
Drittes Kapitel |
KIND DES SCHMERZES ! WO BIST DU ... ? |

In zwei nächsten Kapiteln haben wir vor, das Drama der Sünde von der Sicht aus des Menschen eingehender zu betrachten. Dabei möchten wir zugleich die Frage stellen, ob es eine Chance gibt, den abgebrochenen Kontakt zu Gott – aber auch zu verletzten Menschen, von neuem zu knüpfen, oder es vielleicht überhaupt nicht mehr möglich ist?
Diese Fragen betreffen im Grunde genommen alle Menschen – unabhängig vom Alter und Lebensstand. Dennoch, gemäß der allgemein angenommenen Ausrichtung dieser WEB-Site wird hier besonders an die Lage angeknüpft, in der sich diejenigen befinden, die miteinander mit dem Ehe-Bund verbunden sind. Denn auch hier, wo das Bestimmende aller Betätigungen Liebe und Kommunion-der-Personen sein soll, ist es nicht so schwer, dass sich die Sünde, und manchmal sogar das Verbrechen einschleicht: sowohl gegen die Liebe, wie gegen das Leben selbst.
A. DIE WIRKLICHKEIT DER SÜNDE |

1. Bitterkeit des Abbruchs mit Gott und dem Menschen |
Das Leben eines jeden, der durch das Sakrament der heiligen Taufe in Jesus Christus eingepflanzt ist, soll im Angesicht des Dreieinigen heilig und makellos erscheinen. Gott hat uns in der Heiligen Taufe zu „Söhnen im Sohn” angenommen, d.h. zu ‘angenommenen’ Söhnen in seinem Eingeborenen Sohn, Jesus Christus. Wir sind uns aber bewusst, dass der tatsächliche Lebensstil des einzelnen ‘Getauften’ nicht selten weit davon abweicht, wozu er sich bei der Heiligen Taufe festlich verpflichtet hat: Absage der Sünde, des Satans und seiner Werke, zum Glauben an Gott den Dreieinigen, an die Erlösung, an die Heilige Kirche ...
Dasselbe betrifft Eheleute, die das weitere Sakrament empfangen haben, das von Jesus Christus, dem Göttlichen Bräutigam-vom-Kreuz, der Menschen-Familie dargebracht worden ist: das Sakrament des Ehelichen Bundes. Und früher gilt das ganz besonders von Personen, die sich auf das Leben in Ehe und Familie erst vorbereiten, und die sich auf dieser ihrer Lebensstufe immer deutlicher um die Angebote Gottes, die mit der intensiven Erwartung auf die Gabe des Sakramentes der EHE verbunden sind, bewusst werden.
Das Leben der Eheleute ist freilich restlos mit der umwandelnden Kraft des Sakramentes der Ehe umfasst und soll heilig und heiligend sein. In Wirklichkeit aber benötigt sowohl der Ehemann, wie die Ehefrau, ähnlich wie jeder andere Mensch, immerwährend Gottes Barmherzigkeit und Vergebung. Sie weichen nicht selten von der vielmals proklamierten Angehörigkeit zu Christus und den angenommenen Verpflichtungen ab: in der heiligmachenden Gnade beständig zu verharren. Oft geschieht das infolge der angeborenen sittlichen Schwäche, oder auch sooft sie sich dem alle Menschen verführenden diesem, der der Böse ist, unterwerfen. Dasselbe gilt für diejenigen, die die Zeit des ‘Miteinander-Gehens’ und der Vorbereitung zum Leben in Ehe und Familie erleben.
Nachdem es zum Sündenfall kommt, d.h. zum deutlichen ‘Herausbitten’ Gottes von seinem Herzen, verlässt Gott des Bundes sein Lebendiges Ebenbild: Mann und Frau – nicht überhaupt, aller eigenen erfahrenen Beleidigung zuwider. Er wird zu ihrem Erlöser von der Knechtschaft, in die sie sich freiwillig eingelassen haben. Das gilt selbst von Verbrechern und Mördern, wie das im Fall des Kain nach der Ermordung seines Bruders Abel ersichtlich ist. Gott bricht seinen Dialog mit ihm NICHT ab, trotz des begangenen Verbrechens (vgl. EV 9). Gott schlägt jedem Sünder – darunter auch den Eheleuten falls ihrem Fall, und selbst ihres Verbrechens – die Gnade der Versöhnung vor: sowohl mit Gott, wie untereinander und mit anderen Menschen. Gott nähert sich ihnen und bietet ihnen seine Barmherzigkeit an. Zu ganz besonderem dessen Ausdruck wird das Sakrament der Versöhnung:
„Wesentliches und ständiges Element für die Aufgabe der Heiligung der christlichen Familie bildet die Annahme des evangelischen Aufrufs zur Bekehrung, der an alle Christen ausgerichtet ist, die nicht immer der ‘Neuheit’ der Taufe treu bleiben, die sie zu ‘Heiligen’ gemacht hat ...
Die Reue und gegenseitige Vergebung im Schoß der christlichen Familie, die im täglichen Leben solchen Raum einnehmen, finden ihren besonderen sakramentalen Ausdruck im Sakrament der christlichen Buße ...
Der Feier dieses Sakramentes kommt eine besondere Bedeutung für das Familienleben zu: wird nämlich im Geist des Glaubens entdeckt, wie sich die Sünde nicht nur dem Bund mit Gott, sondern auch dem Ehe-Bund und der Kommunion der Familie widersetzt, führt das die Eheleute und alle Mitglieder der Familie zur Begegnung mit Gott, der ‘reich ist an Barmherzigkeit’ [Eph 2,4 – JB: leicht modifiziert], der, indem Er seine Liebe, die stärker ist als die Sünde, ausweitet, den Ehe-Bund und die Familien-Kommunion von neuem aufbaut und vervollkommnet” (FC 58; s. BF 14).
Die Ehe und Familie ist Wirklichkeit, die um das Geheimnis der Liebe und des Lebens umwoben ist. Die Liebe ist aber schwieriges Wort: „ein ‘schwieriges’, aber um so mehr faszinierendes Gut” (BF 11). Es kann nicht allzu leicht werden, im Alltagsleben die Haltung der uneigennützigen Beschenkung fortzuführen, also der Liebe, die sich mit ihrer zentri-fugalen Dynamik kennzeichnet, deren Stil seinem Lebendigen Ebenbild – Gott der Dreieinige in der Person Jesu Christi kennen zu lernen vorhält.
Samt den ab dem Paradies dauernd von neuem wiederholten Versuchen der arbitralen Bestimmung, was das Gute und das Böse sein soll (vgl. Gen 3,5), ist die Sünde in die Welt eingeschritten. Allem Empfinden zuwider, ‘frei-’ und ‘wie-Gott’ zu-sein, wird der Mensch im Augenblick, da er das Gebot Gottes zurückweist und es bricht, von nun an „Sklave der Sünde” (Joh 8,34). Zu gleicher Zeit lässt er sich von dem, der der Böse ist: Satan, überreden, dass die freiwillige-vorsätzliche Fesselung mit „der Begierde des Fleisches und der Begierde der Augen und der Hochmut des Lebens” (1 Joh 2,16) den Höhepunkt der autonomen Selbstbestimmung über sich selbst, d.h. der erreichten Freiheit, bildet. Nicht selten ist es so, dass der Mensch erst nach dem Fall in Sünde, die die ihn mit Gott selbst, seinem Urquell, verbindenden Fäden durchschnitten hat, bemerkt, wie bitter es ist, sich in der Leere der Sünde gefunden zu haben. Hier das Wort Gottes durch die Vermittlung des Propheten Jeremia (ca. 590 vor Chr.):
„Denn zweifach Böses hat mein Volk begangen:
Mich, die Quelle lebendigen Wassers, haben sie verlassen,
um sich Zisternen auszuhauen,
rissige Zisternen,
die das Wasser nicht halten.
Ist Israel ein Sklave,
oder ein Sklavensohn? Warum ist er zur Beute geworden?
Junglöwen haben über ihm gebrüllt ...
Sie haben sein Land zur Wüste gemacht ...
Auch die Söhne von Nof und Tachpanches [= Ägyptus; Gottes Feinde: = Satan]
weiden dir den Scheitel ab [= Zeichen der Schande und Verknechtung].
Hast du dir das nicht selbst zugefügt
indem du den Herrn, deinen Gott, verlassen hast ...
Deine eigene Bosheit züchtigt dich,
und deine Treulosigkeiten strafen dich.
Erkenne doch und sieh,
dass es schlimm und bitter ist,
wenn du den Herrn deinen Gott,
verlässt [= du Jerusalem, du Gottes Volk]
und wenn bei dir keine Furcht vor Mir ist! ...” (Jer 2,13-19 – ESt).
Oft bemerkt der Mensch auch erst nach der Sünde, wie entsetzlich die von Satan ausgezahlte Besoldung ist. Er bemerkt es in der abgelöschten Freude, Erstickung der „Strahlung mit Freude des Liebens” (FC 52) und der Fähigkeit, von der Johannes Paul II. spricht:
„... Indem sie sich gegenseitig gleichsam mit dem Auge des Geheimnisses der Schöpfung selbst sehen, erblickt Mann und Frau sich einander um so vollständiger und deutlicher mit dem Sehvermögen selbst: mit Augen des Leibes. Sie sehen sich nämlich und umfangen sich mit dem ganzen Frieden des inneren Anblicks, der gerade die Fülle der personalen Intimität erschafft” (ML 114f.).
So ist die Saat der Sünde: die zutiefste Störung der Friedensordnung des Herzens und der interpersonalen Bande. Der Völkerapostel fasst das kurz in Worten zusammen: „Denn der Lohn der Sünd ist der Tod” (Röm 6,23). Das Leben in Ehe und Familie mit dauernd infolge der Sünde mit Kraftanwand gelöschtem Gottes Lebens fällt in der inneren und äußeren Erfahrung selbst der Ungläubigen auf ein nur ‘Abhalten des Lebens’ herab. Die Ehe- und Familien-Gemeinschaft wird zum leeren Mit-einander- und Bei-einander-Sein, unterbrochen mit Zeiten gegenseitiger sexueller Ausbeutung als zweier Egoismen, die mit keinem tieferen geistigen Band verbunden sind. Ein andermal wird das Leben solcher Eheleute zur gegenseitigen Zankerei und dabei Abdämpfung der immer tiefer werdenden Lebens-Leere, die sie mit der Flucht von Zuhause und Familienfragen, und anderseits mit Veranstaltung von Vergnügen, Anrechnung immer anderer Erfahrungen, eventuell Übertränkung der verborgenen Frustration mit weniger oder mehr berauschenden Genussmittel – zu füllen suchen.
2. Gottes Stimme und der perverse „Genius der |
Nach der Sünde erwacht früher oder später die Stimme des Gewissens. Das geschieht gewöhnlich in Form der nicht schwindenden Gewissensbisse. Sie stellen eine besondere GABE des Dreieinigen für sein Lebendiges Ebenbild: Mann und Frau, dar. Nicht zu ihrem Übel, sondern ihrem vielfältigen Wohl. Denn:
„Frucht des rechten Gewissens ist vor allem, das Gute und das Böse beim Namen zu nennen” (DeV 43).
Johannes Paul II. erinnert:
„Doch zugleich entdeckt der Mensch ‘im Innern seines Gewissens ... ein Gesetz, das er sich nicht selbst auferlegt, sondern dem er gehorchen soll. Das Gewissen ist also keine autonome und ausschließliche Quelle, um darüber zu entscheiden, was gut und böse ist; ihm ist vielmehr das Prinzip des Gehorsams gegenüber der objektiven Norm tief eingeprägt, die die Richtigkeit seiner Entscheidungen mit Geboten und Verboten, die dem menschlichen Verhalten zugrunde liegen, begründet und sie bedingt ...
Gerade in diesem Sinn ist das Gewissen jenes ‘innere Heiligtum’, in welchem ‘die Stimme Gottes widerhallt’. Es ist die ‘Gottes Stimme’ selbst, auch dann, wenn der Mensch in ihr nur das Prinzip der moralischen Ordnung anerkennt, an dem man menschlich nicht zweifeln kann, ohne direkten Bezug auf den Schöpfer; gerade in diesem Bezug findet das Gewissen immer seinen Grund und seine Rechtfertigung” (DeV 43; s. ausführlicher: VSp 54-83).
In der Fähigkeit, die Stimme Gottes zu vernehmen, oder auch sie zu verachten, womit die unvermeidliche Befähigung des Menschen zusammenhängt, die rechenschaftliche Verantwortung gegenüber der „liebende Allmacht des Schöpfers” (DeV 33) aufzunehmen, drückt sich allem Anschein zuwider, die verwundernde Größe des Menschen aus. Gott fördert den Menschen unabtrittbar zum „Subjekt des Bundes [mit Gott]” und „Partner des Absoluten” (ML 76f.). Leider, der Mensch, fortwährend von dem, der der Böse ist, „verführt” (Offb 12,9), zieht unglaublich leicht sein Anvertrauen auf Gottes Liebe zurück und überträgt es (vgl. DeV 37) auf den „Vater der Lüge” (Joh 8,44). Indessen Satan strebt nichts anderes an, als den Menschen von Gottes Liebe wegzureißen (vgl. Lk 8,12; Joh 13,27; 1 Petr 5,8) und folgerichtig, ihn in die Qualen des ewigen Feuers hineinzuwerfen (Lk 12,5; Mt 25,41.46; 18,9.42; Joh 15,6; Offb 20,14f).
Dem Satan, dem „perversen Genius der Verdächtigungen” (DeV 37), gelingt es im Rahmen des entsetzenden „Geheimnisses der Gesetzwidrigkeit” (2 Thess 2,7) oft ungemein leicht in das Herz des Menschen ein Misstrauen Gott gegenüber einzuflößen, und:
„... das Gute an sich, das absolut Gute zu ‘verlügen’ – dann, als es sich im Schöpfungswerk als das Gute offenbart hat, das sich in unsagbarer Weise schenkt ... , als die erschaffende Liebe” (DeV 37).
Indem Satan „aufgrund seiner Sünde ‘Weltbeherrscher dieser Finsternis’ [Eph 6,12 – JB] geworden ist ...” (DeV 28), sucht er unermüdlich und verbissen nach dem einen:
„... Satan benützt das Werk der Schöpfung von Anfang an gegen die Erlösung, gegen den Bund und die Vereinigung des Menschen mit Gott ..." (DeV 27).
Noch mehr, gar nicht selten gelingt es ihm den Menschen zu überreden, Gott wäre seine ständige Bedrohung. Er überzeugt den Menschen, Gott wäre Ursache seiner ‘Alienation’ [= Entfremdigung], indem Er dem Menschen nicht erlaubt, dass er sich eben als Mensch weiterentwickelt:
„Siehe da, gegen das gesamte Zeugnis der Schöpfung und die mit ihr verbundene Erlösungs-Ökonomie, ist der ‘Geist der Finsternis’ fähig, Gott als Gegner seines Geschöpfes, und vor allem als Gegner des Menschen, als Quelle von Gefahr und Bedrohung für den Menschen zu zeigen.
Auf diese Weise wird von Satan in der Psyche des Menschen der Bazillus der Widersetzlichkeit gegen Diesen eingepflanzt, der ‘von Anfang an’ [angeblich] Gegner des Menschen – nicht aber Vater – sein soll. Der Mensch wurde herausgefordert, Gegner Gottes zu werden” (DeV 38).
Folge solcher Verlogenheit in Bezug auf Gottes Liebe ist ein aufrührerisches Streben danach, Gott zurückzuweisen und Ihn zu vernichten, oder eher Ihm selbst den Tod zuzufügen. Der Tod Gottes ist offenbar Absurdität:
„Eine gedankliche und sprachliche Absurdität! Die Ideologie des ‘Todes Gottes’ bedroht aber vielmehr den Menschen ...
– ‘Das Geschöpf sinkt ohne den Schöpfer ins Nichts ... – Überdies wird das Geschöpf selbst durch das Vergessen Gottes unverständlich’. Die Ideologie des ‘Todes Gottes’ beweist in ihren Auswirkungen leicht, auf theoretischer wie praktischer Ebene, eine Ideologie des ‘Todes des Menschen’ ... zu sein” (DeV 38; ebd., 56).
Wir mussten uns noch einmal darauf besinnen, Wer Gott ist – und was der rebellische Weggang von Ihm und seinen Geboten bedeutet. Im Herzen und in Ohren sollen wir dauernd die Worte Jesu über die Gebote – und vom Gebot, vernehmen:
„Und Ich weiß, dass sein Auftrag [= Gebot des Himmlischen Vaters] Ewiges Leben ist” (Joh 12,50; vgl. Lk 10,28).
Es ist schwer die Sünde als „Geheimnis der Gesetzwidrigkeit” (2 Thess 2,7) zu verstehen, solange in unserem Bewusstsein nicht eine klare Beziehung zu Diesem besteht, Wer und Wie Gott ist. Diese Hinsicht hebt Johannes Paul II. hervor:
„Man muss das Empfinden der Sünde entdecken, und um das zu erreichen, muss das Empfinden Gottes entdeckt werden. Die Sünde ist nämlich Beleidigung Gottes, des Gerechtigen und Barmherzigen, die nach entsprechender Expiation verlangt: in diesem oder künftigen Leben ...” (APR 8).
Und noch:
„Man soll von neuem das Empfinden der Sünde entdecken. Der Verlust des Empfindens der Sünde hängt mit anderem zusammen, das mehr radikal und geheimnisvoll ist – dem Verlust des Empfindens Gottes” (APR-K 5).
3. Grundsätzliche Erinnerungen |
Im Leben vieler Christen, und selbstverständlich auch der Nicht-Christen, darunter auch im Leben im Alltag vieler Ehepaare und Familien, kommt es zu vielen Sünden; nicht nur lässlichen-leichten. Sollten wir hier unsere Erwägungen hauptsächlich auf die ehelich-familiäre Wirklichkeit einschränken (obwohl die hier erörterten Fragen das Leben in jedem Stand und in jedem Altersbereich betreffen), müsste festgestellt werden, dass man gar nicht von jedem Ehepaar und jeder Familie sagen kann, es wäre „... eine ‘glückliche’ und beglückende Familie. Eine Arche des Bundes” (Johannes Paul II., Dritte Pilgerfahrt in die Heimat, Stettin, Helle Wiesen, Ansprache an die Familien, 11.VI.1987, Pkt. 8). Nicht alle Familien könnten mit Freuden und Hoffnung feststellen: „Der Bräutigam ist mit uns” [uns = korrigierte Übersetzung]” (BF 18-23): und zwar Jesus Christus, der Bräutigam-vom-Kreuz!
Viele Familien laden Gott zu sich äußerst selten ein, und nur für sehr kurz. In solchen Fällen kommt sofort der Zweifel auf, ob diese Einladung tatsächlich ‘Einladung’ bedeutet, oder auch ist es ein im Voraus vorausgesetztes Sakrileg. So pflegt es zu sein, wenn jemand gelegentlich der großen Feste es aufbringt, dass er zwar zur Heiligen Beichte herantritt, allerdings eigentlich hauptsächlich nur deswegen, weil es nicht passt, in dieser Zeit zur Beichte und heiligen Kommunion nicht heranzutreten. Zu gleicher Zeit erarbeitet sich dieser Jemand in seinem Inneren keine ernste Absicht, die Fragen seines Gewissens zur Ordnung zu bringen. So erscheint sofort die grundsätzliche Frage: ob eine eventuelle Heilige Beichte, diese ‘saisonale, überhaupt gültig ist, oder auch ist sie von vornherein unaufrichtig und konsequent: sakrileg?
Wir möchten in diesem Kapitel und den nächstfolgenden – all denen, die trotzdem sie zum Fall kommen, aber doch beten: „... Dein Angesicht, Herr will ich suchen” (vgl. Ps 27 [26], 8; Hos 5,15; usw.), eine Handvoll Vorschläge unter dem Gesichtspunkt der Heiligen Beichte anbieten. Gemäß der grundsätzlichen Thematik dieser WEB-Site suchen wir danach, in erster Reihe Eheleuten Hilfselemente dafür darzustellen. Wie in jeder anderen Lage, kommt es in den Ehen zu Sünden praktisch gegen alle Gottes Gebote. Hier haben wir vor, vor allem die Ehesünden im Bereich des VI. und IX., und dabei des V. Gebotes zu berücksichtigen. Es muss freilich auch an das IV. Gebot erinnert werden – wenn auch nur aufgrund der Erinnerungen vom Brief an die Familien Johannes Paul II. (s. z.B.: BF 16).
– Wir glauben, dass trotz der einigermaßen tatgewordenen Beschränkung der anschließend angebotenen Erwägungen auf das Leben in erster Linie in Ehe und Familie, Personen jedes anderen Standes und Alters so manche hier dargestellten Eingebungen zu Gutem ihrer geistigen Formation angesichts Gottes und der Menschen mit Nutzen annehmen werden können.
In den folgenden Erwägungen möchten wir verschiedene Aspekte der erwähnten Gebote darstellen. Zugleich haben wir vor, gemäß des in unserer WEB-Site angenommenen Stils, eine Handvoll tiefere Begründungen der ‘Sündhaftigkeit’ der vorkommenden Sünden im besprochenen Bereich darzustellen.
– Es dürfte erinnert werden, dass die verpflichtende Beschaffenheit irgendwelches der Gottes Gebote von keiner menschlichen Argumentation abhängig ist (vgl. VSp 110). Gott, der dringend bittet, dass die Friedensordnung, die Er in die personale Würde von Mann und Frau eingeprägt hat, angenommen und beobachtet wird, gehört sich anvertrauen, indem seiner Liebe auch dann geglaubt wird, wenn die Beobachtung eines bestimmten Gebotes mit Mühe verbunden ist, seinem Selbst zu herrschen. „Der Gehorsam dem heiligen Gottes Gebot” (VSp 102) kann manchmal selbst die Bereitschaft bedeuten, das eigene Leben dahinzuopfern:
„Sicherlich verlangt die Harmonie zwischen Freiheit und Wahrheit mitunter durchaus ungewöhnliche Opfer und wird um einen hohen Preis erlangt: er kann auch zum Martyrium führen ...” (VSp 102).
Gott ist Vater, der liebt, aber auch Forderungen stellt. Er warnt sein Lebendiges Ebenbild seriöse, und beruft sich dabei auf die ihm dargebotene Befähigung, zwischen dem Guten und Besserem zu wählen, zwischen Gut und Böse, Leben und Tod. Zugleich gibt Er dem Menschen zu kennen lernen, dass Er ihn niemals zur Befolgung der Gebote nötigt, dagegen immer nur sehr bittet, das Wort Gottes nicht nur zu hören, sondern es auch zu erfüllen (vgl. Lk 8,21). In seinen Warnungen drückt sich Gott nicht davor, die entsetzlichen ewigen Folgen wegen der Übertretung der Gebote zum Bewusstsein zu bringen: „Denn am Tag, da du davon isst, musst du sicher sterben” (Gen 2,17 – JB)! Die Sicht der ewigen Verdammnis ist niemals Ausdruck Gottes Wunsches. Die ewige Verdammnis wäre dagegen im Fall der Zurückweisung Gottes Gebote geradeaus Erfüllung des deutlichen Willens des Menschen, der in der Sünde deutlich nach ewigem Leben in Nicht-Liebe und Nicht-Leben verlangt.
Anderseits kann Gott nicht – dem Menschen keine Gelegenheiten verschaffen, dass er sich von der Qualität seiner Liebe auch ausweisen kann. Sowohl vor sich selbst, wie vor den Nächsten – in diesem Fall vor diesem anderen in der Ehe, und um so mehr vor Gott selbst. Indem Gott die menschliche Schwäche kennt, schenkt Er ihm nicht wenige Gelegenheiten, dass er Werke der Liebe erfüllen kann. Darin besteht auch letztlich der Sinn des Lebens, das dem Menschen geschenkt worden ist im Zeitabteil zwischen der Empfängnis und dem Augenblick seines Todes. Dem Dreieinigen ist es an nichts anderem so sehr gelegen, als darauf, dass sein Lebendiges Ebenbild in Fülle seiner Freiheit die Wahl nach dem Leben fällt, das Liebe ist. Denn hinter dieser Wirklichkeit ist Er selbst – Gott, verborgen!
Auch Eheleuten und diesen, die sich zur Ehe vorbereiten, hat Gott einfache und verständliche Gebote geschenkt. Dass es keinen Zweifel gibt, wie es sie zu verstehen gilt, hat Gott sein Volk mit der Gabe der heiligen Kirche beschert. Und zwar der Sohn Gottes hat die Kirche mit dem Charisma der Wahrheit ausgestattet. Es betrifft Fragen, die irgendwie in die Sicht der Erlösung des Menschen eintreten. Zum selben Zweck dient der jedem Menschen dargeschenkte „Glaubens-Sinn”. Der Glaubens-Sinn muss aber wachsam betreut werden: er soll entwickelt werden. Authentischer und autoritativer Deuter des ‘Glaubens-Sinns’ ist aber nicht der einzelne Mensch, sondern aufgrund Jesu Christi Einsetzung einzig und allein das Lehr-Amt der Kirche. Die Ehegatten wissen daher Bescheid, wie IHR Weg der Liebe und Elternschaft ist und sein soll.
Jeder Mensch: Mann und Frau – wird von Gott gewollt-geliebt-beabsichtigt „um seiner Selbst willen”. Indem Gott die Wahrheit ist, d.h. Er ist beständig der einmal seinem Lebendigen Ebenbild angebotenen Bräutlichen Liebe treu, ist selbst die Sünde nicht imstande Gottes Liebe-Angebot als gerade Gottes Wahrheit-Treue zu vereiteln. Gottes Liebe ist unerschütterlich „mächtiger als die Sünde” (DeV 39), mächtiger auch als der Tod. Gottes Liebe, die ganz und gar Erlösung ist, ist unwiderruflich größer als selbst die größte mögliche Sünde: der grausamen Ermordung des Gebers selbst des Lebens, Jesus Christus (vgl. DeV 31.39; DiM 8; Apg 3,15). Denn jede Sünde des Menschen: Mann und Frau, ist im Kreuz Jesu Christi eine „erlöste Sünde” (s. DeV 28).
B. Die ANGEBOTENE ERLÖSUNG |

1. Lösegeld für die Sünde Gottes Ebenbildes |
In Jesus Christus wurde Gott – Mensch. Jesus hat das Menschwesen hierzu angenommen, um seinem Ebenbild als „Diener der Diener”, liebend – seine allmächtige geistige Hilfe zu gewährleisten. Dank ihrer wird der Mensch von neuem vom Knecht der Sünde – zum Gottes Kind werden können (vgl. Joh 1,12; Gal 4,5ff; Röm 8,14-23; 1 Joh 3,1f; VSp 103; EV 29-51.78-101).
Zu gleicher Zeit gibt Gott seinem Ebenbild das Grauen der Sünde zu kennen lernen. Die Wirklichkeit der Sünde muss furchterregend sein, wenn die Genugtuung für die Sünde – und folglich die Erlösung, für einen unvorstellbar großen – unendlichen – Preis vollbracht werden musste. Niemand der Menschen ist imstande, Gott für das Übel der Sünde Sühne zu leisten. Die Sünde ist vonseiten des Menschen Aufruhr und Verachtung des Höchsten Gutes. Sie ist Zurückweisung der Bräutlichen Hand Gottes. Sie ist Wahl nach der verlogenen Satans ‘Liebe’ – anstelle der „liebenden Allmacht des Schöpfers”. Wir verstehen es nur allzu gut: nur jemand Gleicher kann einen ‘Gleichen’ um Vergebung bitten. Indessen zwischen Gott und dem Menschen klafft ein unmöglich zu planierender Abgrund, die den Schöpfer vom Geschöpf trennt.
In dieser Lage der Hoffnungslosigkeit für den Menschen, hat Gott in seinem wunderbaren Vorhaben beschlossen, dass Er selbst den Menschen von ihm drohenden Ewigen Tod herausreißt. Der Schöpfer und Erlöser selbst unternimmt das Werk, für das unendliche Übel der Sünde – anstatt des Menschen die Sühne zu leisten. In Jesus Christus wird der Dreieinige zum Erlöser des Menschen! Jesus Christus nimmt dieses Werk einerseits in seiner Hingabe als Sohnes gegen seinen Vater auf sich, und anderseits kraft seiner glühenden Liebe zu seinen menschlichen Brüdern und Schwestern.
Im Tode Jesu Christi am Kreuz erreicht ihren Gipfel Gottes Barmherzigkeit. Gott liebt den Menschen in der Tat – unabänderlich: auch diesen Sündigenden. Er strebt danach, ihn um jeden Preis aus den Händen Dieses Herausreißen, der der Böse ist. Jesus Christus drückt sich vor der Annahme unvorstellbarer Martern und Demütigungen nicht, die Ihm der Mensch, sein Ebenbild: seine Mystische Braut, bereitet und die ihren Gottes Bräutigam immer wieder weiter verrät! Gesteuert vom Bösen – dem Satan, wird sich der Mensch an seinem Schöpfer und Erlöser rasend austoben, indem er weiter nicht glaubt, dass gerade Er – und nur Er – Liebe ist!
Aber, wie schon oben gesagt, der Heilige Geist, der im Schoß der Gottheit auf personale Art und Weise den Vater mit dem Sohn in selber, absolut einer einzigen Gottes Natur vereinigt, führt die Trinität dazu, dass die ‘Sache der Sünde’ eine totale Transformierung erfährt:
„In Gott bildet der Geist-die-Liebe die Sache der menschlichen Sünde in neue Beschenkung mit heilbringender Liebe um. Aus Ihm [= dem Heiligen Geist, der Peson-der-Liebe], in Einheit mit dem Vater und dem Sohn, wächst die Erlösungs-Ökonomie hervor, die die Geschichte des Menschen mit Gaben der Erlösung erfüllt” (DeV 39).
Jesus Christus, „der sich selbst kraft ewigen Geistes Gott als makelloses Opfer dargebracht hat” (Hebr 9,14), erlebt am Kreuz menschlich gesehen, aber auch als Gott – einen für den Menschen unsagbaren Schmerz seiner Zurückweisung vonseiten des Menschen. In der Kreuzigung Gottes – weist der Mensch Gottes Liebe zurück. Es ist diese Liebe, die ihn mit lauter Gutem beschenkt: mit Gutem der Erlösung, dem definitiven Guten. Jesus konnte gleichsam nicht länger aushalten, um sich vor seinem Geschöpf von gerade diesem Schmerz nicht zu beschweren. Er vertraute sich dessen kurz vor seinem Tod an. Er versprach damals seinen menschlichen Brüdern und Schwestern, Er werde ihnen den Heiligen Geist aussenden. Dieser werde ihr „zweiter” Tröster sein, Denn Er selbst, Jesus Christus, bleibt immer ihr „erster” Tröster (DeV 3; 1 Joh 2,1).
Aber das Kommen des versprochenen Heiligen Geistes, der das Erlösungswerk Jesu Christi nach seiner Kreuzigung und Auferstehung weiterführen wird, wird mit ungemein hohem Preis losgekauft werden: mit dem Preis Jesu Christi „Wegganges”, d.h. seines schauderhaften Todes – als des zu Tode gemarterten Gott-Menschen. Gerade dieser Kreuzestod öffnet den Weg, dass um diesen Preis der Heilige Geist kommen kann. Erst dann wird der Heilige Geist auch die Ihm vom Vater und Sohn auferlegte Sendung in vollem Grad erfüllen können:
„Und wenn Er kommt, wird Er die Welt überzeugen über die Sünde, über die Gerechtigkeit und über Gericht. Über die Sünde, weil sie nicht an Mich glauben ...” (Joh 16,8f – eigene Übersetzung).
Diese Worte Jesu Christi bezüglich des Heiligen Geistes, waren schon oben Gegenstand unserer Erwägungen. Wir haben dabei reichlich die Lehre Johannes Paul II. angeführt, die er in seiner Enzyklika über den Heiligen Geist dargestellt hat (s. ob.: Wiederherstellung des Status der Bräutlichkeit – dieser ganze Unterpunkt bis zum Ende des Kapitels). Im nächsten, fünften Teil werden wir dieses Thema noch einmal aufgreifen, dieses Mal im Anschluss an Gottes Barmherzigkeit.
Die menschlichen Brüder und Schwestern des Erlösers, die seine Liebe bezweifeln, gehen gleichsam auf ihre Überprüfung über: ob Er, unter Martern – weiter noch lieben wird? Sie werden die Qualität seiner Liebe auf tödliche Probe ausstellen: ob sie tatsächlich Liebe Gottes ist, die also angesichts der Sünde des Verrates, der Vespottung und sadistisch verrichteten, entsetzlich präparierten Todes – nicht zusammenbricht? Jesus Christus wendet sich dann aber an sein Volk gleichsam mit solchen Worten:
„Ihr könnt Mich selbst zu Tode martern! Ich liebe sowieso! Und verzeihe es euch von vornherein! Würdet ihr wirklich Bescheid wissen, was ihr tut, würdet ihr auch euren Gott: den Schöpfer, aber auch Erlöser, nicht töten!
Ich will nicht, dass ihr für ewig verloren geht ! Ich will euch ‘zu Mir holen, damit auch ihr dort seid, wo Ich – bin!’ Nimmt die Liebe Gottes an! Nimmt den Erlösungs-Tod an!
Und ... sündigt nicht mehr” !
2. Sünde der zurückgewiesenen Liebe des Dreieinigen |
Der Erlöser ist sich bewusst in seiner Liebe, die dauernd „mächtiger ist als die Sünde” des Unglaubens und Misstrauens gegen diese Liebe, dass die Menschen nicht ganz ‘sie-selbst’ sind, wenn sie ihren Gott ... kreuzigen. Die Menschen sind dann entweder teilweise, oder selbst ganz vom Bösen besessen. Dieser aber rächt sich auf diese Art und Weise an seinem Schöpfer. Er übt aber Rache auch an den Menschen aus. Er strebt danach, sie mit seiner ganzen Verbissenheit zugrunde zu richten und sie von der Sicht der verheißenen ewigen Glückseligkeit abzureißen. Zu diesem Zweck verführt er sie und überredet sie, dass erst er, dieser Böse, sie mit wahrer Freiheit bescheren wird. Diese wird darauf beruhen, dass sie von nun an ‘von’ diesem ‘Nicht-guten’ Gott, der durch die unselige Befolgung seiner ‘unmenschlichen Gebote’ geliebt werden soll, befreit werden.
– Daher ruft der sterbende Erlöser zum Vater von der Höhe des Kreuzes, in der Torheit seiner – ihren Höhepunkt erreichenden, ihr Selbst dahinbringenden Liebe, die nicht demütigt, sondern emporhebt: „Vater, vergibt ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun” (Lk 23,34)!
Auf solche Weise umwandelt der Heilige Geist, den der Erlöser am Tage seiner Auferstehung den Aposteln schenkt – ‘gleichsam in den Wunden seiner Kreuzigung’ (DeV 24; Joh 20,20ff) und deutlich ‘zur Vergebung der Sünden’ (Joh 20,23) – Gottes unsagbaren Schmerz seiner Zurückweisung – in um so größere Bescherung des Menschen mit der Möglichkeit, die Erlösung umsonst zu empfangen:
„Der Heilige Geist ist das ‘Feuer vom Himmel’, das in der Tiefe des Geheimnisses des Kreuzes am Werk ist ...
Wenn die Sünde das Leiden hervorgebracht hat, so gewinnt jetzt der Schmerz Gottes ... durch den Heiligen Geist, im Gekreuzigten Christus seinen endgültigen menschlichen Ausdruck ...
... In Christus leidet der von seinem Geschöpf zurückgewiesene Gott: ‘Sie glauben nicht an Mich’! Zugleich aber holt der Geist aus der Tiefe dieses Leidens – und mittelbar: aus der Tiefe der Sünde, dass ‘sie nicht an Mich glauben’, ein neues Maß der Beschenkung des Menschen und der Schöpfung von Anfang an. In der Tiefe des Geheimnisses des Kreuzes ist die Liebe am Werk, die den Menschen erneut zur Teilnahme am Leben hinführt, das in Gott selbst ist" (DeV 41).
Der Schmerz des Göttlich-Menschlichen Herzens Jesu Christi ist offenbar nur Widerspiegelung des Schmerzes des Dreieinigen, den das Gottes Ebenbild: Mann und Frau – als der Aufmerksamkeit Unwürdigen im Vergleich zur verlogenen ‘Liebe’ des Bösen verächtlich behandelt hat. Aber gerade dieser Schmerz des Dreieinigen, kondensiert im Herzens-Schmerz des Himmlischen Vaters, wird:
„... das wunderbare Vorhaben der Erlösenden Liebe in Jesus Christus hervorbringen, damit ... die Liebe in der Geschichte des Menschen sich als stärker erweisen kann als die Sünde. Damit die Gnaden-Gabe Gottes siegt" ...! (DeV 39).
Gottes Vorhaben des Heils-der-Erlösung wendet sich nicht nur keinesfalls gegen den Menschen, sondern ist ein einziger, großer Gottes Kampf ‘um’ den Menschen. Die Erlösung strebt beständig das eine an:
„(Sie) ... schlägt den Menschen gewissermaßen vom ‘Gericht’ ab, d.h. von der Verdammung, von der die Sünde Satans, des ‘Beherrschers der Welt’, betroffen wurde ...” (DeV 28).
Der Dreieinige Gott, der Liebe ist (1 Joh 4,8.16), erweist sich so in Jesus Christus als Gott voller Barmherziger Liebe zu seinem Lebendigen Ebenbild – dem Menschen. In Ihm enthüllt Gottes Liebe ihr eigentliches Wesen. Sie besteht in dauernder Bescherung des Menschen, gemäß der zentri-fugalen Dynamik Gottes Liebe. Allerdings, eben deswegen wird die Liebe Gottes zugleich auch zur ungemein anspruchsvollen Aufforderung:
„Denn Gott [= der Vater] hat die Welt so geliebt [= die Welt der Menschen], dass Er seinen Einzigen Sohn hingab [= hingeopfert, preisgegeben hat: die zentri-fugale Dynamik der Liebe in Gott selbst], damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht zugrunde geht [= in Verdammung der ewigen Qualen], sondern das ewige Leben hat [= positiver Gegenteil zum Verlorensein im ewigen Feuer; vgl. SD 14]” (Joh 3,16).
Gottes Barmherzigkeit, zu derem Ausdruck die Erlösung geworden ist, ist ganz mit eigenem Blut Jesu Christi, des Gottes und Menschen in seiner einzigen, Gottes Person, übergossen. Barmherzigkeit und die Vergebung der Sünde kostet einen unvorstellbar großen Preis. Uns, den Menschen, die wir uns an unserer Erlösung nicht bemüht haben, bleibt das eine: die Gottes Gabe der Erlösung anzunehmen! Erst so wird sie für den einzelnen auch nützlich.
Selbst die Erlösung ist dem sündigenden Menschen völlig gratis-umsonst zugekommen. Strikt gesagt, sie ist all dem zuwider gekommen, was sie ihm gehört hatte:
„Gott hat aber seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren ...
Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch (Gottes) Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, gerettet werden durch Sein Leben” (Röm 5,8.10).
„... Wir ... waren von Natur Kinder des Zornes ...
Gott aber, der reich ist an Erbarmen, hat um seiner großen Liebe willen, mit der Er uns liebte, auch uns, die wir tot waren durch Übertretungen, mit Christus zusammen lebendig gemacht ...
Denn durch die Gnade seid ihr gerettet auf Grund des Glaubens; und das ist nicht aus euch selbst, nein, Gottes Geschenk ist es; nicht aus Werken, damit keiner sich rühme ...” (Eph 2,3-5.8f – JB).
„Wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden. Denn wie die Sünde herrschte und zum Tod führte, so soll auch die Gnade herrschen und durch Gerechtigkeit zum ewigen Leben führen, durch Jesus Christus, unseren Herrn” (Röm 5,20f).
So bleibt also vor dem Menschen die Chance stehen:
„... dass [= sich der Mensch] durch die aussergewöhnliche Bewegung der Anziehung [= Geheimnis der Erlösung] in Richtung der Erlösung hinreißen lässe” (APR-K 3).
„Denn nicht der Mensch soll sich von eigenen Sünden erlösen, sondern er soll erlöst werden, indem er die vom Erlöser angebotene Vergebung annimmt ...” (ebd., 5).
Einführende Voraussetzung, um sich die vollbrachte Erlösung zunutze zu machen, ist vonseiten des Menschen eine „ständige Anstrengung, die im Prinzip selbst den Abbruch mit der Sünde voraussetzt” (APR 8).
3. Der einzige gewöhnliche Weg um die Gnade |
Die Erlösung ist auf den Menschen schließlich ganz gratis: umsonst gekommen. Der Erlöser ruft zu seinem Volk, dem Er zugleich den Heiligen Geist anbietet:
„Wer durstig ist, der komme. Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens” (Offb 22,17; vgl. Joh 7, 37; Jes 12,3).
Dem Menschen bleibt das eine: heranzutreten und „sich dem Erlöser aufzuschließen” (APR 1). Als Erlöster, erhält der Mensch die Einladung, dass er sich persönlich, individuell – zur „Privat-Audienz” bei seinem Erlöser stellt (vgl. RH 20). Und dass er dabei um die Vergebung seiner begangenen Sünden bittet ...
Die Gelegenheit, sich zu solcher persönlichen Audienz zu stellen, bietet das einigermaßen schwierige, aber doch gesegnete Sakrament, das vom Erlöser zum Trost und zur Regeneration seiner sündigenden Brüder und Schwestern gegründet worden ist: das Sakrament der Heiligen Beichte. Es pflegt verschieden genannt zu werden: Sakrament der Beichte, Tribunal der Barmherzigkeit, Sakrament der Versöhnung, Sakrament der Vergebung ... u.dgl.
Gott kann die Sünden selbstverständlich auf von Ihm allein bekannte Art und Weise vergeben, d.h. unabhängig vom Sakrament der Beichte, und einfach indem Er auf das menschliche Herz hinschaut. Uns aber ist es nicht erlaubt dem Erlöser zu ‘diktieren’, was uns eher als Mittel zur Vergebung der Sünden entsprechen würde:
„Es wäre Unsinnigkeit, aber auch Vermessenheit, die Werkzeuge der Gnade und Erlösung, die von Gott gegründet worden sind, auf arbitrale Weise zu ignorieren vorzuhaben und sich zugleich, in diesem Fall um die Verzeihung mit Hinweggang über das Sakrament zu bewerben, das von Christus gerade zur Vergebung gegründet worden ist” (RP 31-I).
Es ist Christi Wille, dass die Früchte seines Erlösungs-Todes, in dessen Kraft die Tilgung der Sünden erlangt wird, an den einzelnen Menschen durch das institutionelle Werkzeug gelangen, das die priesterliche Lossprechung darstellt. Jesus Christus hat das Sakrament der Beichte nicht zwecklos eingesetzt! Nach der Ankündigung bei Cäsarea Philippi, dass Er Petrus und die Aposteln mit der Macht der „Schlüssel vom Himmelreich” und der „Bindung und Lösung auf Erden und im Himmel” (Mt 16,19; 18,18) ausstatten wird, hat Jesus Christus dieses Versprechen verwirklicht. Es war am Tag selbst der Auferstehung. Er hat damals das Sakrament der Vergebung eingesetzt und den Aposteln die Macht verliehen, die Sünder in Kraft des Heiligen GEISTES von ihren Sünden loszusprechen. Die Kirche hat Jesu Worte von Anfang an so verstanden, dass sie daselbst alle Priester betreffen:
„Nachdem Er das gesagt hatte, hauchte Er sie an und sprach zu ihnen: ‘Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert’ ...” (Joh 20,22f).
Von nun an gibt es keinen anderen ordentlichen Weg, die Vergebung-Tilgung der Sünden zu erlangen, als nur durch den Dienst der Kirche Christi im Sakrament der Beichte-der-Versöhnung:
„Um den Zustand der Gnade zu wiedergewinnen, genügt unter gewöhnlichen Umständen die innere Anerkennung der eigenen Schuld nicht, noch die äußerliche Genugtuung. Denn Christus der Erlöser, indem Er die Kirche gegründet und sie zum universellen Sakrament des Heiles gemacht hat, hat beschlossen, dass sich das Heil des Einzelnen Menschen im Inneren der Kirche und durch die Vermittlung des Dienstes dieser Kirche ereignet ...
... Der ‘Weg’, den Christus uns zu kennen lernen erlaubt hat, läuft durch die Kirche, die über die Vermittlung des Sakramentes (oder zumindest des ‘Verlangens’ nach dem Sakrament) den neuen persönlichen Kontakt zwischen dem Sünder und dem Erlöser einsetzt. Dieser belebende Kontakt, auf den auch das Zeichen der sakramentalen Lossprechung hinweist, in dem der verzeihende Christus, in der Person seines Dieners, an alle im einzelnen gelangt, die seiner Vergebung benötigen, stärkt in ihnen diese Überzeugung des Glaubens, von der jede andere Überzeugung abhängig ist: des ‘Glaubens an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich für mich hingegeben hat’ ...” (APR 5).
Johannes Paul II. äußert sich vom Sakrament der Buße-der-Versöhnung in folgenden, charakteristischen Worten. Er umfasst in ihnen sowohl die Hinsicht des hier sich ereignenden Liturgischen Aktes, wie die Tatsache, dass der Sünder hier von Gottes Barmherzigkeit umgeben wird::
„Es ist eine Liturgische Handlung, feierlich in ihrer Dramatik, einfach und schlicht bei der ganzen Erhabenheit ihrer Bedeutung. Es ist die Geste des verlorenen Sohnes, der zum Vater zurückkehrt und von ihm mit dem Friedenskuss empfangen wird; eine Geste der Loyalität und des Mutes, Geste des Anvertrauens seiner selbst, trotz der Sünde, auf die Barmherzigkeit, die verzeiht” (RP 31-III).
Die Feier selbst des Sakramentes der Heiligen Beichte geschieht in der Zeit, da der Betreffende individuell zum Sakrament der Busse herantritt. Nur ausnahmsweise, vor allem in der Lage der Todesbedrohung, hat die Kirche aller Zeiten auch die Möglichkeit einer einmaligen Erlangung der sog. ‘allgemeinen’ Lossprechung (General-Absolution, Kollektiv-Lossprechung) gekannt. Solche Fälle waren aber seit immer mit bestimmten Voraussetzungen gesichert, ohne die die Lossprechung in so außergewöhnlichen Umständen unmöglich geschehen würde.
Gerade diese Hinsicht des Sakramentes der Versöhnung: die General-Absolution, – wurde seit mehreren Jahren zum Gegenstand von Auseinandersetzungen, oder genauer: vieler, entsetzlicher Missbräuche. Demzufolge entstand die Notwendigkeit, das der Apostolische Stuhl in die Frage der Feier des Sakramentes der Busse eingreift, besonders in einigen bestimmten Ländern. Möge es daher angebracht sein, dass hier im Augenblick zuerst die Frage der General-Absolution besprochen wird, dass es diesbezüglich keine Unklarheiten gibt. So wird es zugleich möglich, das Wesen des Sakramentes der Versöhnung tiefer zu verstehen, also die Frage, worin die Gnade dieses Sakramentes beruht. Gott vergibt hier sowohl die ewige Schuld, wie auch die ewige Strafe, falls der Beichtende mit dem Bewusstsein wegen auch nur einer einzigen schweren begangenen Sünde – um die Gabe der Lossprechung herannahen würde.
