werden können dank ihrer Übereinstimmung mit dem echten moralischen Gut des Menschen, das durch die Gebote geschützt wird.
Genau daran erinnert Jesus selbst in der Antwort, die Er dem Jungen Menschen erteilt hat: ‘Wenn du das Leben erlangen willst, halte die Gebote’ ...” (VSp 73).
Bei aller Intimität, die unter vor-ehelichen Umständen verrichtet wird, kommt die Verbindung dieser Zweien auf der Ebene der Sex-Empfindungen zustande. Jedes von ihnen erlebt sie selbstsüchtig: als Erleben des ‘Sexus’, nicht aber als Vereinigung in Liebe-aufgeschlossen-fürs-Leben. Hier fehlt die besiegelte, unwiderrufliche Entscheidung, dass diese Zweien sich einander ihre Personen hingeben. Es gibt das zeitweilige gegenseitige Benutzen des einander zugänglich gemachten Leibes. Diese Hingabe kommt zur Größe der Person nicht heran. Dabei schließt sie im Grundsatz die Aufgeschlossenheit für die Elternschaft aus. Die Liebe dieser Zweien, die einander in Liebe des Göttlichen Herzens begegnen sollte und es konnte, wird systematisch untergeschnitten. Das Herz dieser beiden und ihr Blick ist nicht rein: dort herrscht das „Strahlen mit Freude wegen des Lieben-Könnens” (FC 52) nicht. Gottes Anwesenheit und folglich Gottes Segen dieser Liebe wurde von Herzen dieser beiden wirksam ... herausgebittet.
Es hat noch keine Sünde gegeben, die die Leute von innen her zusammenzufügen imstande wäre! Allein der Heilige Geist bindet in ein Eins-in-Liebe! Adam und Eva bildeten ein Eins-in-Liebe bis zum Augenblick der Sünde. In dieser Zeit haben sie sich einander in Gott angeschaut. Sie haben auch „reinen Herzens” Gott selbst gesehen – gemäß den Worten, die einmal der Meister von Nazaret in den Acht Preissegnungen darlegen wird (Mt 5,8). Johannes Paul II. sagt:
„... Dieser Fülle der ‘äußeren’ Sichtbarkeit, wie sie sie die ‘physische’ Nacktheit bestimmt (sollte man das so sagen) entspricht die ‘innere’ Fülle des Sehens des Menschen in Gott, das heißt nach dem Maß ‘Gottes Ebenbildes’ [vgl. Gen 1,27] ...” (ML 114).
Infolge der Sünde haben diese Zweien: Adam und Eva, begonnen, sich gegenseitig anzuklagen und zu zanken selbst in Gottes Gegenwart. Satan teilt ununterbrochen: er zerreißt die Kommunion von Personen, um nachher um so leichter ... zu töten.
Grund dessen, dass das, was diese Zweien als „Liebe” nennen möchten, und was sich in Wirklichkeit als Gegen-Liebe enthüllt, ist, dass sie in dieser Weile die Aneignung des Terrains der Geschlechtlichkeit anstreben und sie mit Kraftanwendung Gott zu entreißen suchen. Am Boden selbst des Gewissens besteht dann immer das Bewusstsein, sollte es auch beinahe total abgedämpft werden, dass sie beiden einzig und allein Verwalter ihrer Geschlechtlichkeit sind. Weisen sie das Gebot Gottes zurück, erklären sie sich usurpatorisch als ‘Gott der Quellen selbst des Lebens und der Liebe’. Selbst Gott der Wahrheit beurteilen diese Zweien als Unzuständigen in Sache der ‘Liebe’ (s. ob.: Betätigungen ‘CONTRA’: Was sagt Gott dazu?” – das ganze Kapitel, besond. ‘C’. Und noch: Noch einmal: Der Dreieinige und Gottes ‘Leiden-Tröstung’ ...”).
Daselbst schneiden sie sich von der Liebe ab, die Gott allein ist, niemals Satan. Weggang von der Liebe gleicht dem Untergang in Anti-Liebe: in Tod. Eine Anti-Liebe kann niemals mit sich selber beschenken: sie versteht nur einzuräumen. Sie sättigt die sexuelle Selbstsüchtigkeit mit manipuliertem Wort ‘Liebe’. Das gilt auch von diesem Fall, wenn solches Verhalten bei beiderseitiger Zustimmung erfolgt. Beide hören auf, frei zu sein mit der Freiheit der Gabe. Es regiert hier der Zwang-des-Leibes-und-Geschlechts als anonyme Kraft: als ein Etwas, nicht aber ein Jemand.
In tieferer Wertung bedeutet dieser Zustand, dass die persönliche Freiheit verloren gegangen ist: nicht so sehr selbst einem ‘Etwas’ zugute, d.h. der Begierde des Fleisches, sondern zugute der Person Dessen, der der Böse ist: des „Fürsten dieser Welt” (Joh 12, 31). Der Böse ist rücksichtslos: er hält seinen Anhänger unter der Kette der Knechtschaft. Zugleich aber redet er dem Verknechteten ein, gerade solches Verhalten bedeutete den höchstmöglichen Gipfel der ‘Freiheit’. Eben diese Hinsicht kann großenteils erklären, warum es so schwer ist von einer sucht frei zu werden: von der Knechtschaft im Satans Dienst, um zu Christus zurückzukehren. Der Böse setzt seine ganze Gegen-Intelligenz und Macht ein, um zum Abbruch mit der Sucht und zur Bekehrung nicht zuzulassen. Wir hören das Bekenntnis von Frau Sofie aus ihrer langen Briefe-Reihe, die am Anfang dieses Kapitels angeführt worden ist:
„Ich bin mich um meine Plumpheit bewusst, was soll ich aber anfangen, wenn ‘das’ alles stärker wird als ich...” (Brief 1. – S.: Anfangszeit der gegenseitigen Zuneigung).
Dem Anschein zuwider, geht es beim vor-ehelichen Verkehr um die Vereinigung von Personen – nicht. Diese Zweien werden zueinander gezogen nicht von Liebe, sondern von anonymer Kraft: des Sexus. Wir sehen das Bekenntnis: „Das alles wird stärker als ich!” Die Ignoration des Gottes Gebotes gestaltet sich in Einimpfung sich selber des Todes: des ewigen Todes um. Die Freude beim gegenseitigen Kuscheln wird Glückseligkeit einer Leere. Hier herrscht nicht die ‘Liebe’, sondern der Böse. Sollte es mit drastischen Worten ausgedrückt werden, müsste man sagen: der Böse hat diese Zweien auf den Bratrost ‘aufgespießt’ und spielt mit ihnen, indem er sie langsam im Takt des in Gang gesetzten Grillens dreht ...!
Man braucht sich nicht trügen lassen. Der Sexus-als-Sexus, der zum Verkehren antreibt und Triebkraft der Gegen-Liebe wird, kommt dem Verlieren der Freiheit gleich. Diese Zweien werden Knechte des Zwanges des Leibes und Geschlechts, hinter dem es nicht schwer ist, den Bösen zu erblicken. Dieser Zwang hat es in keinem Fall gern, dass er sich dem Selbst-Bewusstsein und der Selbst-Bestimmung unterordnet, und um so mehr der empfundenen Verantwortung (s. dazu ob., z.B.: Grundsätzliche Ausstattung der menschlichen Natur: Vernunft-Wille-Verantwortung). Indessen gerade diese Komponenten bestimmen die Würde der Person in ihrem Ruf zum ewigen – Leben, um den Preis, dass die Prüfung bestanden wird: der Liebe begriffen und gelebt als Gabe. Das wird so treffend nach dem Hl. Augustinus von Johannes Paul II. wiederholt
„... die Geschichte stellt nicht einfach einen Vorgang dar, der unbedingt zum Besseren führt, sondern ist Ergebnis der Freiheit, oder eher des Kampfes zwischen entgegengesetzten Freiheiten, das heißt ... zwischen zweierlei Lieben:
der Liebe zu Gott bis hin zur Verachtung seiner Selbst – und der Liebe zu sich, bis hin zur Verachtung Gottes” (FC 6).
Es dürfte jedes Paar von Brautleuten mit aller Herzlichkeit gebeten werden, dass sie – zum eigenen Wohl: diesem irdischen und ewigen, Christus ihren Glauben schenken. Es gibt keinen Weg zur Vereinigung auf Ebene des Herzens: der Person, als nur durch die Kommunion mit dem Dreieinigen. Auch schon in der Brautzeit. Man braucht sich nicht vortäuschen, die Liebe als „Hingabe der Person für die Person” (LR 11) solle zunehmen um den Preis, dass Gott vom Herzen herausgebitten wird. Und dass die Sünde „... sehr nahe bringt!” Satan will es nicht, er ist dazu auch unfähig, irgendjemanden zur Liebe nahe zu bringen. Das überragt seine Möglichkeiten, besonders aber seinen versteinerten Willen im Übel-um-des-Übels-willen. Er ist letztlich daran schuld, dass die Lostrennung von Gott, um seinen Einflüsterungen Gefolg zu machen, nur Verzankung und die gegenseitige Verachtung herbeiführt, sollten diese Zweien anfangs nicht einmal bemerken, dass sie sich im Tod der Gegen-Liebe versenken. Im allgemeinen stellen sie nach der Tat dasselbe fest, was die Ur-Eltern erfahren haben: dass „sie nakt sind”! Sie haben die Würde ihrer Personen mit Betreiben der Gegen-Liebe geschändet.
Man braucht sich also nicht fürchten, einen radikalen Schnitt zu unternehmen. Im Namen der wiedergewonnenen Liebe und der Beschenkung wenigstens von nun an mit Liebe, die dieses Namens würdig ist. Solche Wende kann mit so großer Kraft einer liebenden Überzeugung stattfinden, dass auch dieser andere sie bejaht als die einzige schöpferische Lösung, sollte es auch anfangs ein wenig schmerzhaft vorgehen.
Jetzt greifen wir noch einmal auf das Bekenntnis von Frau Sofie zurück: „Selbstverständlich man könnte nicht mehr verkehren, aber warum sollte man sich völlig isolieren, wenn das sehr nahe bringt” (s. ob.: Warum sich isolieren, wenn das sehr nahe bringt)?
Niemand heißt die Brautleute ‘sich völlig zu isolieren’! Wir ermutigen, dass man aufmerksam auch nur die hiesige WEB-Site verfolgt. Möge das Lesen mit Nachdenken vorgenommen werden, nicht flach, und dauernd mit begleitendem ‘Gebet’. Vielleicht erscheint eine unmittelbare, oder nur mittelbare Antwort auch zu diesem Thema. Niemand heißt die Brautleute von der Distanz von ‘Kilometern’ zueinander sprechen. Man kann nahe einander und miteinander sein, und doch wachsam die Reinheit hüten. Wie eine Mutter oder ein Vater, die doch ihr Kind anschmiegen – mit Fülle von Freude, und es kommt ihnen doch kein unangemessener Gedanke in den Kopf, noch um so mehr eine unangehörige Verhaltensweise.
Ähnlich können auch Brautleute sich zueinander beziehen. Haben sie tatsächlich die Stufe der Brautzeit erreicht, können sie in friedsam erlebter, liebevoller Umarmung weilen. Sie können sich eine wachsam erarbeitete Art und Weise bestimmen, wie sie verantwortlich mit-einander sein können, ohne irgendetwas außerdem zu unternehmen. Sie pflegen ihr Bewusstsein, dass sie von Jesus Christus dem Lebendigen, der in ihrem Herzen weilt, verbunden werden. Um den Preis seiner Kreuzigung und Erlösung, wie auch als ihres „Bräutigams-vom-Kreuz’, wird Er Bräutigam-unter-ihnen-dem-Brautpaar. Er sendet auch in ihre Herzen Seinen – und Seines Vaters Heiligen Geist (Röm 5,5; s. DeV 24).
Solches Verbleiben miteinander gestaltet sich fast spontan in ein stilles, mit menschlichem und Göttlichem Frieden gesättigtes Gebet. Das alles eignet sich zur insbesonderen Besprechung, eventuell dass auftauchende Zweifel dem Beichtvater dargelegt werden – mit Bereitschaft, dass diese Lösungen angenommen werden, die sich Gottes Segens freuen werden.
Diese beiden aus den angeführten Briefen haben nicht weniges Ringen mit ihrer Schwäche durchgemacht. Aus diesen Bekenntnissen wird ersichtlich, wie schwer es ist, sich vom Terrain zurückzuziehen, auf das einer als Dieb eingerissen ist – ohne Gottes Ermächtigung.
Im Laufe des Ringens und vieler Fälle, Aufstiege und Siege, ist die Liebe dieser Zweien allmählich lauter und reif geworden. Es hat letztlich Jesus Christus den Sieg davongetragen: Gott-die-Liebe in ihren Herzen. Es war aber auch ganz bestimmt ihr eigener Sieg. Die Motivation der Handlungsweisen erhob sich auf ein immer höheres Niveau. Bis sie sich dazu gesehnt haben, dass sie so handeln, dass ihre Verhaltungsweisen „dem Herrn gefallen können” (Brief 3; 2 Kor 5,9).
Die Chance, von neuem das Leben und die Liebe Gottes wieder zu gewinnen, erscheint über den Kampf und die Mühe. Eine Chance zur Entfaltung in wahrer Liebe erleben nicht nur diese von angeführten Briefen. Der Zugang dazu schließt sich vor jedem Brautpaar auf. Jedes Brautpaar kann auch dauernd in „Gottes Kindschaft” verbleiben – nicht nur in jenen „30 %”, von denen Frau Sofie schreibt (Brief 2).

D. UNÜBERSCHREITBARE GRENZEN |

Wie gilt es also die gegenseitige Nähe zu leben, dass sie Startpunkt zum Wachstum in Liebe als Gabe wird, nicht aber Neugebilde und Gewebe einer verlogenen Liebe? Es kommen Brautpaare vor, die sich in dieser heißen Zeit ihrer Vorbereitungen zur Ehe als Sakramentes an folgerichtig erlebter Keuschheit erfreuen können. Andere Paare haben vielleicht sehr wehtuend ihre Unbeständigkeit in der Einhaltung der feierlich vorgenommenen Versprechungen erfahren. Man muss wachsam und vorsichtig handeln, um die Keuschheit sowohl des Herzens, wie des Leibes nicht zu verunehren. Man braucht sich mit allein einem nur ‘Wunsch’, die Keuschheit zu bewahren, nicht trügen lassen, wenn diese Zweien sich zueinander auf provokatorische Art und Weise verhalten. Damit geben sie sich einander deutliche Signale, dass sie genau die Überschreitung der Barrieren abzielen, die um keinen Preis überschritten werden dürfen.
Diese aber sollen sie sich beide ganz klar bestimmen, seitdem unter ihnen die Sympathie entsteht, dann Freundschaft, und um so mehr wenn sie seriöse zu denken beginnen, sich in der Ehe zu verbinden. Schlimm beginnt es zu werden, wenn sie diese Frage nicht auf die Ebene ihres deutlichen Dialogs hochbringen.
Bei gegenseitigem Zusammentreffen meldet sich wohl zuerst ein Widerstand, der die gegenseitige Zugänglichkeit verhindert. Es ist Gottes Gabe der Sittsamkeit und Schamhaftigkeit, die den natürlichen Schutz des Bereiches der Intimität vor jemandem nicht berechtigten darstellen. Dieser Bereich verschmilzt aber allmählich. Das geschieht im Maß, wie das gegenseitige Vertrauen zueinander zunimmt. Es führt dazu, dass der eine dem anderen die eigenen inneren Geheimnisse und Erlebnisse vertraut, von denen bisher niemand anderer gewusst hat. Jedes Anvertrauen solcher Erlebnisse hängt zwar mit einem Risiko zusammen, dass sein Inhalt einmal entgegengesetzt benutzt werden kann, als es unter dem Gefühlszufluss gedacht war. Darüber möchten aber beide – oder zumindest die eine Seite von ihnen, Jetztzeit lieber nicht denken.
Zum zunehmenden Gefühl und der einander enthüllten eigenen Geheimnisse kann sich leicht ein zunehmendes Drängen hinzugesellen, dass man sich auch in eigener leiblicher Intimität immer weiter aufschließt. Ein zugleiches ‘Ja’ und ‘Nein’, das sich anfangs zu kennen gab, kann im Maß immer mehr schwinden, wie der Versuch eines aufrichtigen, oder nicht allzu aufrichtigen Widerstands der Magie des Wortes erliegt: ‘Ich liebe! Gib mir den Beweis der Liebe! Du liebst offenbar nicht, Du traust mir nicht,’ u.dgl. Der Stil der Beziehungen beginnt leicht der zunehmenden Verknechtung mit Begehrlichkeit des Fleisches zu erliegen, die sich immer mehr vom eigentlichen Inhalt der ‘Liebe’ entfernt.
Daher ist es so wichtig, dass man sich deutliche Grenzen bestimmt bezüglich der Erweise von Zärtlichkeit, die von diesen beiden unter keinem Vorwand überschritten werden werden. Diese Entscheidung fassen sie im „Gehorsam dem Glauben” (Röm 1,5; 16,26; korrigiert nach griech.Originaltext), aber um so mehr im liebenden Anvertrauen auf Gott als Liebe.
Die erwähnte ‘Barriere’ wird an sich durch den strikten Wortlaut des Gebotes bestimmt: „Du sollst nicht die Ehe brechen ...”. Dieses Wort heißt jedes Beschreiten des Gebietes der geschlechtlichen Intimität die ganze Zeit hindurch vor der Ehe abzusperren.
Beweggrund für die Annahme solcher Haltung wird die Überzeugung, dass dieses Gebot kein Ausdruck der ‘willkürlichen Anonymität’ einer blinden, Personen-losen, oder bösartigen Macht ist. Im Gegenteil, dieses Gebot ist Beweis der besorgten liebenden Person: Gottes-als-Liebe. Daran haben wir schon früher eine tiefere Aufmerksamkeit gebunden. Bevor Gott ein Gebot vorschlägt, offenbart Er sich immer als Person, die liebt. Erst im Namen gerade dieser Liebe bittet Er dringend um Annahme auch dieser, vielleicht schwieriger Anordnung, die ‘Gebot’ heißt: „Du sollst nicht die Ehe brechen” (s. ob.: Gebote: zuerst die Person-die-Liebe – nachher Empfehlungen – samt der ganzen weiteren Folge). Als Vater, ist Gott außer Zweifel überhaupt unfähig irgendjemandem einen Schaden zuzufügen, darin auch diesen Zweien als Brautpaar.
Anderer Beweggrund einer so unternommenen Haltung wird das Bewusstsein darum, dass hier die „Quellen selbst von Leben und Liebe” im Spiel sind. Sowohl das eine, wie das andere sind striktes Besitztum Gottes. Die Einführung irgendwelcher Änderung in diesem Bereich überragt alle Zuständigkeiten des Menschen – sowohl dieses individuellen (z.B. dieser beiden als Brautpaars), wie auch irgendwelcher Gesetzgebungs-Gremien, und offenbar auch der Kirche.
Brautleute sollen sich also ohne Unklarheiten sagen: In unserem Fall wird es kein Anschauen geben, noch kein Betasten der Geschlechtszone. Dies ist eine negativ formulierte Festsetzung, gefasst in Form eines keine Ausnahme kennenden ‘Nein’! So ist aber diskussionslos der Inhalt des Gottes Gebotes. Alle Normen des Gesetzes Gottes, die in negative Formel gefasst sind, verpflichten immer und überall – ausnahmslos alle Menschen. Nicht deswegen, weil es so die ‘Kirche’ festgesetzt hat, sondern dass diese Wirklichkeit aus der Wahrheit selbst der gegenseitigen Verhältnisse hervorwächst, die es zwischen dem Schöpfer – und dem Menschen als Geschöpfes Gottes Liebe gibt. Hier – erinnerungshalber, die Worte Johannes Paul II. zu diesem Punkt:
„Den negativen Normen des Gesetzes der Natur steht eine universale Kraft zu: sie verpflichten alle und jeden, immer und unter jedem Umstand. Es handelt sich hier um Verbote, die eine bestimmte Handlung ‘semper et pro semper’ [= immer und für immer] verbieten, ohne Ausnahme, weil die Wahl einer entsprechenden Verhaltensweise in keinem Fall mit dem Gutsein des Willens der handelnden Person, mit ihrer Berufung zum Leben mit Gott und zur Kommunion mit dem Nächsten vereinbar ist. Es ist niemandem und niemals erlaubt die Gebote zu übertreten, die rücksichtslos alle verpflichten, die allen Menschen gemeinsame Würde der Person im anderen Menschen, und vor allem in sich selbst, nicht zu beleidigen” (VSp 52; vgl. auch Nr. 81).
Zur Erinnerung dürfte auch noch einmal dazu gesagt werden, wie die Bedingungen sind, die eine Tat als moralisch gut zu qualifizieren erlauben (s. ein wenig früher: Bedingungen zur Bewertung einer Tat als gut ). Hier die weiteren Worte aus der Lehre Johannes Paul II.:
„Die Antwort Jesu und die Berufung auf die Gebote [= Mt 19,17: ‘Willst du aber ins Leben eingehen, so halte die Gebote!’] bedeutet auch, dass der Weg zum Ziel auf der Befolgung der Gottes Gesetze, die das Gut des Menschen schützen, beruht. Nur eine Handlung, die mit dem Guten übereinstimmt, kann Weg sein, der zum Leben führt.
– Die rationale Hinordnung der menschlichen Tat auf das Gute in seiner Wahrheit und das freiwillige Streben nach diesem Gut, das mit Vernunft erkannt wird – siehe worauf die Sittlichkeit beruht. Man kann also das menschliche Handeln nicht einzig aus diesem Grund als sittlich Gut anerkennen, weil es zum Erreichen eines solchen oder anderen Zieles führt, oder auch nur deswegen, weil die Absicht des Subjektes gut ist. Das Handeln ist moralisch Gut, wenn es die freiwillige Unterordnung der Person ihrem letztlichen Ziel bestätigt und zum Ausdruck bringt, wie auch die Übereinstimmung der konkreten Handlung mit dem Gut des Menschen, das von der Vernunft in seiner Wahrheit erkannt worden ist.
– Wenn dieser Gegenstand der Handlung mit dem wahren Gut der Person nicht in Einklang steht, bewirkt die Wahl dieser Handlung, dass unser Wille und wir selbst moralisch Böse werden, das heißt dass wir uns unserem letztlichen Ziel und dem höchsten Gut – also Gott selbst – widersetzen” (VSp 72).
Würde jemand der Lehre der Kirche weiter nicht trauen können, sollten ihn die vom Hl. Paulus radikal aufgezählten Taten überzeugen, die „ihrem Wesen nach Böse ” sind. Jedermann, der solche Tat begeht, schließt sich selber vom ewigen Leben aus. Daher erinnert Johannes Paul II.:
„Der Grund, warum die gute Absicht nicht genügt, sondern es auch der ordnungsgemäßen Wahl der Taten bedarf, ist die Tatsache, dass die menschliche Handlung von ihrem Gegenstand, das heißt davon abhängt, ob sie auf Gott, auf Den, der ‘allein der Gute ist’, hingeordnet werden kann und ob sie die Person so zur Vollkommenheit führt.
– Eine Handlung ist daher Gut, wenn ihr Gegenstand dem Gut der Person entspricht – dadurch, dass sie die Güter berücksichtigt, die für sie vom moralischen Gesichtspunkt her wesentlich sind ...” (VSp 78).
„Das erste und maßgebliche Element für die moralische Bewertung ist der Gegenstand der menschlichen Handlung, der darüber entscheidet, ob sie auf das letzliche Gut und das Ziel, das Gott ist, hingeordnet werden kann ...” (VSp 79).
„Dank dem Zeugnis der Vernunft wissen wir aber, dass es Gegenstände der menschlichen Akte gibt, die nicht auf Gott hingeordnet werden können, weil sie dem Gut der Person, die nach Seinem Ebenbild erschaffen worden ist, radikal widersprechen. Die traditionelle moralische Lehre der Kirche spricht von Taten, die ‘innerlich übel’ sind [= intrinsece malum]: die Übel sind immer und von selbst aus, das heißt aufgrund ihres Gegenstandes, und nicht abhängig von eventuellen Absichten der handelnden Person, noch von den Umständen” (VSp 80).
„Wenn die Kirche vom Bestehen innerlich Böser Handlungen lehrt, beruht sie auf der Doktrin der Heiligen Schrift. Der Apostel Paul stellt kategorisch fest:
‘Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige, noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer, keine Räuber – werden das Reich Gottes erben” [1 Kor 6,9f] (VSp 81).
Dieses letzte Wort, d.h. das gerade angeführte Fragment des Gottes-Geschriebenen-Wortes, müsste alle Zweifel zerstreuen, ob die eindeutige Lehre der Kirche im besprochenen Bereich ‘Erfindung der Geistlichen’ ist, oder auch Erfüllung einmal mehr der manchmal undankbaren Sendung, die der Erlöser des Menschen der von Ihm gegründeten – Seinen Kirche auferlegt hat. Es spricht der Gott-Mensch, Jesus Christus, der Erlöser des Menschen – im Abschieds-Wort vor seiner Himmelfahrt:
„Da trat Jesus näher, redete sie an und sagte:
‘Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht hin und lehrt alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was Ich euch geboten habe.
Seht, Ich bin mit euch alle Tage hindurch – bis Ende der Welt’ ...” (Mt 28,18ff. – Eigene Überstzg nach dem Originaltext).
Solche Haltung setzen die Apostel und ihre Nachfolger in apostolischer Sendung – in ihrer Lehre ins Leben um. Solche Haltung nimmt auch unabänderlich die Heilige Kirche an. Daselbst verbleibt sie in dieser Hinsicht in der Jurisdiktionseinheit mit Petrus der aktuellen Zeiten. Hier Worte Johannes Paul II.:
„Als Bischöfen obliegt uns die Pflicht, die Sorge zu tragen um die getreue Übermittlung des Gottes Wortes ...
Ihre Autorität [= der Lehre der Kirche], unterstützt mit Hilfe des Heiligen Geistes und eingesetzt in der Kommunion ‘cum Petro et sub Petro’ [= in Kommunion mit Petrus und unter Petrus], hat ihre Quelle in unserer Treue dem katholischen Glauben gegenüber, den wir von den Aposteln übernommen haben. Auf uns, als Bischöfen, lastet die schwerwiegende Pflicht, persönlich darüber zu wachen, dass in unseren Diözesen die ‘gesunde Lehre’ [1 Tim 1,10] des Glaubens und der Moral gelehrt wird ...” (VSp 116; s. ebd. 5,30; und noch: 2 Tim 4,1-5; Tit 1,10.13f).
Das gegenseitige Erweisen der Verbundenheit und Liebe über die Einsetzung der Geschlechtsorgane ist Gottes Gabe, die ausschließlich für die Ehe vorbehalten ist. Daher spricht auch die Lehre der Kirche vom geschlechtlichen Verkehr als dem „Akt, der der Ehe eigen und vorbehalten ist” (vgl. FC 11; HV 8. – s. auch ob.: Für die Ehe „eigener und vorbehaltener” Akt). Bejahen diese Zweien von Anfang an mit Willen und Herzen dieses vom Dreieinigen von ihnen erwartete ‘Nein’, was genitale Liebkosungen betrifft, wissen sie zugleich Bescheid, nach welchem Grundsatz sie sich richten sollen. Dann tut auch die Bewahrung der Keuschheit nicht so sehr ‘weh’.
Die Notwendigkeit, dass dieses ‘Nein’ mit Bezug auf die Geschlechtssphäre angenommen wird, wird demnach keineswegs von der ‘Kirche’, noch von ‘Priestern’ aufgenötigt. Niemandem unter den Menschen steht die Zuständigkeit zu, um zu bestimmen, bzw. zu ‘verabschieden’, was das Gute, oder auch, der Reihe nach, das Böse – ist, bzw. sein sollte [daher sind auch allerlei solcher Art Gesetzgebungen und Genehmigungen der Parlamente, die irgendwelche, dem Gottes Gebot in Widerspruch stehenden Genehmigungen verabschieden, in dieser Hinsicht von vornherein ungültig]. Die Quellen, aufgrund deren uns das Gut vom Bösen zu unterscheiden gegeben ist, kommen nicht von der ‘Erde’. Sie erwachsen aus der Weisheit und Liebe dieses Gottes, der den Menschen „um seiner Selbst willen’ (GS 24) als sein „Ebenbild und seine Ähnlichkeit” (Gen 1,27) erschaffen hat. Indem Er ihn dabei mit freiem Willen ausgestattet hat, hat Er ihn zugleich zur Anteilnahme am eigenen, Gottes Leben – und an seiner eigenen Liebe berufen.
Damit aber dieses Lebendige Ebenbild Gottes: Mann und Frau – beim Suchen nach dem Weg zum „Haus des Vaters” (Joh 14,2f) nicht irren muss, hat der Schöpfer ins Herz ausnahmslos eines jeden Menschen „ein Gesetz, das von Gott seinem Herzen eingeschrieben ist” niedergelegt, „dem zu gehorchen seine Würde ist und gemäß dem er gerichtet werden wird” (vgl. Röm 2,14ff; GS 16; VSp 54). Dieses Gesetz, das die urewige, unabänderliche, universale, vom menschlichen Wissen und Wollen unabhängige Aufzeichnung im Herzen des Menschen bildet, findet seinen Ausdruck in der Stimme des Gewissens. Das Gewissen des Menschen besteht aber unabhängig von der Einwilligung und dem Wissen des einzelnen Menschen:
„Das Gewissen ist nämlich ‘die verborgenste Mitte und das Sanktuar im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist und klar ‘in den Ohren des Herzens tönt: Tu dies, meide jenes’ ...” (DeV 43; GS 16).
Wir haben schon viele Male auf unserer WEB-Site erwähnt, dass der Mensch diese ‘Stimme’ nicht erst erzeugt, sondern sie nur entdeckt:
„... Im Inneren seines Gewissens entdeckt der Mensch ein Gesetz, das Er sich nicht selbst auferlegt, sondern dem er gehorchen soll und dessen Stimme ihn immer zur Liebe und zum Tun des Guten und zur Unterlassung des Bösen anruft ...” (GS 16).
Und zwar:
„Gott der Schöpfer ist nämlich die einzige und letztliche Quelle der sittlichen Friedensordnung in der von Ihm geschaffenen Welt. Der Mensch kann nicht aus sich allein bestimmen, was Gut und was Böse ist, er kann nicht ‘wie Gott Gut und Böse erkennen’ (vgl. Gen 3,5). In der erschaffenen Welt bleibt Gott die erste und souveräne Quelle, die das Gut und Böse – über die innere Wahrheit des Seins bestimmt, die Abglanz des Wortes ist, das das Wesensgleiche und ewige Wort des Vaters ist.
– Der nach dem Ebenbild Gottes erschaffene Mensch wird vom Geist der Wahrheit mit dem Gewissen beschenkt, damit das Ebenbild getreu sein Ur-Muster widerspiegelt, das zugleich Weisheit und Urewiges Gesetz, Quelle der moralischen Friedensordnung im Menschen und in der Welt ist” (DeV 36).
Es sollte noch einmal hervorgehoben werden, dass der Beweggrund der es auszuschließen heißt, vor der Eheschließung nach irgendwelcher genitalen Intimität zu greifen, die mit Tat bestätigte Liebe sowohl zu Gott, wie gegeneinander sein soll. Diese Zweien sollen sich gegenseitig voller Liebe sagen: Solche Haltung bewahren wir, weil wir uns lieben! Nicht der Aufstand und nicht ‘Bedauern’ der Kirche oder geradeaus Gott gegenüber, sondern das Zartgefühl der Liebe, die die anspruchsvolle Wahl anzunehmen versteht, aber gerade deswegen freudevoll und schöpferisch erlebt wird, soll im Herzen der beiden Brautleute herrschen. Diese ins Leben umgesetzte Haltung bewahren die Zweien ganz unabhängig davon, was in ähnlicher Lage andere Brautpaare tun. Solcher Haltung sind sie treu offensichtlich auch unabhängig von den Massenmedien, die die Genitalerfahrungen aufdringlich als Frucht einprägen werden, die „es köstlich wäre ... zu essen und lieblich anzusehen” (Gen 3,6). Dauernd zeitgemäß bleibt die grundlegende Ermahnung Johannes Paul II. angesichts der bisweilen übermächtig wirkenden Strukturen der Sünde und ideologischen Systeme, die der Gottes Friedensordnung der Natur des Menschen als Person in ihrem Ruf zum ewigen Leben widersprechende Lösungen aufdrängen:
„Darum gibt es in jedem Menschen nichts, was so persönlich und unübertragbar ist, wie das Verdienst aus der Tugend oder die Verantwortung für die Schuld” (RP 16).
Wir werden nicht davon gerichtet werden, was in ähnlichen Umständen die anderen tun, sondern was wir selbst tun. Daher tragen auch keine ‘statistischen’ Daten betreffs des vermeintlich allgemein praktizierten Übersehens des Gottes Gebotes zur Frage überhaupt nichts (vgl. FC 5) bei. Weiter zeitgemäß bleibt die im menschlichen Herzen unabänderlich, vielleicht nur noch leise zur Ernüchterung rufende Stimme dieses Gottes, der verwundernd geduldig auf die Weile wartet, wann sich das Lebendige Gottes Ebenbild davon abwendet, was Böse ist, um „nicht für ewig verloren gehen” zu müssen (vgl. Joh 3,16-21).
Die dargestellte Wahl stellt hier die einzige schöpferische Lösung dar. Sie ist geboten, und doch zugleich mit tiefster Befürchtung des Liebenden Herzens, am Menschen von Gott selbst nur erbeten. Die so bestimmte Barriere wird von besorgter Gottes Warnung begleitet:
„Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen.
Denn sobald du davon isst, wirst du sicher sterben” (Gen 2,17)
Gott, der außer jedem Zweifel auch in diesem Bereich Weisheit und Liebe ist, kann unmöglich nicht vertraut werden, sollten auch nicht alle von Ihm vorgeschlagene Lösungen in diesem Augenblick verständlich sein.
Die dargestellte Festsetzung: des völligen Ausschließens aller genitalen Intimität, ist kein Beweis einer prüden Haltung dem Leib gegenüber, noch ‘priesterlicher Normen’, die in Einzelheiten des strikt ‘privaten, intimen Lebens’ des Menschen herabsteigen. Diese Barriere betrifft die Grenz-Erfahrung zwischen der Brautzeit und der Ehe. Sie erwächst also direkt vom Gebot Gottes. Weder das Mädchen, noch der Jüngling – sind [schon] zu Eheleuten geworden. So wird es bis zur Trauung selbst fortdauern. Das Umschalten auf irgendwelche Form genitaler Intimität vor der Ehe oder außerhalb der Ehe muss immer als eindeutiger Ehebruch qualifiziert werden.
Brautleute [und Partner die nicht Brautpaar sind] sind offenbar mächtig genug, mit dem Akt ihres freien Willens das Gebot Gottes zurückzuweisen, so dass sie mit dem Schöpfer der Friedensordnung nicht rechnen. In solchem Fall würden sie sich aus eigener Wahl auf alle dessen Folgen aussetzen, einschließlich auf den von vornherein bejahten Verlust des ewigen Lebens. Sie können nicht erhoffen, dass ihr Eigenwille – und zwar die usurpatorische Aneignung der Gaben, die Gott ihnen verleihen will, allerdings noch nicht jetzt, gesegnet werden kann. Es gehört sich die Worte des Heiligen Vaters Johannes Paul II. immerwährend vor Augen zu halten:
„... Die Offenbarung lehrt uns, dass die Macht, über Gut und Böse zu entscheiden, nicht dem Menschen, sondern allein Gott zusteht.
– Der Mensch ist offenbar von dem Augenblick an frei, in dem er die Gebote Gottes begreifen und annehmen kann. Er freut sich einer ungemein weitgehenden Freiheit, denn er darf ‘von allen Bäumen des Gartens’ essen. Es ist aber keine unbegrenzte Freiheit: Sie muss vor dem ‘Baum der Erkenntnis von Gut und Böse’ haltmachen, sie wurde nämlich dazu berufen, das moralische Gesetz anzunehmen, das Gott dem Menschen gibt ...” (VSp 35).
Brautpaare sollen mit allem Ernst, aber auch aller Liebe sich gegenseitig mit Hilfe dienen – u.a. beim Verharren in einer kristallischen, nach Christus gestalteten Keuschheit. Sie beide haben sich gegenseitig in dieser Zeit so vieles zu sagen. Es ist klar, sie sollen deutlich auch dieses Thema aufgreifen, das gerade Jetztzeit sie beide so sehr lebendigst betrifft. Sie sollen sich einander um Hilfe bitten, dass sie die Treue in der Entscheidung der so festgesetzten Barrieren ihrer beiderseitigen Zärtlichkeit bewahren. Beide möchten sich zweifelsohne gegenseitig zum Wachstum im wahrhaften Gut dienen, nicht aber Schlingen voreinander legen. Mit einer gleichen Hilfe werden sie sich später auch in der Ehe selbst dienen:
„Mit seiner Gattin soll der Mann in einer ‘ganz besonderen Form der Personen-Freundschaft leben’. Der Christ ist aber dazu berufen, eine neue Haltung der Liebe zu entwickeln, indem er seiner eigenen Braut jene feinfühlige und zugleich starke Liebe erweist, die Christus zu seiner Kirche hegt” (FC 25).
Sowohl der Jüngling, wie das Mädchen kennen wohl gut ihre eigene Schwäche und Neugierde: jenen sich blindlings kennen gebenden Zwang des Leibes, trotzdem sie sich doch auch um die durchaus positiven Seiten ihres Charakters bewusst sind. Es wird nichts demütigendes sein in einer gegenseitigen Bitte: „Sollte ich mich vergessen haben und allzu weit vorandringen wollen, halte und besinne mich”! Eine so verstandene Hilfe strömt vom Gabe-Sein-füreinander, das auf das wahrhafte Gut ausgerichtet ist – bis einschließlich zu diesem ewigen.
Kein Wunder, dass die beiderseitige ‘Hilfe-zu-Gutem’ ihren Ausdruck erfährt im nicht minder entschiedenem beiderseitigem Gebet und beiderseitiger Herantretung zu den Heiligen Sakramenten: sowohl zum Tribunal der Barmherzigkeit, wie darauf zur oft empfangenen Heiligen Kommunion.
Es geht um den eigentlichen Start zur künftigen Ehe – gemäß dem Vorhaben der Friedensordnung der Liebe, das ihnen beiden der Schöpfer selbst von Mann und Frau anbietet. Hat nämlich die „liebende Allmacht des Schöpfers” (DeV 33) auf solche Art und Weise die Gabe der gegenseitigen Verhaltensweisen auf der Stufe der Brautzeit gesonnen: als fortwährende Ablegung der Prüfung von der Liebe, die sich zum Sehen der Person in ihrem Ruf zum Leben der Gnade durchringt, gehört es sich dem Wort Gottes zu anvertrauen: als dem einzigen Weg, um das Glück der Liebe und den Frieden des Herzens zu finden.
Die Gebote Gottes entsprechen zweifelsohne den tiefsten Bedürfnissen des Herzens und der Person. Ihre Umsetzung ins Leben wird Auslösung einer beschleunigten Heranreifung der Tiefe ihres beiderseitigen Bandes „mit demselben Zartgefühl und der zusammen bindenden Liebe, mit der Gott selbst jedes Geschöpf anregt, es aufrechterhält und zu der ihm eigenen Seligkeit führt” (FC 34).
